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Georg, 59, Frankfurt am Main

We want the world, and we want it now.

georg simader


Georg! Dein bayrischer Dialekt ist nicht gerade unauffällig. Woher genau kommst du?

Ich bin 50 Kilometer entfernt von München, in Weilheim/Oberbayern geboren. Landkreis Weilheim-Schongau – der frühere Wahlkreis von Franz Josef Strauß und der jetzige von Alexander Dobrindt. Bevor ich nach Frankfurt floh, lebte ich lange Zeit in Huglfing. Huglfing liegt zwischen Untereglfing und Obermaxlried. Auch Spatzenhausen und Eberfing sind nicht weit weg. Und ja, wenn ich gut gelaunt oder aber sehr grantig bin, dann verfalle ich bisweilen zurück ins Bairische, jene bayerische Sprache, die in Altbayern gesprochen wird – und die, glaube ich, von der UNESCO als schützenswert eingestuft wurde. Ich kann aber auch ganz gut Hochdeutsch. Das bekommen all jene zu hören, mit denen ich nicht immer nur gerne Kirschen esse.

Wie war deine Kindheit?

Die Berge, die Seen, die Wälder, die Bäume, auf die wir gekraxelt sind, die angepassten Deppen vom FC Bayern mit denen wir, die aufrechten 60er, uns geprügelt haben. Der riesige Garten von der geliebten Oma väterlicherseits, 1885 geboren, 1989 gestorben, Ein Traum, der Garten, der mehr ein wilder Park war. Erdbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren, Apfelbäume, ein kleines Schwimmbad, ein kleiner Wald, eine Kuh namens Sana. Die Hausangestellte der Oma, die Resi hieß und im Garten ihr Goggomobil abstellte. Das Gartenhäuschen, in dem wir die ersten verbotenen Küsse tauschten. Der Opa, mit dem ich Schach spielte und immer wieder die Oma, die uns Geschichten erzählte, von den Kriegen, von der Verfolgung durch die Nazis, vom ersten Radio, von den ersten Autos, vom ersten Fernsehapparat – und von jenen, die sie Ende April 1945 auf der Straße noch bespuckten – und ab Mai 1945 scheißfreundlich waren.

Und deine Jugend?

Vom Traum zum Alptraum. Weilheim in Oberbayern, die Stadt, in der ich geboren wurde, gehörte in den 60ern und 70ern zum Reaktionärsten weit und breit. Ringsum die Welt und die Künstler. Murnau, Dießen, Tutzing, Ambach – Künstlerkolonien. Starnberg, Garmisch-Partenkirchen – die finanzielle upper class. Und Weilheim? Beamte. Schlimme Kleinbürger. In der Wolle gefärbte Spießer. Die Eltern wohlhabend. Der Sohn unangepasst. Das konnte nicht gut gehen. Und es ging nicht gut. Immerhin: Wir dröhnten uns zu, mit allem was zur Verfügung stand. Hörten die Doors und die Stones und Jimi Hendrix und lasen Jack Kerouac und John Steinbeck und Jörg Fauser und lachten die Bürger aus. Ich schmiss die Schule, in der ich immer schlechter geworden war, meine erste Liebe hatte ein wenig geerbt: Sex and drugs and rock n roll, weg, nur weg, nach Kreta. Da, wo die Hippies mal gewesen waren.

Du bist Literaturagent, hast aber zuvor, wenn ich das alles richtig verstanden habe, noch eine Menge andere Stationen in der Literaturbranche durchlaufen. Gib uns doch mal ein „Georg Simader – was bisher geschah!“.
Das Abitur hatte ich nie gemacht, der Weg in die Arztpraxis der Mutter und das – mittlerweile verkaufte – Bankhaus des Großvaters blieben so gottlob versperrt. Zum Glück gab es das gedruckte Wort, und das hieß zuallererst: Widerstand gegen das Establishment. Los ging es mit einer Buchhandlung in meiner Heimatstadt, die es immer noch gibt, in der damals „linke“ Literatur verkauft wurde, aber nicht nur: Der verehrte Thomas Mann war des Öfteren in Polling, einem Ort, drei Kilometer entfernt von Weilheim, zugange gewesen. „Zauberberg“ als Name für eine Buchhandlung, in der es auch ein bisschen Rotwein und Müsli gab, hörte sich gut an, besser als „Doktor Faustus-Buchhandlung“. Also Buchhandlung Zauberberg. Doch die Zeiten wurden hart. Der Pfarrer, die Gegend um Weilheim heißt „Pfaffenwinkel“, predigte von der Kanzel: „Kauft nicht beim Zauberberg“, den Lehrern wurde gesagt: „Bestellt eure Klassensätze nicht dort“. Und die Polizei war oft gesehener Gast, verlegten wir doch auch eine reichlich dilettantisch gemachte, dafür aber rotzfreche und der Staatsmacht nicht genehme Zeitschrift namens „Wahn & Sinn“.

Flucht nach Hessen: Nach einer halbjährigen Urlaubsvertretung in der „Tucholsky Buchhandlung“ in Offenbach dockte ich beim „Pflasterstrand“, einer linken Stadtzeitung in Frankfurt, an. Der „Pflasterstrand“, was für eine große Welt! Joschka Fischer ging ein und aus, Daniel Cohn-Bendit wütete durch die Räume, Esther Schapira, Cora Stephan, Reinhard Mohr und viele andere schrieben – und ich, ich war ein kleines Licht im großen „Pflasterstrand“, wurde Werbeleiter, musste mir das Rüstzeug hierfür aber noch erarbeiten. Ein bisschen schrieb ich, eher überflüssiges Zeug, wie einen Restaurantführer, der sich überraschend gut verkaufte – aber ich wollte noch was dazulernen. Und das tat ich. Eine Ausbildung zum Verlagskaufmann folgte, in München, bei Antje Kunstmann. Abschluss? Brauchte ich nicht, aber gelernt habe ich was von dieser unerschrockenen Verlegerin, in diesem kleinen und ehrenwerten Verlag.

Jetzt war ich fast zehn Jahre in der Branche. Zeit, um einen eigenen Verlag zu gründen? Ich tat es, Ende der 80er Jahre, verlegte ein paar Kriminalromane, darunter die Werke des vielfach ausgezeichneten Robert Hültner, ein paar Regionalia, von Gastro bis Reise, und viele Fußballbücher. Stolz bin ich noch heute auf Uli Steins „Halbzeit“, eine Autobiographie des damaligen Skandaltorhüters, die es, mit annähernd 60.000 verkauften Exemplaren im Hardcover, auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte und mir Ruhm, Ehre und ordentlich Geld einbrachte. Doch Hochmut kommt vor dem Fall: Eine autorisierte Günter Netzer-Biographie, mit scheußlichem Cover, die zudem noch vor der Zeit kam, in der Netzer auch jenen was zu sagen begann, die keine Ahnung von Fußball hatten, brachte mich nahe an den finanziellen Abgrund. Da nütze es nichts, dass Netzer mich in seinem roten Ferrari mitnahm und feine Schweizer Weine offerierte – ich hatte zu lernen, wie man mit Geld jongliert.

1996 schrieb ich einen Brief an den damaligen Programmchef von Eichborn, Uwe Gruhle. „Lieber Uwe, die Zeiten werden härter, ich weiß nicht, wie lange ich das mit dem eigenen Verlag noch machen will und kann.“ Tags drauf rief mich Uwe an. „Georg, komm zu uns, scoute viel, lektoriere ein wenig, du hast eine Menge Erfahrung.“ Ich kam und blieb, und damals war Eichborn groß und noch was ganz Besonderes, ganz und gar unangepasst, mit schrägen Büchern und vielen Überraschungsbestsellern.

Uwe, die Vaterfigur, der verschmitzte, schielende, unangepasste und unglaublich gescheite Mann, brachte sich um. Ein Schock. Mit Wolfgang Ferchl, dem heutigen Knaus-Verleger, der damals schon angedockt hatte, verstand ich mich überhaupt nicht. (Solltest du das zufällig lesen, lieber Wolfgang, heute ist alles gut.) Ich mochte einfach keine Alphatiere, mein Vater war schon eines, und Ferchl auch. Ich ließ Ferchl spüren, dass er mir auf die Nerven ging, war zudem glücklos in Sachen Akquise neuer Autoren – also tat Ferchl das, wozu er das Recht hatte: Er schmiss mich, der ich lediglich einen zeitlich befristeten Vertrag hatte, raus.

Du führst heute deine eigene Literaturagentur, copywrite. Was hat dich dazu gebracht, Literaturagent zu werden?
Ich kann ja nichts anderes! Aber mal genauer: Spätestens bei Eichborn merkte ich, dass das Angestelltendasein nichts für mich sein konnte. Die großen Firmen auch nicht. Ein Meeting jagt das andere, Chefs haben die hellen großen Zimmer und die Subalternen jene mit weniger Licht, Strukturen schlagen Inhalte tot. Nicht meine Welt. Auch der Angestellte als solcher: Staatliche Rente, Arbeitslosenversicherung – interessiert mich nicht. Angsthaserei, verfluchte. Was mich aber interessiert: Bücher machen. Mit Autoren arbeiten. Neue Ideen aushecken. Und was ich bereits in der Tasche hatte: Eine Menge Kontakte in der Branche. Ich wusste bereits, wie und wo ich mich zu bewegen hatte. Und was ich ebenfalls wusste: Wie man Verträge auszuhandeln hat. Wie kämpfen geht. (Hätte ich studiert: Ich wäre mutmaßlich Strafverteidiger geworden. Heute handele ich – hoffentlich – gute Deals für Autoren aus. Und Straffreiheit, bei schlechten Manuskripten.)

Was macht einen guten Agenten aus?

