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Inga, 34, Mannheim

An optimist is someone who figures out that taking a step backward after taking a step forward is not a disaster, it’s more like a cha-cha.


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Inga! Fangen wir doch am Anfang an. Wo und wie bist du aufgewachsen?
In einem kleinen Dorf in der „Nähe“ von Köln oder auch Bonn, je nachdem wie man das sehen will – im Laufe meines Lebens hat sich die Beschreibung dessen verändert. Jedenfalls muss man lange in öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto sitzen, um eine Straßenbahn oder ein Kino zu Gesicht zu bekommen.

Wie warst du als Kind?
Abenteuerlustig, ein Raufbold, der Klassenclown, manchmal bestimmt eine Nervensäge. Ich habe lieber mit Jungs gespielt als mit Mädchen und mich manchmal geprügelt. Ich hatte kurze Haare, wollte zeitweise Ingo genannt werden und habe mich bis zur vierten Klasse geweigert, ein Kleid zu tragen (ein Psychoanalytiker hätte seine wahre Freude an mir). Ich wollte alles alleine machen, gleichzeitig konnte ich bis zur siebten Klasse keine Klassenfahrt mitmachen vor lauter Heimweh. Ich hatte immer Angst, alleine zu sein. Ich bin das Nesthäkchen der Familie, meine große Schwester war immer mein größtes Vorbild.

Was bedeutet dir Familie?
Beziehungen bedeuten mir extrem viel, natürlich allen voran die Familie. Manchmal so viel, dass es mir Angst macht. Angst, dass ich mich auflöse und gar nicht mehr als einzelne Person existiere.

Wie war deine Jugend?
Nach einem Stimmungstief in der 6. und 7. Klasse (ich hatte oft Angst, den Anforderungen in der Schule nicht zu genügen und in meinem Freundeskreis nicht dazu zu gehören) habe ich im Theaterverein, dem Schau-Spiel-Studio Oberberg, ein zweites Zuhause gefunden. Der Rest meiner Schulzeit spielte sich hauptsächlich dort ab. Ich war Feuer und Flamme fürs Theater spielen und es war eine ganz tolle Truppe, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe.

Hättest du dir vorstellen können, die Schauspielerei zu deinem Beruf zu machen?
Ja, das habe ich auch versucht. Mir wurde gesagt ich habe Talent, aber mir fehle es an Durchsetzungsvermögen und Persönlichkeitsprofil. Das stimmt, ich war gerade 18 Jahre alt und alles andere als eine ausgereifte Persönlichkeit… Und ich bezweifle, dass ich das jemals von mir behaupten werde.
Meine Überlegung war dann, dass es eine gute Alternative wäre, Psychologie zu studieren, weil man sich dort sehr ähnliche Fragen stellt wie beim Theater spielen: Warum handelt/fühlt/denkt diese Person jetzt gerade so? Die Herangehensweise an diese Fragen unterscheidet sich natürlich sehr stark, und ich denke, die wissenschaftliche Perspektive der Psychologie liegt mir im Endeffekt mehr.

Du bist Diplom-Psychologin. Was fasziniert dich an deiner Arbeit?
Ich würde immer wieder Psychologie studieren, es ist ein ungeheuer vielseitiges Fach. Jetzt gerade bin ich sehr glücklich in der Forschung. Ich liebe es, mir Experimente auszudenken, auszuwerten und dadurch ein bisschen darüber herauszufinden, was langfristig Patienten helfen könnte. Ich bin nicht sicher, ob ich immer in der Forschung bleiben möchte oder kann – dafür ist die Konkurrenzsituation zu groß, und ich bin nicht bereit, deswegen bezüglich Partnerschaft und Familie zu weit zurückzustecken.
Leider hindert das Wissenschaftszeitgesetz viele interessierte junge Wissenschaftler, vor allem Frauen, daran, langfristig in der Forschung zu bleiben. Es führt letztlich dazu, dass man es irgendwann auf eine Professur schaffen muss, oder man fliegt sechs Jahre nach der Promotion raus – weil der Vertrag dann entfristet werden müsste, und sich die Unis das nicht leisten können oder wollen. Das heißt für mich: Entweder es klappt mit der Professur, oder ich werde mich irgendwann als Verhaltenstherapeutin niederlassen, und hoffe, dass ich bis dahin noch ganz viel Lebenserfahrung sammle und weise werde.

Was inspiriert dich?
In die Natur zu gehen und dort allmählich zur Ruhe zu kommen. Ich habe, zuerst im Rahmen meiner Selbsterfahrung, mehrtägige Wanderungen gemacht, um die Angst vor dem Alleinsein zu verlieren. Ich habe dabei ein ganz neues Gefühl kennen gelernt, eine Klarheit und Ruhe, die ich sonst selten so stark erlebt habe.