Zum richtigen Zeitpunkt die richtige Tür öffnen, das ist die Hauptsache. Das hört sich allerdings jetzt ein bisschen einfacher an, als es ist. Was dazu gehört? Eine Menge Kontakte, Menschenkenntnis (passen Lektor und Autor zusammen?), Fachkenntnis und Literaturverständnis (passen Text des Autors und Verlagsprogramm gut zusammen?). Kann sich der Autor innerhalb des Verlages gut weiterentwickeln?

Agent sein, das bedeutet ja: Eine Ehe anbahnen. Eine Ehe zwischen Verlag und Autor. Ganz falsch wäre es dabei, auch wenn man als Agent rechnen können muss, lediglich auf die Mitgift des einen oder anderen zu setzen, vielmehr geht es darum: Werden die zwei auf Dauer glücklich? So kann es durchaus vernünftig sein, mal einen Vorschuss nicht zu hoch anzusetzen oder aber sich für einen kleineren Verlag zu entscheiden. Mal kann es sinnvoll sein, sich für einen Verlag mit einem sehr breiten Spektrum zu entscheiden, mal ist es richtig, einen Verlag zu wählen, der nur ein sehr kleines, dafür aber sehr aussagekräftiges Programm hat. Beide Partner sollen für lange Zeit zusammen passen, zumindest in der Belletristik. (Im Sachbuch geht’s deutlich mehr um das einzelne Buch.)

Einen schlechten Agenten zeichnet im Übrigen aus, dass ihn nur eines interessiert: Möglichst viel Kohle via Vorschuss rauszuschinden. Das füllt kurzfristig den eigenen Geldbeutel, langfristig schadet es, denn Autor und Verlag, Geben und Nehmen, stehen in einem unguten Verhältnis zueinander.

Was ist das Schönste an deinem Job?
Wenn ich die richtige Tür geöffnet habe. Bei einer Autorin namens Melanie Raabe ist mir das möglicherweise geglückt, bei vielen anderen, ob sie jetzt Stephan Thome, Rita Falk, Bernhard Aichner, Jan Costin Wagner oder wie auch immer heißen, hoffentlich auch.

Wobei: Ich sollte mich nicht mit fremden Federn schmücken. Stephan Thome, der Fuchs, mahnte immer wieder an: „Suhrkamp. Stell‘ den Roman doch Suhrkamp vor.“ Ich antwortete: „Massengrab, nichts da.“ Bis dann der wunderbare Karsten Kredel kam, der heute das Hanser Berlin-Programm verantwortet. Kredel wollte eigentlich für Suhrkamp einen Kriminalroman einkaufen, bekam anstattdessen den grandiosen „Grenzgang“ von Stephan Thome zur Lektüre. Doris Plöschberger machte aus diesem hervorragenden Buch einen Bestseller. Stephan Thome und Doris Plöschberger: Ein dream team. Alina Bronsky und Sandra Heinrici von Kiepenheuer & Witsch: Eine traumhafte Kombi. Jan Costin Wagner und Wolfgang Hörner von Galiani: Mutmaßlich ein Bund fürs Leben. Da sind Türen offen, die hoffentlich nie wieder zugehen.

Welches sind die größten Herausforderungen in deinem Job?
Mir einzugestehen, dass ich eine falsche Tür geöffnet habe. Nur ein Beispiel: Es ist mir ein Mal passiert, dass ich einen Autor richtiggehend verheizt habe. Hoher Vorschuss, problematischer Lektor, falscher Verlag (für diesen Autor). Wir sind reumütig zu seinem ursprünglichen – ziemlich geizigen, aber netten und kompetenten – Verlag zurückgekehrt. Ich schäme mich noch heute – und erinnere mich ungern an das Feixen der Programmchefin, die ihren geschätzten Autor wieder zurück in ihrem Stall hatte.

Ebenfalls eine große Herausforderung: Wenn ein Autor seinen Roman vergeigt hat. Wir alle wissen: So etwas passiert nicht mit böser Absicht. Und der Autor hat monate-, machmal jahrelang gearbeitet, erreicht mich als Leser aber nicht – oder jene nicht, denen er seine Geschichte erzählen will. Wie sag ich’s ihm? Das Unangenehme ist: Je erfolgreicher ein Autor ist, desto weniger wird mit ihm Klartext geredet. Die Verlage haben oft große Angst, einen erfolgreichen Autor zu verlieren, da wird dann gelegentlich Honig ums Maul geschmiert. Ich neige dazu, möglichst ehrlich zu sein. Ein Ritt auf der Rasierklinge. Denn ein Autor hat auch das Recht, den Agenten zu wechseln.

Und sonst: Mein Job verlangt, dass ich sehr viele Sachen gleichzeitig können muss: Hart sein, weich sein – und leidensfähig. Der Flop eines Buches trifft mich ja auch persönlich. Doch in dieser Situation habe ich den Autor aufzumuntern. Und nicht zu lamentieren.

Was magst du an der Arbeit mit Autorinnen und Autoren? (Und was weniger?)
Am Schönsten ist es natürlich, wenn ich einen Roman auf den Tisch bekomme, mit der Zunge schnalze, und mir sagen kann: „Juchhe, wunderbare Story, origineller Plot, alle Figuren sind richtig gezeichnet, und sogar die Orthographie stimmt.“ Dem Lektor mit stolz geschwellter Brust zu begegnen in dem Wissen, dass er genau den Roman bekommen hat, den er herbeigesehnt hat.

Schön ist natürlich auch, wenn Autoren (sorry, für das immer fehlende -Innen) ihre Fähigkeiten richtig einschätzen. Nicht jeder Autor ist ein Bestsellerautor, nicht jeder Autor ist ein Buchpreiskandidat, manche Autoren wissen sehr genau, wo ihre Grenzen sind – manche eben leider nicht. Da ist dann, wenn die Auflage nicht stimmt, immer der Verlag oder der Agent schuld, nie der Autor selbst – wobei ich beim Autor gar nicht von Schuld sprechen will. Es kann halt nicht jeder in der ersten Liga spielen.

Was liest du privat?

Privat und beruflich, das vermischt sich aufs Unerträglichste. Nie kann ich etwa einen deutschen Spannungsautor lesen, ohne an seinem Roman gedanklich mit dem Bleistift dabei zu sein und/oder mich zu fragen: Was macht eine Nele Neuhaus, einen Bannalec, einen Fitzek so erfolgreich? Insofern versuche ich, dies insbesondere im Urlaub, von deutschen Autoren die Finger zu lassen. Gerne lese ich Spannung, etwa psychologische Spannung und Politthriller. Ganz oben: Deon Meyer, Frederick Forsyth, Don Winslow. All time favorite: Patricia Highsmith. Ebenfalls in der ersten Liga: Stephen King. Dass ich Gillian Flynns „Finstere Orte“ noch nicht intus habe, ist eine Schande, wo ich doch „Gone Girl“ für einen der besten Spannungsromane aller Zeiten halte. In seiner pointierten Gesellschaftskritik beinahe ebenbürtig mit Jonathan Franzens „Korrekturen“.

Im Laufe der Zeit hat sich das Leseverhalten verändert. Eine Berufskrankheit vielleicht. Unendlich viele Romane liegen rum, zur Hälfte gelesen, angelesen – nur, damit man mitreden kann. Die Frage, die wir uns stellen, lautet immer seltener: Gefällt uns ein Roman? Und warum? Sondern: Funktioniert ein Roman? Und weshalb? Das ist scheußlich, aber kaum zu ändern.

Wenn ich einmal alt bin, so richtig alt, dann werde ich erneut das Gesamtwerk von Thomas Bernhard lesen. Ich liebe seine Sprache, seinen Rhythmus, seine Musikalität – und er ist so herrlich böse. Überhaupt, wenn ich alt bin, dann sind sie alle wieder dran, die Idole meiner Jugend: Hemingway, Heinrich Heine, Garcia Marquez, Dostojewski. „Oblomow“ von Gontscharow lese ich dann bestimmt zwei Mal und lache mir einen ins Fäustchen.

Hast du schon einmal in Erwägung gezogen, selbst ein Buch zu schreiben? Du bist ja als jemand bekannt, der gerne Klartext redet. Vielleicht schreibst du ja irgendwann ein Buch, in dem du dir die Branche – inklusive divaesker Autoren und schwieriger Lektoren – zur Brust nimmst? 

Ha! Gedanklich bin ich schon dabei. Veröffentlicht wird es mutmaßlich kurz vor meinem Ableben – damit ich mich nicht mehr mit Schadensersatzklagen wegen persönlicher Diffamierungen rumschlagen muss. An meinem Grab können sie dann rumwüten, wie sie wollen, das ficht mich nicht mehr an.

Einen Teil des Jahres verbringst du in Italien. Woher kommt deine Italienleidenschaft?

Papa, Mama, Schwester und ich: Im Sommer ging es mit dem Auto immer über die Alpen. Papa mit der Zigarre im Mund, Mama mit ihren filterlosen Zigaretten, das Auto nebelverhangen – aber kaum war man über dem Brenner, wurden die Fenster geöffnet. Der Himmel blau, das Essen großartig, die Sprache fremd – und ich befürchte, dass ich sogar ein libidinöses Verhältnis zu den Carabinieri entwickelt habe. Zumindest finde ich sie putzig.

Offensichtlich bist du ohnehin sehr reiselustig. Welches war deine schönste Reise?

Du bringst mich ins Grübeln. Mit Walter Lendl (bedeutendstes Werk: „Darum nerven Österreicher“) die sechs Wochen im Westen der USA? Er, der österreichische, damals noch führerscheinlose Grantler, auf dem Beifahrersitz, der mit seiner Deprimusik unendlich nervte – aber die grandiose Landschaft machte alles wieder wett. Von San Francisco Richtung Norden, vorbei an Mendocino, bis fast nach Oregon. Und weiter durch endlose Wälder, durch die Wüste, Death Valley, nach Las Vegas – und über trostlose Käffer zurück nach San Francisco. Lendl glucksend, fröhlich, die Kamera aus dem Fenster haltend – und irgendwann gab’s sogar halbwegs erträgliche Musik.

Oder waren es die Reisen mit Christina, meiner Lebensgefährtin, nach Vietnam? Ach, Hanoi, ich liebe dich und deine Buntheit und dein Chaos! Du bist meine liebste Großstadt, weltweit.

Eine Reise, die ich nie vergessen werde, die ging in den Tschad, wo meine frühere Freundin arbeitete. In die Rebellengebiete am Logone, dem Grenzfluss zu Kamerun. Nachts klapperten die Krokodile, nur wenige Hütten hatten Strom, und als ich einmal nicht aufpasste und wagemutig alleine loszog, hatte ich ein Messer am Hals.

Wenn diese Reise unter deine schönsten fällt, welche war dann die grässlichste?

Sizilien, Taormina, März 1996. Kaum Geld, die Beziehung am Ende. Alleine in einer billigen Pension, es regnete eine Woche lang in Strömen, es war kalt. Ich hatte alles ausgelesen, nur noch ein sehr überflüssiges Buch von Gisbert Haefs im Gepäck. Als ich mich schlussendlich durch das durchgequält hatte, dachte ich mir: Fahr‘ Richtung Palermo, der Wetterbericht spricht von einem Zwischenhoch dort. Ich steige in den gemieteten Fiat Panda, Sturzbäche überall, das Hotel bezahlt – aber ich konnte nicht losfahren. Einer dieser verbrecherischen Sizilianer hatte mir den Scheibenwischer geklaut.

Salvatore, wenn ich dich erwisch, dann schmeiß ich dich bei lebendigem Leib in den Ätna!

Mit welchem Menschen – egal ob noch am Leben oder schon tot, ob prominent oder nicht – würdest du gerne mal eine Nacht an der Bar verbringen und eine Flasche Whisky leeren (oder zwei)?

Wenn ich gut gelaunt bin: Mit dem Schauspieler Bjarne Mädel, möglicherweise ein Seelenverwandter. Bei schlechter Laune: Mit Markus Söder. Der kriegt zwei Flaschen. Und darf sie auf Ex ganz alleine trinken. Ich schau dabei zu.

Was macht dich glücklich?

Der Lago di Mezzano. Ein kleiner Vulkansee nahe Farnese, meiner italienischen Zweitheimat. Da der Italiener als solcher mehrheitlich nicht schwimmen kann oder will, sondern nur im Meer planscht und sowieso ein bisschen Angst vor Süßwasser und Einsamkeit hat, bin ich dort im Sommer fast immer alleine. Schwimmen, schwimmen, schwimmen. Ruhe. Blauer Himmel. Und in der Ferne der Monte Amiata.

Was ärgert dich maßlos?
Die Ampel da vorne am Eck. Der Deutsche und seine Ampeln. Pro Stunde fahren vielleicht 20 oder 30 Autos da entlang. Siemens, Ampelhersteller, hat mutmaßlich einen Geheimpakt mit der Mineralölindustrie. Und die Deutschen? Niemand begehrt auf. Sie bleiben gottergeben stehen. Deutsche halten sich an die dümmsten Vorschriften. Wie sagte schon Lenin (oder war es Tucholsky)? „Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas. Wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich vorher noch eine Bahnsteigkarte!“

Hast du ein Lieblingszitat? Oder ein Lebensmotto?

We want the world, and we want it now. (Jim Morrison, The Doors.)

Welche Frage habe ich vergessen? Und das, obwohl du eine großartige Antwort auf sie gehabt hättest? (Wie lautet die Antwort?)

Literaturagent, das ist dein Lieblingsberuf, das merkt man dir an. Was, wenn die Wege anders verlaufen wären?

Nun ja, Strafverteidiger, das sagte ich oben schon. Gerne auch Diktator. Ein guter Diktator. Einer, bei dem Frau Petry, Herr Seehofer, Herr Söder und dieses Ekel aus Dresden und dieser Hundsfott aus Erfurt nichts zu lachen hätten. Und keine Tiere mehr gequält werden dürften. Und es weniger roten Ampeln gäbe, sondern mehr Rücksicht aufeinander. Und Amazon schon längst dazu verdonnert worden wäre, Steuern zu zahlen, auch rückwirkend. Und die Deutsche Bank nicht mehr Deutsche Bank wäre, sondern eine luxuriös ausgestattete Unterkunft für Neuankömmlinge aus anderen Ländern und Kulturen.

Gibt es das Berufsbild „Gott“? Das wäre eine weitere Option. Als ich noch klein war, sehr klein, und mich meine jüngere Schwester wegen einer Banalität bei meinen Eltern verpetzt hatte, zog ich sie zur Seite und sagte: „Schwesterchen, bitte sag es niemandem weiter. Du musst ganz vorsichtig sein, darfst mich nie verpetzen. Denn ich bin nämlich Gott. Und zu Gott ist man gut.“ Eine Zeit lang glaubte sie das und ich lachte diebisch.

 

 

Die copywrite Literaturagentur findet sich hier: www.copywrite.de

Das Interview führte Melanie Raabe.
Foto: Christina Hucke

 

Monika, 70, Wiehl

Alles wirkliche Leben ist Begegnung

 

Monika! Bitte stellen Sie sich doch kurz vor. Wer sind Sie, was machen Sie?
Ich heiße Monika Höhn und wurde 1945 in Göttingen geboren. Auf der Flucht von Göttingen nach Salzburg überlebte ich einen Fliegerangriff auf den Flüchtlingstreck, weil meine Mutter mich aus dem Kinderwagen riss und mit mir auf dem Arm in den nahen Wald rannte. Mein Kinderwagen wurde von den MG-Salven zerfetzt. Noch heute erinnert mich ein kleines Holzpüppchen an diesen Angriff. Ich wuchs in Düsseldorf auf, bin seit 1968 mit Michael Höhn verheiratet, habe zwei Töchter.
Als Großhandelskauffrau, Personal- und Vorstandssekretärin, arbeitete ich in Düsseldorf und Mainz, später in der Kirchengemeinde meines Mannes in Duisburg-Bruckhausen in der Jugend- und Altenarbeit, mit türkischen Frauen und in der Beschäftigungstherapie eines Pflegeheims. Im Oberbergischen Wiehl engagierte ich mich in der Friedens- und Flüchtlingsarbeit und war tätig als Dozentin für „Deutsch für AsylbewerberInnen“ – vorwiegend mit kurdischen Familien. 1993 gründete ich mit meinem Mann und nicaraguanischen Freunden das Ometepe-Projekt Nicaragua, für dessen langjährige Arbeit mein Mann und ich am 9. November 2011 das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und den Silbernen Wiehltaler der Stadt Wiehl für soziales Engagement erhielten.
Meine Hobbies sind: Lesen, Reisen, Kontakte zu fremden Kulturen, Liebe zur Natur und zu Tieren aller Art, vor allem zu Hunden. Ich bin gern mit Menschen unterwegs, besonders auch zu Lesungen zum Thema „Eine Welt“ in Kindergärten, Schulen und Kirchengemeinden.
Seit 1983 bin ich Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller (VS in ver.di) und Autorin verschiedener Bücher und Anthologien. Veröffentlichungen von mir und meinem Mann sind auch zu finden auf http://www.ometepe-projekt-nicaragua.de.

Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit?
Die Begegnung mit den unterschiedlichsten Menschen, vor allem auch solchen, die mit Tieren (therapeutisch) zu tun haben.

Was würden Sie als Ihre Berufung bezeichnen?
Ich möchte Menschen bewegen, diese Welt menschenwürdig zu gestalten, um sie unseren Kindern und Enkeln lebenswert zu hinterlassen

Was treibt Sie an?
Der bisherige Erfolg, der meinem Mann und mir gezeigt hat, dass wir etwas bewegen können, dass sich viele Menschen mit uns gemeinsam für diese „Eine Welt“ auf unterschiedliche Art und Weise einsetzen. Das ist uns vor allem in unserer 23-jährigen Entwicklungs-Zusammenarbeit mit Nicaragua bisher gelungen.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Auf meine Familie.

Welches war Ihre bisher interessanteste Reise?
Alle Reisen, die wir unternommen haben, waren interessant.
Nicaragua ebenso wie meine Reise in die kurdische Region der Türkei, wo ich 1993 mit einer Menschenrechtsdelegation vom türkischen Militär verhaftet und 14 Stunden lang mit verbundenen Augen im Militärgefängnis von Diyarbakir zubringen musste, bis wir schließlich wieder frei kamen.
Trotz dieses traumatischen Erlebnisses habe ich einen intensiven Einblick erhalten in die Lebenssituation der kurdischen Bevölkerung und die Assimilierungspolitik der türkischen Regierung, die mittlerweile unverändert ihre „Kriegsführung“ fortsetzt.
Aber auch ein Projektbesuch in El Salvador und die Information zur leidvollen Geschichte dieses Landes haben mich sehr beeindruckt.

Was ist das Aufregendste oder Interessanteste, was Ihnen je passiert ist?
Dass ich meinen Mann in sehr jungen Jahren kennen lernte und mit ihm viele Höhen und Tiefen durchlebt habe. Dass wir nach der Totgeburt und einem akuten Herzstillstand bei der Geburt unseres ersten Kindes im 6. Monat den Mut auf weitere Schwangerschaften nicht verloren haben und heute zwei erwachsene gesunde Töchter, vier Enkelkinder mit drei Hunden haben.

Was ist die wichtigste Lektion, die Sie bisher gelernt haben?
Verständnis und Liebe und die Bereitschaft, mich auf Fremdes einzulassen.