 

 

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Für wen – egal ob berühmt oder nicht, ob Mann oder Frau, lebendig oder tot, real oder fiktiv – schwärmst du?Es gibt Menschen, die sind so ganz im Reinen mit sich und strahlen das auch aus. Immer wenn mir so jemand begegnet, bin ich ganz fasziniert.

Was macht dich glücklich?
Meine Tochter aufwachsen zu sehen. Meine Arbeit. Zeit mit meiner Familie oder Freunden zu verbringen. Die richtige Balance von Action und Stille.

Was ärgert dich maßlos?
Machtmissbrauch.

Hast du ein Lieblingszitat oder Lebensmotto?
Mein Lebensziel ist es, immer weiter zu wachsen. Das ist nicht immer angenehm, aber ich bin Optimist und davon überzeugt, dass ich das Beste aus den Gegebenheiten machen werde.

Hast du Vorbilder?
Ja klar, für jeden Lebensbereich und jede Rolle, die ich einnehme, habe ich mehrere Vorbilder. Das sind alles Menschen, die ich aus meiner Biografie kenne. Du zum Beispiel, liebe Melanie, bist ein großes Vorbild für mich, wenn es um meine Rolle als Frau geht. Du bist intelligent und reflektiert, selbstbewusst, mutig, erfüllst dir deine Träume und genießt es, sexy zu sein. (Die Bloggerin wird rot. Anm. d. Bloggerin)

Was ist das Interessanteste, das dir je passiert ist?
Das ist eine wichtige Frage an mich. Ich möchte ja sehr gerne ein interessanter und besonderer Mensch (für andere) sein. Aber gleichzeitig führe ich ein stinknormales Leben, wie Millionen andere auch. Ich habe festgestellt, dass es sehr interessant ist, mir selbst zu begegnen, ohne die Perspektive anderer Menschen immer gleich mitzudenken. Gelingt mir aber eher selten.

Welches ist die wichtigste Lektion, die du bisher gelernt hast?
Von meiner Tochter habe ich sehr eindrücklich gelernt, dass die Entwicklung nicht linear verläuft, sondern aus einem ewigen Vor und Zurück beziehungsweise Auf und Ab besteht. Ich kannte zwar schon länger das folgende Zitat, aber jetzt verstehe ich es wirklich: „An optimist is someone who figures out that taking a step backward after taking a step forward is not a disaster, it’s more like a cha-cha.“

Was ist der Sinn des Lebens?
Herauszufinden, was dich auszeichnet und glücklich macht – und das dann auch zu leben.

Und welche Frage habe ich vergessen, obwohl du eine echt gute Antwort parat gehabt hättest?
Ich denke gerade viel darüber nach, wie es mich verändert, Mutter zu sein. Dazu habe ich keine gute Antwort, aber suche oft danach. Heute Morgen dachte ich, es ist wie mit einem zusätzlichen Ball jonglieren zu lernen.
Ich merke auch, dass es sehr en vogue ist, als junge Eltern ganz viel zu jammern über Schlafmangel und die enorme Zerrissenheit zwischen den einzelnen Lebensbereichen (Kind, Partnerschaft, Arbeit, Freunde und Familie, Freiräume für sich selbst). Natürlich stimmt das, aber es ist eben nur die halbe Wahrheit. Das Problem daran ist, dass es mir selbst ganz häufig ein schlechtes Gefühl macht, wenn ich so viel rumjammere. Ich kenne allerdings kaum junge Eltern, die sich trauen, öffentlich darüber zu reden, wie schön es ist, ein Kind zu haben. Ich glaube, das liegt auch daran, dass man die Glücksmomente (wie das erste „Mama“ durchs Babyphon, ihre ersten Schritte, von meiner Tochter ganz fest gedrückt zu werden) und die dazu gehörenden Gefühle so schwer mit Worten beschreiben kann. Da ist die Message „Ich habe heute Nacht nur drei Stunden geschlafen“ leider einfacher mitzuteilen.

  

Das Interview führte Melanie Raabe.
Fotos: privat

 

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Annette, „39, mal wieder“, Köln

„Wahre Liebe lässt los“

 

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Liebe Annette! Du machst so viele unterschiedliche und spannende Dinge. Wenn dich ein Fremder fragt, „was du beruflich machst“ – was antwortest du?
Am Liebsten sage ich: ICH BIN ICH … was auch immer das in dem Moment bedeuten mag. Ich habe so viele Berufe, dass ich manchmal denke, die Leute sind überfordert, wenn ich die alle aufzähle. Also wähle ich immer einen oder zwei aus, je nach Situation, aber ich kann ja mal den Versuch einer Aufzählung machen: Zigarenmanufactrice – das Wort hab ich selbst kreiert – Zigarrenrollerin, Autorin, Sängerin, Dolmetscherin, Künstleragentin, Eventmanagerin, Regisseurin …

Wie schöpfst du die Energie für all deine Projekte?
Ich hab sehr viel Energie von Natur aus. Und wenn ich Menschen begeistern kann, bekomme ich jede Menge zurück. Und wenn die Speicher mal leer laufen, gehe ich in die Natur oder singe.