Haben Sie Vorbilder?
Martin Luther King, Albert Schweitzer, Geschwister Scholl, Mahatma Gandhi,
und viele starke Frauen, die ich in größter Armut in Nicaragua kennen gelernt habe und die – oft alleinerziehend – ihren Alltag bewältigen müssen.

Was inspiriert Sie?
Mein Glaube und die Hoffnung auf eine Welt, in der Gerechtigkeit, Frieden und Gewaltlosigkeit lebbar werden.

Was macht Sie glücklich?
Dass ich mit meinem Mann ähnliche Visionen lebe und sie mit ihm teilen kann, dass wir uns fair streiten und versöhnen können und dass wir dankbar sein können für unser bisheriges gemeinsames Leben von insgesamt über 50 Jahren.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Alles wirkliche Leben ist Begegnung.
(Martin Buber)

Was ist der Sinn des Lebens?
Mich einzusetzen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung,
damit es mir und allen Lebewesen gut geht.

Sasha, 39, Köln

Ich habe mich damit abgefunden, dass das Leben herrlich sinnlos ist, was auf mich sehr befreiend wirkt.

Sasha_Eva Kruse-Bartsch

Foto: Eva Kruse-Bartsch

 


Sasha! Du bist zum einen bildende Künstlerin – du malst klassisch mit Farben, du machst Street Art und du malst mit Licht. Erzähl doch ein bisschen, wie es dazu gekommen ist und was du an der bildenden Kunst liebst.

Sie bildet. Kunst macht das Leben schöner und manche Realität erträglicher. Wie wäre denn das Leben ohne Kunst? Es ist deprimierend, wenn man das Leben nur auf das Stillen der Grundbedürfnisse und auf die Funktion reduziert. Kunst fängt dort an, wo es Fülle gibt. Innere oder äußere. Kunst entspannt, regt an und bereichert. Sie ist durchaus lebensbejahend und bewegend. Sie steht über Politik und Grenzen, Sprachbarrieren und Regeln. Diese Sprache ist für jeden offen.
Es ist eine Welt, in der keine Lüge existiert, weil in der Kunst alles erlaubt ist.
Für mich ist Kunst ein Rätsel. Ich liebe auch die unendlich vielen Ausdrucksformen und Möglichkeiten. Kunst gibt mir die Möglichkeit, mich selbst zu kultivieren, zu entwickeln und neu zu entdecken, mich selbst zu überraschen.
Wie ist es dazu gekommen…? Als Kind habe ich gerne gemalt, wie jedes Kind es tut, dann habe ich ein paar Techniken gelernt und angefangen, meine Ideen zu realisieren. Dieser Prozess ist bei mir sehr langsam. Es gab Stadien in meiner Arbeit, in denen ich meine Träume, Depressionen, Ängste oder Beziehungen zum Ausdruck brachte. Ich arbeite mit dem, was gerade da ist, und wenn es zu persönlich ist, behalte ich es für mich. Manchmal bin ich voller Taten, manchmal ist es lau.
Seit 2007 male ich auch mit Licht, was sich technisch sehr von der klassischen Malerei unterscheidet, allein schon deshalb, weil du gar nicht vor dir siehst, was du gerade gemalt hast. Es wird erst später auf dem Foto sichtbar, und wenn es nicht gelungen ist, dann machst du es noch mal. Meine Kollegen von Lichtfaktor (Kölner Kollektiv von Light-Painting-Künstlern, Performern, Fotografen und Medienkünstlern, Anm. der Bloggerin) scherzen, dass ich nie zwei Sachen gleich malen kann…

 

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„Dream“ by Sasha Kisselkova

 


Außerdem schreibst du. Was liebst du am Schreiben?

Am Schreiben generell liebe ich meistens die Dinge, auf die ich ohne das Schreiben nicht kommen würde. Sie entstehen im Prozess. Durch das Schreiben lerne ich viel.
Schreiben ist auch Magie. Mich fasziniert, dass die Worte, die so immateriell sind, so eine unglaubliche Kraft haben können. Überhaupt: Die Sprache ist ein mächtiges Instrument. Und jede ist so anders. Jede hat eigene Dynamik und Atmosphäre. Auf Russisch schreibe ich ganz anders als auf Deutsch.
Außerdem ist es, praktisch gesehen, die günstigste aller Künste: fürs Schreiben brauchst du nur deinen Kopf, Papier und Stift, und dann hast du eine Welt erschaffen. Ist das nicht göttlich?
Dazu habe ich die Möglichkeit, mehrere Leben zu erleben und verschiedene Welten und Zeiten zu bereisen. Alles aus meinem Zimmer. Ich kann eine Königin oder eine Kriminelle werden, Mann oder Frau, oder beides, so wie ich will… und es ist alles genehmigt.

Wer sind deine Lieblingsautoren und warum?
Ich mag alles von zeitloser Klassik bis zu Unterhaltungsliteratur. Und ich liebe Märchen. Vor allem liebe ich Bücher, an deren Ende man traurig ist, dass die Geschichte vorbei ist.
Ich liebe Leo Tolstoi. Seine Beschreibungen und seine Liebe zum Detail sind unglaublich präzise. Es ist so spannend, in seine Welten einzutauchen und sie zu erleben, zu schmecken und zu riechen. Eigentlich hast du keine Wahl, er zieht dich hinein und lässt nie wieder los. Es gibt keine einzige Zeile, die ich kritisieren könnte. Durch seine Werke spricht er direkt zu deinem Unterbewusstsein.
Ich mag Dostojewski für sein Verständnis des Abgründigen in der menschlichen Seele und seinen schwarzen Humor, der manchmal so gnadenlos peitscht.
Mikhail Bulgakov hat mir damals in seinem „Meister und Margarita“ einen Anstoß gegeben, die Dinge neu zu betrachten.
Verwirrender Kafka, er erinnert an die Träume, die ich nie geträumt habe.
Mit Daniil Charms könnte ich sterben vor Lachen. Ich bin aber der Meinung, dass er nur auf Russisch funktioniert.
…Ilf und Petrov mit ihrem unverschämten Humor und ihren scharfsinnigen Beobachtungen der Absurditäten und mit ihrer Liebe zum Abenteuer, mit herrlichen Halunken und spitzfindigen Namen.
…Hermann Hesse mit seinen Seelenwanderungen und dem Drang nach Realisierung des Selbst.
Ich liebe Kortazar für die Alternative, die er in seinen Werken anbietet, für das Gefühl, was Leben bedeutet. Er hat mir mal den nötigen Tritt in den Hintern gegeben.
Salinger lese ich immer wieder. Er ist unsterblich.
Michael Ende finde ich toll. Er zeigt Kindern tolle Welten und geißelt die Erwachsenen für die verlorene Lebensfreude.
Mark Twain und Astrid Lindgren begleiten mich seit meiner Kindheit. Und autorenlose Märchen aus aller Welt, vor allem die Russischen.
Das erste Buch, aus dem ich vorgelesen habe, war das Dschungelbuch von Rudyard Kipling! Ich las das im Kindergarten für alle Kinder vor. Da waren noch ganz tolle Illustrationen drin…
Jorge Louis Borgues, Haruki Murakami, Gillian Flynn, Fred Vargas, Sir Arthur Conan Doyle, F.S. Fitzgerald… die Liste könnte unendlich lang werden. Und nicht zuletzt Melanie Raabe, die so gut wie gar nichts braucht, um eine Geschichte spannend zu gestalten. (Ich werde rot. Danke! Anm. der Bloggerin)

Wer sind deine Lieblingskünstler und warum?
Diese Palette ist auch sehr bunt, von Botticcelli und Bosch bis zu modernen Comic-Zeichnern und Streetart-Künstlern. An manchen Künstlern fasziniert mich die Technik, an den anderen die Aussagen und Ideen.
Ich liebe Gerhard Richters Wirkung auf mich. Jedes Mal, wenn ich ein Werk von ihm betrachte, bin ich verwirrt. Er ist ein Großmeister der modernen Kunst.
An Picasso mag ich mehr seine revolutionäre, unabhängige Art, seine Frechheit, die sich in seiner Kunst spiegelt, als seine Kunst selbst.
Ich mag Banksy. Ich hatte sogar dieses Jahr das Glück, sein Dismaland zu besuchen. Er präsentierte dort die Werke von ungefähr 50 Künstlern, und jeder von ihnen war erste Sahne! Es war ein großartiges Erlebnis.
Ich liebe Ernst Fuchs. Ich war eine Zeit lang so begeistert von der Energie in seinen Bildern und seinem Leben, dass ich auf einer Ausstellung von ihm an nichts anderes denken konnte, als ihn darauf anzusprechen, mich als Schülerin aufzunehmen. Ich habe mich nicht getraut.
Nikolai Roerich hatte ein unglaublich feines Gefühl für Licht und Farbe. Alles ist bei ihm so leuchtend und majestätisch still. Ich hätte gerne ein Bild von ihm!
Ich mag Faith47 dafür, dass sie meistens ihre großartigen Werke in Ghettos für die armen Menschen malt.
Die mutige Marina Abramovic. „The Artist is Present“ war meiner Meinung nach eine Heldentat. Die Frau ist großartig.
Dave McKean ist Kafka in der Kunst, er hat seine absolut eigene, unverkennbare Traumwelt und ist ein vielseitiger Künstler dazu.
Jon J. Muth ist ein sehr atmosphärischer Comic Gestalter. Er beherrscht verschiede Techniken von Aquarell bis Kalligrafie mit einer unglaublichen Leichtigkeit. Ich mag auch, dass er seine Frau in jede Geschichte reinmalt.
Jim Avignon ist für mich ein Freund und ein Geheimnis. Er scheint an der Quelle der Ideen sein Haus gebaut zu haben und in einer anderen Zeitdimension zu leben. Sein Tag hat wahrscheinlich 40 Stunden… Ich weiß gar nicht, wann er das alles schafft. Er kann innerhalb eines Tages jede Halle mit tollen Bilder füllen und macht noch ein Konzert dazu.
BLU spiegelt unsere Gesellschaft auf riesigen Mauern. Mit wenig Mitteln bringt er es immer auf den Punkt.
DRAN finde ich so, so, so witzig. Ich liebe seine bösen Bilder.
Andy Kaufman finde ich genial und sehr überzeugend.
Und ich bin ein großer Fan von Steven Jay Russell, auch wenn er kein Künstler im traditionellen Sinne ist, eher ein Lebenskünstler. Ich finde, man sollte ihn frei lassen!
Ich liebe Vivienne Westwood, Yayoi Kusama, Scott Hampton, Raymond Lemstra, Laszlo Milasovszki, Trisha Brown, Nick Cave und viele mehr.
Und ich stehe auf alle jungen Künstler, die unsere Städte und Straßen schöner machen und uns zum Nachdenken und zum Lächeln bringen.

 

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Light Painting für Lichtfaktor by Sasha Kisselkova

 


Wo und wie bist du aufgewachsen?

Ich bin in Sibirien groß geworden. Oft umgezogen. Viel Zeit im Wald verbracht. Vielleicht zu viel. Im Winter und im Sommer war ich immer draußen. Ich habe viele tolle Orte und geheime Verstecke entdeckt. Ich erinnere mich nicht daran, dass meine Eltern ständig auf mich aufgepasst haben, so hatte ich völlige Freiheit. Ich hatte immer viele Tiere um mich herum. Hunde, Katzen, Vögel. Ich durfte jedes Tier mit nach Hause nehmen. Ich habe auch sehr viel gemalt und seit meinem fünften Lebensjahr viel gelesen.

Wie warst du als Kind?
Sehr neugierig und nicht besonders sozial. Ich war ein wenig wild, als ich mit sechs für ein Jahr in den Kindergarten musste. Aus dem Wald in die schreiende Zwergenmenge, es war hart. Ich habe dort sogar ein Mädchen gebissen, weil sie mir ein Buch über Papagaienarten weggenommen hatte und nicht zurückgeben wollte. Sie war größer als ich und wedelte vor mir mit dem Buch und provozierte mich mit „Na, hol es dir!“. Wir wurden danach beste Freundinnen.
Ich bin ständig aus solchen Anstalten wie Kindergarten oder Schule weggerannt und habe nach Abenteuern und Freiheit gesucht. Wenn ich keine Mitstreiter fand, machte ich es allein. Einmal rannte ich aus dem Kindergarten weg, weil ich keinen Mittagsschlaf halten wollte. Es war ein wunderschöner Herbsttag, rote und gelbe Blätter bedeckten den Boden, die Sonne schien, die Luft kann ich jetzt noch riechen und die Geräusche hören… ich nahm meine Sachen und floh durch das Toilettenfenster. Am Abend wurde meine Idylle mit Gebell von abgerichteten Hunden zerstört…
Ich glaube, ich war kein Traumkind für meine Eltern, wir hatten viele Konflikte, aber es war nie langweilig.
Ich war sehr wissbegierig und stellte viele Fragen. Lernen fiel mir sehr leicht, mich zu benehmen sehr schwer. Ich hatte ein riesiges Problem mit Autoritäten… Später hatte ich gute Freunde, mit denen ich sehr viele Dinge ausprobiert hatte, für die meine Eltern sich geschämt haben. Ich hoffe, sie werden eines Tages noch richtig stolz sein.

Was hat dich nach Köln verschlagen?
Es ist eine lange und gefährliche Geschichte. 😉 Um sie kurz zu halten und nicht zu viel dazu zu erfinden – die Lebensumstände waren so, dass ich umziehen musste, aber ich hatte auch nichts dagegen. Also betrachte ich es im Nachhinein als ein spannendes Abenteuer.

Was magst du an Köln?
Köln ist offen und international. Diese Stadt ist sofort mein Zuhause geworden. Es war die Liebe auf den ersten Blick, auch wenn die Stadt an sich nicht so viele schöne Anblicke anbietet – die Menschen hier sind fantastisch. Und der Dom!

Für wen – egal ob berühmt oder nicht, ob Mann oder Frau, lebendig oder tot, real oder fiktiv – schwärmst du?
Eine dieser Personen ist meine liebste Freundin. Über Menschen wie sie sagt man, alles was sie anfassen, wird zu Gold. Außerdem hat sie eine tiefe Einsicht, kombiniert mit dem feinsten Sinn für Humor. Sie sollte Bücher schreiben!
Ich schwärme für den großzügigen Jay Gatsby (Protagonist aus F. Scott Fitzgeralds Roman „The Great Gatsby“, Anm. d. Bloggerin)
Ich liebe und bewundere Alexandra David-Neel. In ihre Zeit hatte sie so krasse Reisen unternommen, die für einen Mann schon fast unmöglich waren, geschweige denn für eine Frau. Als Jugendliche ist sie von Zuhause abgehauen, um von Frankreich nach Spanien mit dem Fahrrad zu reisen. Mit 57 ist sie zu Fuß nach Tibet gegangen, verkleidet und getarnt, weil Tibeter keine Ausländer hinein ließen. Sie war die erste westliche Frau, die dieses Land betrat. Sie ist mit fast 101 gestorben.
Jesus finde ich richtig cool. Aber nicht den leidenden, den man auf den Ikonen sieht, sondern den 100 Prozent lebendigen, freien und rebellischen.
Ich schwärme für Nick Cave. So ein vielseitiger, eigenartiger Künstler und intelligenter Mann. Es tut mir sehr, sehr leid, dass er seinen Sohn verloren hat.

Was ist das Schönste oder Aufregendste, das dir jemals passiert ist?
Das behalte ich für mich.

Welches ist die wichtigste Lektion, die du bisher gelernt hast?
Dass ohne schlechte Ereignisse manche guten Dinge nicht geschehen würden.

Erzähl etwas über deine bisher schönste, interessanteste und/oder aufregendste Reise!
Ich hoffe sie liegt noch vor mir. 😉
Aber ich denke immer wieder gerne an eine abenteuerliche Reise, die ich mit einer Freundin unternommen habe. Es war eine 17 Stunden lange Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn. Der Zug war voll, und wir bekamen keine Schlafplätze in einem geschlossenen Abteil, sondern ganz schlechte Sitzplätze im offenen Waggon neben der Toilette. Es war voll und lustig, es gab viele nette Mitfahrer. Einige hatten Musikinstrumente dabei, und wir sangen zusammen. Irgendwann, fast betäubt von Toilettengerüchen, sind wir in einen anderen Waggon gegangen, der besser war als unserer, lernten dort neue Menschen kennen und haben angefangen, mit ihnen über Gott und die Welt zu diskutieren. Die angesprochenen Themen führten zu großen Meinungsverschiedenheiten und kamen nicht gut bei der Zugpolizei an, den Kosaken. Wir wurden als Unruhestifter verhaftet. Sie brachten uns mit einem Konvoi in ihren komfortablen Polizeiwaggon, sperrten uns dort ein und stellten einen Wachmann vor die Tür. Zwei Kosaken saßen mit uns im Abteil. Erst haben wir über unsere Rechte diskutiert, die Situation und die Kosaken ausgelacht, was zu einem Redeverbot führte. Wir haben es auch ohne zu reden sehr gut verstanden, dass wir diese Reise ziemlich gemütlich fortsetzen können, wenn wir standhalten. In unserer Haft aßen wir gute Hausmannskost, konnten ausschlafen und haben uns dabei ordentlich beschwert über die Einschränkungen. Erst am Ende der Reise haben wir ihnen verraten, was für einen großen Gefallen sie uns getan haben. Zu dem Zeitpunkt haben wir uns schon fast befreundet und zusammen beim Biertrinken Karten und Domino gespielt.

Was inspiriert dich?
Liebe, Gerüche, Essen, Sounds, neue Erfahrungen aller Art, starke Charaktere.

Hast du Vorbilder?
Nicht wirklich. Es gibt Menschen, die ich liebe und Künstler, die ich bewundere, aber ich möchte die beste Version meiner Selbst sein.

Was macht dich glücklich?
Verliebt sein. Achtsamkeit, meine eigene und die der anderen. Ein gut gelungenes Projekt. Im Flow sein. Über eigene Grenzen hinaus gehen. Reisen. Kreieren. Erfüllte Träume. Tief berührt sein. Kleinigkeiten. Ich habe da eine Liste, die fünf Seiten lang ist.

Was ist der Sinn des Lebens?
Liegt er in der Vergänglichkeit? Oder vielleicht darin, das Leben schöner und spannender zu gestalten drum herum? Die Dinge zu schätzen, die man hat?
Ich habe als Teenager intensiv danach gesucht und bin verschiedenen Ideen gefolgt, habe Freunde mitgezogen. Ich habe alles Mögliche, aber keinen Sinn gefunden, und ich habe mich damit abgefunden, dass das Leben herrlich sinnlos ist, was auf mich sehr befreiend wirkt. So oder so muss man irgendwann alles loslassen.

Welche Frage habe ich vergessen zu stellen – und das, obwohl du so eine gute Antwort darauf gehabt hättest?
Ich hätte eher gerne eine Antwort gewusst. Was ist für dich der Sinn des Lebens?

 

Mehr über Sasha gibt es auf: https://www.behance.net/foryou 

Das Interview führte Melanie Raabe.
Foto: Eva Kruse-Bartsch. Bilder: Sasha Kisselkova.

 

Sabrina, 28, Siegen

„Einfach mal machen!