Wo kommst du her und wie bist du aufgewachsen?
Ich komme aus einer Provinzhauptstadt in Südbaden namens Rheinfelden. Dort bin ich geboren, am südlichen Rande des Schwarzwaldes.

Du reist offensichtlich gerne und viel. Welches war dein schönstes oder interessantestes Erlebnis auf Reisen?
Als afrikanische Voodookünstler, die ich produziert und getourt habe, auf dem Marktplatz eines Dorfes in den Anden Glas zerkaut und runtergeschluckt haben, um den Indios, die noch nie schwarze Menschen gesehen hatten, ein Stück ihrer religiösen Kultur zu zeigen.

Welches ist der interessanteste Mensch, dem du je begegnet bist?
Ahmet Ertegün, der Gründer von Atlantic Records, New York, den ich zwei Jahre vor seinem Tod in Bodrum kennengelernt habe. Er hat mit den Rolling Stones, Led Zeppelin, Aretha Franklin und endlos vielen weltberühmten Musikern gearbeitet. Es war ein gegenseitiges „Sich-Erkennen“ von zwei Persönlichkeiten, als wir uns begegneten, eine Art „platonische Liebe auf den ersten Blick“.

Du bist Besitzerin einer Kölner Zigarrenbar. Wie kamst du auf die Idee? Erzähl doch ein bisschen von deinem Laden.
Das ist keine Zigarrenbar, sondern eine Zigarrenmanufaktur mit Laden und kleinem Salon, in dem wir Seminare abhalten. Die Zigarren sind mir zugeflogen wie ein verirrter Papagei. Ich liebe Kuba, die kubanische Musik und Kultur. Ich habe viele Tourneen kubanischer Künstler organisiert und irgendwann begann ich die „Kunst des Zigarrenrollens“ auf Events zu zeigen, also so eine Art mobile Zigarrenmanufaktur und eh ich mich versah, hatte ich meine eigene Zigarrenmanufaktur – ein Stück Kuba in Köln …

Zudem bist du Autorin. Was hat es mit deinem Buch auf sich? Was steht drin und warum hast du es geschrieben?
Ich erzähle von einem Liebesexperiment, das ich durchgeführt habe. Fünf Männer, fünf Beziehungen parallel wollte ich haben, und das ganz offen und ehrlich. Ich wollte mal was ganz Neues ausprobieren, ausbrechen aus den Konventionen unserer Vorstellung von Partnerschaft. Ich erzähle heiße Stories aus dem Nähkästchen, es geht um Sex, Eifersucht, wilde Experimente und die Sehnsucht nach Liebe. Das Buch hat in der Presse einige Wellen geschlagen, ich war bei vielen Talkshows zu Gast, u.a. bei Markus Lanz, bei Plasberg oder in Backes’ Nachtcafé und erntete nicht wenig pikierte Blicke der Männerwelt.

Du stehst auch immer mal wieder auf der Bühne. Was bedeutet es dir, vor Publikum zu stehen?
Ich liebe die Bühne, ich liebe es, meine innere Rampensau rauszulassen. Wenn ich dann noch Rückmeldungen bekomme, dass ich irgendwas in den Menschen bewege durch meine Musik oder meine Texte, dann bin ich glücklich!

Kennst du Lampenfieber?
Oh ja und wie! Aber ich glaube, das gehört zu einer guten Performance dazu.
 



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Welches ist die wichtigste Lektion, die du bisher gelernt hast im Leben?
Die wahre Kraft und das Glück liegt in Dir. Und in jeder Katastrophe, auch wenn du es erst nicht glauben kannst, ist irgendwo ein Geschenk versteckt.

Hast du ein Lebensmotto oder eine Lebensphilosophie?
Wahre Liebe lässt los.

Was inspiriert dich?
Städte wie Istanbul oder Paris. Am Liebsten sitze ich in Straßencafés und lasse das Leben an mir vorbeiziehen.

Was macht dich glücklich?
Musik. Sex. Sonne.

Gibt es etwas – eine Veranstaltung, ein Buch, eine Homepage – die oder das du gerne promoten würdest? Das ist die Gelegenheit!
Ab 24.10. trete ich mit meiner Show zum Buch „Fünf Männer für mich“ im Kölner Arkadastheater – Bühne der Kulturen auf, (Spieldaten: 24.10 / 30.10. / 11.11. / 18.11. / 11.12. / 23.12 jeweils 20.15 h ) Vorverkauf unter 0221-550 43 15, weitere infos hier www.annettemeisl.de
Mein Buch „Fünf Männer für mich“ kann man in allen Buchhandlungen bekommen oder hier: http://shop.lagalana.de/artikel/fuenf-maenner-fuer-mich
Und in meinem Zigarrensalon gibt es spannende Seminare zu Zigarrenherstellung und Rumverkostungen. www.lagalana.de

 

Das Interview führte Melanie Raabe.

Fotos: Dario Scandura.