 

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Sabrina! Genau wie ich auch bist du in einer Kleinstadt namens Wiehl aufgewachsen. Wie war deine Kindheit?
Grün. Ich kann nicht genau sagen warum, aber ich empfinde meine Kindheit als grün. Grüne Wiesen, grüne Bäume und eine furchtbare grüne Leggins haben sich in meinem Kopf als Erinnerungen festgesetzt. Wahrscheinlich eine kognitive Dissonanz, weil ich eigentlich immer nur lesen wollte und man mich regelrecht zwingen musste, das Haus zu verlassen. Die städtische Bibliothek durchzulesen war eher mein Ziel als auf Bäume zu klettern oder Blumenkränze zu basteln.

Und deine Jugend?
Schnell. Vereine, Theater, Abi-Organisation. Von einem Projekt zum nächsten. Immer auf der Suche nach Beschäftigung, dem nächsten Projekt, in das ich mich einbringen kann. Auf der Suche nach der einen Leidenschaft in Zusammenarbeit mit spannenden Menschen.

Du hast eine Zeit lang Theater gespielt. Hat dir das was gebracht – abgesehen von Spaß?
In jedem Fall die Erkenntnis, dass ich Grenzen im Kopf habe, die zu schnell eingreifen, als dass ich frei Theater spielen könnte. Deshalb bin ich recht schnell auf die andere Seite gewechselt und habe versucht, kreative Köpfe in ihrer Kreativität zu unterstützen, indem ich Rahmenbedingungen schaffe. Das ist eher meine Stärke. Aber Theater spielen hat mir in jedem Fall die Freiheit gegeben, vor Menschen sprechen zu können. Wenn man dann noch in einer Zeit Theater gespielt hat, in der Sprechtraining mit Balladen auf dem Programm stand, weiß man, wie man „König“ ausspricht, man weiß wie man so atmet, dass man 1,5 Stunden lang deutlich, klar und kräftig sprechen kann und man weiß, wieviel Arbeit gute Rhetorik ist. Das hilft mir heute oftmals. Den ersten Tag eines zweitätigen Rhetoriktrainings kann ich mir für gewöhnlich sparen. Auch dass eine Bühne in Balance sein sollte, hilft mir bei meinen Präsentationen häufig. Und dass Theater und Literatur eine Leidenschaft ist, die ich, egal welche Karrierewege ich einschlage, nicht aufgeben möchte, das wird mir auch immer wieder klar, wenn ich an meine „Jugend“ zurückdenke.

Gehst du immer noch kreativen Hobbies nach? Welchen?
Zur Zeit leider nicht. Meine Promotion ist gerade mein Hobby. Ich habe im letzten Jahr alles andere aufgegeben, um mich völlig darauf konzentrieren zu können. Aber das wird sich bald wieder ändern. Denn es reicht einfach nicht. Bis 2014 habe ich zusammen mit ein paar extrem spannenden Leuten ein studentisches Wirtschaftsmagazin entwickelt und vermarktet. Dort habe ich mich an neuen Textsorten versucht, über Grafiken diskutiert und daran gearbeitet, Grenzen im Kopf zu überwinden. Das war eine unglaublich spannende Zeit! Mit Ingenieuren über Wörter zu streiten, mit Grafikern Farben und Designelemente zu diskutieren und mit BWLern zu diskutieren, ob auch philosophische Ansätze in einem Wirtschaftsmagazin ihren Platz finden dürfen, war unglaublich inspirierend. Ich war für die „Mädchen-Themen“ zuständig, in einer Gruppe voller Männer. Das hat viel Raum für anregende Diskussionen gegeben und war immer wieder spannend!

Du bist Juristin. War Jura schon immer der Plan? Was reizt dich an Jura?
Ich bin in der vierten Klasse aufs Gymnasium gegangen, weil ich Jura studieren wollte, habe in der siebten Klasse Latein gewählt, weil ich Jura studieren wollte, habe das Abi durchgezogen weil ich Jura studieren wollte und habe es dann schlussendlich nicht getan. Mein Sozialwissenschaftsleistungskurs war schuld. Da hatte ich einfach zu viel Spaß daran, ökonomische und politische Fragestellungen zu diskutieren. Deshalb habe ich Wirtschaftsrecht studiert, nach zwei Semestern noch ein Bachelorstudium in Literatur, Kultur und Medienwissenschaften begonnen, um heute in BWL zu promovieren. Ich finde Jura immer noch spannend, der Glaube an Gerechtigkeit und Regeln ist elementar, aber die Themen, mit denen ich mich derzeit beschäftige sind einfach spannender.

Bist du ehrgeizig?
Es war es mir nie wert, für eine Eins ein privates Projekt aufzugeben. Eine Drei hätte ich aber auch nicht akzeptieren können. In dem Rahmen spielt sich mein Ehrgeiz ab.

Was treibt dich an?
Selbstverwirklichung und der Drang, Sachen besser zu machen, als sie bisher sind.

Woran arbeitest du gerade?
Derzeit nur an meiner Promotion. Die muss fertig werden. Ich hatte einen Zeitplan, und wenn ich den einhalten will, dann muss die Promotion Prio 1 haben. Aber Folgeprojekte sind in meinem Kopf, ich muss mal anfangen andere Köpfe zu suchen, die Lust haben, neue Projekte mit mir zu verwirklichen.

Was wünschst du dir für deine berufliche Zukunft?
Selbstverwirklichung. Arbeit ist mehr als ein Beruf. Ich möchte nie das Gefühl haben, für Sachen bezahlt zu werden, die ich nicht machen möchte, im Sinne von „Arbeit ist Leid und Bezahlung Schmerzensgeld“. Wir arbeiten so viele Stunden am Tag, dass Arbeit ein elementarer Bestandteil unseres Lebens ist. Deshalb möchte ich mit meiner Arbeit was erreichen. Das kann ich mir im wissenschaftlichen Bereich vorstellen, weil ich Studenten mag, Familienunternehmen faszinierend finde und glaube, mit interdisziplinären Forschergruppen noch richtig viel erreichen zu können. Das kann ich mir aber auch in der Privatwirtschaft vorstellen, mit Menschen, die was mit ihrem Produkt erreichen wollen, die werteorientiert Gewinne erzielen und die nicht an das Hamsterrad und an „Ich muss leiden also musst du auch leiden!“ glauben, sondern an motivierte Arbeitnehmer, die mit und in dem Unternehmen etwas verändern wollen und dafür bereit sind, Leistung zu erbringen.

Und was wünschst du dir für deine private Zukunft?
Ausgeglichenheit. Familie und Freunde im näheren Umfeld als Erdung und Motivator.

Was würdest du anordnen, wenn du für einen Tag die Welt beherrschen würdest?
Ruhe. Ich selbst kann Nichts-Tun nur schwerlich ertragen, aber ich erkenne immer mehr, wie wichtig es ist, zur Ruhe zu kommen. Ich könnte mir vorstellen, dass wenn alle Menschen auf der Welt gleichzeitig einen Tag wie den folgenden verleben würden: Aufstehen, Frühstücken, ein Spaziergang, eine Stunde bei einer Tasse Tee schweigen und nachdenken, Kommunikation mit Menschen über die Dinge über die man nachgedacht hat, Mittagessen, ein Mittagsschlaf, eine Stunde schweigen und nachdenken, Kommunikation über die Dinge über die man nachgedacht hat, ein Spaziergang, Abendessen, Kommunikation bei einem Glas Wein über die Erkenntnisse des Tages, schlafen – … dass dann viele Probleme der Welt gelöst werden könnten.

Was inspiriert dich?
Kunstprojekte, Unternehmensgründungen und Gründer. Zuletzt hat mich eine Installation in Düsseldorf inspiriert: In Orbit. So dass ich zwei mal da war, um diese zu erleben. Kunst zusammen mit Ingenieuren entwickelt und umgesetzt. So eine starke Wirkung hatte selten etwas auf mich. Unternehmensgründungen und Gründer faszinieren mich immer wieder. Menschen, die aussteigen, um ihr Ding zu machen. Was es für unglaublich coole Projekte und Menschen gibt! Wäre ich doch nicht so furchtbar deutsch und risikoavers…

Was macht die glücklich?
To-do-Listen abhaken.

Was ärgert dich maßlos?
Ungerechtigkeit, Selbstgefälligkeit, Pseudoreligiöse, Umweltverschmutzung, Werbung in guten Filmen, schlechtes Essen …

Hast du Vorbilder? Helden?
Das wechselt immer mal wieder. Menschen, die Verantwortung übernehmen und für Ideen einstehen und sich nicht vom System einengen lassen, es aber dennoch berücksichtigen und in ihm agieren finde ich großartig. Ich glaube nicht daran, dass Fähnchen im Wind, die immer den untersten Weg gehen nur um nicht anzuecken, erfolgreich und glücklich werden. Gründer und Gründerinnen sind oft dabei. Immer wieder verneige ich mich vor meiner guten Freundin Katharina, die sich mit Lokaldesign in Hamburg immer und immer wieder neu erfindet, die kämpft, um Lokaldesign am leben zu erhalten, besser zu machen und diese eine Idee die Idee ihres Lebens werden zu lassen. Es gibt Wissenschaftler in meinem Feld, von denen ich lernen will. Mein aktuelles Vorbild ist in jedem Fall Nadine Kammerlander, weil sie mich immer wieder an den Punkt bringt zu fragen: „Wie macht sie das bloß?“ 2014 warst du meine Heldin, ich bin gespannt wer es 2015 wird.

Hui! Also erstens: Danke für das Kompliment! Und zweitens: Wer oder was hat dich in deinem Leben am meisten beeinflusst?
Literatur, gute Filme und meine Zeit in der studentischen Unternehmensberatung. Dass ich mich für den Literaturwissenschaftsbachelor entschieden habe, hat mich definitiv am meisten geschult im Denken und in der Möglichkeit, Sichtweisen zu ändern. Und meine Zeit in der studentischen Unternehmensberatung hat mich präsentieren, diskutieren und moderieren gelehrt. Ich habe während dieser Zeit so spannende Menschen kennengelernt. Keine Diskussion, kein Konzept, kein Projekt und keinen kennengelernten Menschen würde ich missen wollen.

Wie würdest du dich in drei Worten selbst beschreiben?
Leidenschaftlich, kritisch und streitbar.

Was glaubst du, wie andere dich in drei Worten beschreiben würden?
Strukturiert, ehrgeizig, durchdacht.

Hast du ein Lieblingszitat oder Lebensmotto?
Ich glaube an Lebensabschnitte und an deren eigenes Gefühl. Deshalb ändern sich die Mottos auch ständig. Zur Zeit fühlt sich mein Leben an wie ein Marathon in dem es gilt durchzuhalten, dennoch halte ich an einem Grundsatz fest: „Einfach mal machen!“

 

Das Interview führte Melanie Raabe.
Foto: privat.

 

Leander, 33, Berlin

Wir sind alle Glückskinder der Geschichte.

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Leander, du hältst unglaublich viele Bälle gleichzeitig in der Luft. Du bist Blogger, Berater, Vortragsredner, seit vergangenem Jahr Dozent an der Universität der Künste in Berlin und zeichnest für viele spannende Projekte innerhalb der Buchbranche verantwortlich. So viele, dass ich sie hier gar nicht alle aufzählen kann. Was antwortest du auf die Cocktailpartyfrage: „Und, was machen Sie so?“
Seit diesem Jahr sage ich, dass ich Gründer von Orbanism bin. Dort wollen meine Mitgründerin Christiane Frohmann und ich die sich abzeichnende Contentbranche der Zukunft bereits heute abbilden und befördern. Bei Orbanism bringen wir all unsere Tätigkeiten, Projekte und Netzwerke gemeinsam ein und bündeln sie. Als erstes neues Veranstaltungsformat läuft jetzt das vom Hauptstadtkulturfonds geförderte Remix-Festival „Falling in Love“. Hier bekommt ihr schon einen guten Eindruck, worum es geht: https://twitter.com/hashtag/fil15

Auf welches deiner vielen Projekte bist du besonders stolz?
Da kann ich eigentlich keines besonders hervorheben. Stolz bin ich wenn dann darauf, dass ich seit dem Studienende vor acht Jahren erfolgreich selbstständig bin und mich dabei auch immer wieder neu erfunden habe. Mir gibt jedes der Projekte wie „Ich mach was mit Büchern“, #pubnpub und der Virenschleuder-Preis unendlich viel, weil es Formate sind, die Menschen zusammenführen und dadurch Neues und Gutes entstehen lassen. Denn die Zukunft können wir nur gemeinsam gestalten. Das zu initiieren, voranzutreiben und dann zu beobachten, ist das Schönste für mich.

Bei so viel Arbeit – ist dein Smartphone jemals aus?
Warum sollte es aus sein? Ich nutze mein Smartphone auch privat gern. Diese Trennungen zwischen beruflich und privat sowie zwischen online und offline sind mir zunehmend fremd. Ich genieße den Luxus, immer mit anderen Menschen verbunden zu sein, aber selten unmittelbar erreichbar sein zu müssen, wie das bei vielen Leuten der Fall ist, die gern ihr Smartphone demonstrativ ausschalten. Bei mir kommt es eher vor, dass ich es einfach vergesse, wenn ich mit Leuten zusammen bin und etwas erlebe. Während der re:publica habe ich glaube ich wieder nur fünfmal getwittert, weil ständig was los war. Es geht darum, das in dem Moment Wertvolle zu wertschätzen und das Digitale einzusetzen, wo es dieses bereichern kann.

Was machst du, wenn du nicht arbeitest?
Das, was ich mache, wenn ich nicht arbeite, mache ich nicht selten kurz darauf zu meinem Beruf. Das ist ja der Witz bei der Sache, wenn man seinen Job selbst erfindet. Diese Möglichkeit haben wir heute alle. Schon in der Schule habe ich gern meine Banknachbarn vollgequatscht mit irgendwelchen Dingen, die mich interessierten. Nichts anderes tue ich heute als Blogger. Als Kind habe ich mir gern Spielwelten ausgedacht. Nichts anderes tue ich heute mit meinen Veranstaltungsformaten. Unabhängig davon habe ich ganz normale Interessen von Fußball (Werder Bremen) bis hin zur Geschichte, die ich liebe. Zudem bietet Berlin meinem Entdecker-Gen reiches Futter.

Wo bist du aufgewachsen (und wie war das so)?
Ich bin in Greifswald an der Ostsee aufgewachsen – unterbrochen von einem Jahr an der High School in Montana (USA). Dort groß zu werden, war eigentlich ganz ideal, weil Greifswald mit ca. 50.000 Einwohnern eine überschaubare Größe hat, aber dank der Uni und den ca. 10.000 Studenten dennoch eine Menge los ist. Dass die großen Städte Berlin und Hamburg so weit weg sind führt dazu, dass vor Ort eine Menge unabhängiges Leben entsteht. Zudem ist die Ecke landschaftlich sehr schön. Die letzten fünf Schuljahre bin ich beispielsweise nie rechtzeitig zur Zeugnisübergabe gekommen, weil wir die Nacht vorher immer grillend und badend am Strand verbracht haben und dann morgens mit dem Rad zurück in Stadt gehetzt sind. Sowas geht dort gut und sorgt für Freiheitsgefühl.

Nun lebst du in Berlin. Was magst du an der Stadt und was weniger?
Ich mag an Berlin, dass die Stadt unfertig ist. Ich habe schon in diversen Städten wie Köln, Stuttgart und Frankfurt gelebt. Mein Herz schlägt aber eher für Städte wie Leipzig und Berlin, wo die Dinge nicht so saturiert, sondern stark im Umbruch sind. Da ergeben sich umso mehr Gestaltungsräume. Genau deshalb mag ich ja auch das Internet, weil es sich mitgestalten lässt und davon lebt. In Berlin passt das sehr gut zusammen und bei Orbanism werden wir genau diesen Raum zwischen Urbanität und Globalität weiter mit Leben füllen.

Du bist vor allem in der Buch- und Publishingbranche tätig. Wie bist du mit der Branche in Kontakt geraten?
Mein Großvater war Buchhändler alter Schule und wenn ich ihn besuchte, gab es immer ein Begrüßungsbuch mit Widmung aus dem Rosinenschrank. Er erzählte mir auch immer viel über die Struktur des Buchmarktes und die Buchwelt im Allgemeinen. So wurde mein Interesse geweckt. Das führte dann zum Verlagswirtschaftsstudium in Leipzig und von dort aus ging es direkt weiter in die Selbstständigkeit. Erst nur als Berater – man muss ja Geld verdienen –, wenig später auch als Blogger, dann mit eigenen Projekten, Lehraufträgen, Vorträgen, Veranstaltungen etc.

Bist du auch selbst ein „Bücherwurm“? Was liest du?
Ich lese vor allem Sachbücher, alles mit Geschichtsbezug und im Bereich der Literatur gern die Klassiker. Meine besondere Liebe gilt dabei Theodor Fontane …

als ich auf deiner Homepage gestöbert habe, ist mir bereits aufgefallen, dass du Vorstandsmitglied der Theodor-Fontane-Gesellschaft bist. Wie kommt’s, dass du dich dort engagierst? Was fasziniert dich an Fontane?
Ich engagiere mich seit 2010 im Vorstand der Gesellschaft mit ihren über 1.000 Mitgliedern. Grundsätzlich sollte sich jeder irgendwo ehrenamtlich einbringen. Das mal als Erstes. Speziell bei Fontane finde ich sowohl sein Werk als auch sein Leben faszinierend. Wer seine Romane und Erzählungen liest, liest nicht nur große Literatur, sondern lernt auch sehr viel Zeitloses über Menschen, Gesellschaften und über die deutsche und europäische Geschichte. Dann gibt es da noch das Briefwerk, die Wanderungen, die autobiographischen Werke und vieles mehr. Das Gesellschaftsleben ist ebenso horizonterweiternd, weil es sowohl im Osten als auch im Westen eine intensive Fontane-Rezeption gab. Nach der Wende kam das alles in der Gesellschaft zusammen und mischt sich seitdem munter. Zudem geht es da nicht so elitär zu wie in anderen großen Literaturgesellschaften. Bei uns sitzt der Germanistik-Professor neben dem gelegentlichen Hobbyleser, weil Fontane die unterschiedlichsten Leute anzieht und begeistert. Das spiegelt sich wieder in den zahlreichen Städte-Sektionen und -Freundeskreisen, wo ständig Vortragsveranstaltungen zu den unterschiedlichsten Themen laufen.

Was inspiriert dich?
Ich liebe Freaks. Ich beobachte sie gern und ich verbringe gern Zeit mit ihnen. Da tun sich immer wieder fremde Welten auf und man lernt unendlich viel.

Was treibt dich an?
Eine Mischung aus Neugier und dem Bewusstsein, dass man im Leben öde Sachen machen muss, wenn man sich nicht vorab kümmert. Daneben treibt mich vor allem die Möglichkeit an, einen so krassen Wandel wie den durch das Internet und die Digitalisierung mitgestalten zu können. Wir sind alle Glückskinder der Geschichte.

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Nichts. Geschenke nehme ich aber dankbar entgegen.

Wie definierst du Erfolg?
Erfolg ist das Erreichen selbstgesteckter Ziele. Das kann alles Mögliche sein und ist immer subjektiv. Ein zufriedener Eisverkäufer ist für mich erfolgreicher als ein unzufriedener Topbanker.

Was macht dich glücklich?
Es gibt ja dieses schöne chinesische Sprichwort:
„Willst du einen Tag lang glücklich sein, betrinke dich!
Willst du eine Woche lang glücklich sein, schlachte ein Schwein!
Willst du ein Jahr lang glücklich sein, heirate!
Willst du ein Leben lang glücklich sein, werde Gärtner!“
Für mich ist das, was ich mit meinen Projekten mache, wie gärtnern. Man pflanzt, es wächst heran und gedeiht, alles beeinflusst und befruchtet sich gegenseitig und am Ende blühen Menschen und Beziehungen auf. Das trägt ein großes Befriedigungspotenzial in sich. Allerdings möchte ich auch die anderen Dinge nie missen müssen.

Was ärgert dich maßlos?
Ungerechtigkeit, Schubladendenken, Intoleranz und unnötiges Alpha-Männchen-Gehabe. Menschen sollten Menschen lassen, wie sie sind, und sie stärker und nicht kleiner machen. Jeder für sich muss schon genug mit dem Leben kämpfen.

Hast du Vorbilder? Helden?
Helden habe ich keine. Das hat für mich etwas mit Überhöhung und Verklärung zu tun. Vorbilder sind für mich Menschen, die den Weg zu sich gefunden haben und damit bei allem, was sie tun, ein Original sind. Menschen, die wahrhaftig ihr Ding machen. Neben Kindern dürfte das der größte Glücksspender sein, wenn wir mit 80 zurückblicken und sagen können, dass wir ein uns gemäßes Leben gelebt haben.

Hast du ein Lieblingszitat oder gar ein Lebensmotto?
„So it goes.“ Vonnegut

 

 

Mehr Leander gibt es hier:

Website: http://orbanism.com
Website: http://leanderwattig.com
Facebook: https://www.facebook.com/leanderwattig
Twitter: https://twitter.com/leanderwattig
Snapchat: @leanderwattig

 

Das Interview führte Melanie Raabe.
Foto: Sebastian Mayer.

 

Mara, 29, Göttingen

„Mir kam niemals auch nur die Idee, dass ich nicht das Leben leben könnte, das ich leben wollte.“



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Mara, Du betreibst – offensichtlich mit viel Liebe und hohem zeitlichen Aufwand – den wunderbaren Literatur-Blog „Buzzaldrins Bücher“. Wie bist du zum Bloggen gekommen?
Ich war viele Jahre lang in einem Bücherforum aktiv – in der Büchereule. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich gerne mehr Raum für meine Besprechungen über Bücher haben möchte. Wenn ich lese, dann gehen mir immer so viele Worte und Gedanken durch den Kopf, die ich gerne dazu aufschreiben würde. Die Entscheidung, mir einen Blog einzurichten, ist dann relativ spontan gefallen, doch ich bin dabei geblieben und kann mir ein Leben ohne „Buzzaldrins Bücher“ heutzutage nur noch schwer vorstellen.

Wo bist du aufgewachsen?
Im hohen Norden, genauer gesagt in Bremen. Weggezogen hat es mich von dort erst, als mein Studium begann – über Bayreuth und Dresden hat es mich dann nach Göttingen verschlagen. Noch heute vermisse ich das Wasser und den Hafen mit all seinen Gerüchen.

Hast du einen „day job“? Welchen?
Ich habe Germanistik studiert und mit einer Masterarbeit über Uwe Tellkamp abgeschlossen – das Thema war naheliegend, denn ich habe damals in Dresden gelebt. Nun bin ich schon eine ganze Weile auf Jobsuche. Ich würde natürlich gerne in einem Verlag arbeiten und glaube auch, dass ich ganz gute Kenntnisse habe. Wer also das hier liest und einen Job zu vergeben hat: immer her damit!

Welche Menschen – ganz egal, ob aus deinem persönlichen Umfeld oder große Denker der Weltgeschichte – haben dich am meisten beeinflusst?
Am meisten beeinflusst hat mich wohl mein Hund Bandit, er ist kein Mensch und sicherlich auch kein großer Denker der Weltgeschichte, aber er ist mein ganz persönlicher Held. Seit einem schweren Unfall vor einigen Jahre ist er behindert, aber er hat nie seine Lebenslust verloren. Ich kenne kaum jemanden, der so viel Freude daran hat, da zu sein, wie Bandit und durch seinen ganz besonderen Blick auf das Leben, der nur nach vorne ausgerichtet ist, ist er mir ein ganz großes Vorbild.

 

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Was inspiriert dich?
Gute Bücher, gute Texte. Bei mir funktioniert fast alles über das geschriebene Wort. Aber auch die Natur inspiriert mich, genauso wie gute Gespräche.

Was macht dich glücklich?
Lange Spaziergänge durch den Wald. Kuschelstunden mit dem Hund. Überhaupt: das Zusammensein mit den Menschen, die ich liebe.

Was ist das Schönste, das dir je passiert ist?
Wahrscheinlich all das, was in den letzten dreieinhalb Jahren rund um meinen Blog geschehen ist. Ich habe wahnsinnig tolle Menschen kennengelernt, interessante Gespräche geführt, durfte Autoren und Autorinnen interviewen, habe Verlage von innen besichtigt. Ich glaube, dass ich mir all das nie habe erträumen können, als ich meinen Blog eingerichtet habe. Ich bin mir nicht sicher, ob es das Schönste ist, aber es sind wunderbare Erfahrungen, die ich machen durfte.

 

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Hast du Vorbilder? Helden?
Ich habe ein Vorbild in meinem Arbeitsbereich und ich glaube auch, dass es ganz wichtig ist, bei dem was man tut, Vorbilder zu haben. Mein Vorbild ist Karla Paul, die irgendwann auch einmal gebloggt hat und jetzt wieder damit anfängt, mittlerweile aber auch in einem Verlag arbeitet – bei Hoffmann & Campe. Ich bewundere sie für ihr unermüdliches Engagement und frage mich manchmal, ob ihre Tage nicht doch 48 Stunden haben. Es gibt noch nicht viele Menschen, die beides vereinen, was ich so liebe: gute Bücher und den gemeinsamen virtuellen Austausch darüber. Ich hoffe, dass ich als Bloggerin irgendwann selbst zum Vorbild für andere werden kann: ich gebe gerne Ratschläge und freue mich immer dann, wenn ich andere Blogger und Bloggerinnen unterstützend und helfend begleiten kann.

Hast du ein Lieblingszitat oder Lebensmotto?
Mein Lebensmotto ist zugleich Lieblingszitat und ich habe es mir bei Susan Sontag geklaut, die diese wunderschönen beiden Sätze gesagt hat: „Mir kam niemals auch nur die Idee, dass ich nicht das Leben leben könnte, das ich leben wollte. Ich dachte, ich gebe einfach nicht auf.“

 

Das Interview führte Melanie Raabe.
Alle Fotos: privat.

 

Rikje, 32, Hannover

„Den Blick auf das Gute wenden“

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Isabelle Hannemann




Rikje! Wenn ich versuche, mir dich als Kind vorzustellen, dann taucht vor meinem inneren Auge ein sehr cooles, sehr wildes kleines Mädchen auf, das auf die höchsten Bäume klettert und vor praktisch nichts Angst hat. Liege ich richtig? Wie war deine Kindheit?
Auha, nun kommt meine wahre Seite zum Vorschein. All diejenigen, die dachten, ich hätte bereits mit sieben Jahren Dreadlocks gehabt, da ich wild geknurrt habe, sobald meine Haare geschnitten oder gewaschen werden sollten, liegen leider falsch. Ich habe sogar, es fällt mir schwer das zu sagen, Matrosenkleidchen getragen, wenn es einen festlichen Anlass gab (jeder Mensch hat irgendwie ein Kindheitstrauma – danke Mama!). ABER: Deine Interpretation ist nicht ganz falsch. Meistens hat mich mein großer Bruder mitgenommen (von dem ich übrigens die alten Kleidungsstücke auftragen musste – das hat mich aber auch nicht sonderlich gestört um ehrlich zu sein), und dadurch kroch ich durch Matsch und Sand, versuchte mit meiner zarten Mädchenstimme grunzende und brutal klingende Geräusche nachzumachen und wurde eigentlich immer irgendwie geduldet. Mein großer Bruder hat mich aber überwiegend ohne Diskussionen im Schlepptau gehabt. Das hat sich ausgezahlt, dafür habe ich statt einer langweiligen Hochzeitsrede einen Text für ihn geschrieben, der die Geschichte des kleinen Zahnlücken-Cowboys auf der Suche nach der perfekten Frau erzählte. Aber die Jugend meines Bruders bot auch einfach das perfekte Futter für einen solchen Text.

Und wie war deine Jugend?
Oh, meine Jugend. Mein kleinster Bruder – ich habe noch zwei kleinere Halbbrüder – steckt mitten im kleinen Horrorladen namens „Pubertät“. Ich bin so unendlich dankbar, dass ich das hinter mich bringen durfte. Alles war peinlich. Selbst atmen in einigen Situationen. Ich war äußerst schüchtern, was Jungs betraf, in die ich „verknallt“ war. Kein Wunder, denn dadurch, dass ich nicht mehr atmete (die Nase könnte dabei ja komische Geräusche machen), sagte ich keinen Ton und rannte ziemlich schnell weg, um nicht zu ersticken. Somit war meine Jugend äußerst behütet – neben den üblichen Streitereien mit den peinlichen Eltern. (Wie sich das Blatt auch wendet: Heute bin ich ihnen eher peinlich – sehr witzig!) Also, Jugend-Rikje begann mit „Bravo“ lesen, in enge Hosen mit Schlag und übergroße Pullis gekleidet „Kelly Family“- und „Backstreet Boys“-Konzerte besuchend. (Jaja, lacht ihr alle). Mit fünfzehn oder sechzehn wurden es dann Hardcore- und Punk-Konzerte. Zum Glück, sonst wäre ich wohl heute noch Jungfrau.

Was wolltest du als Kind gerne werden, „wenn du mal groß bist“?
Da ich bei meinen Großeltern immer viel fernsehgucken durfte – ich bin die Tochter einer Pädagogin –, guckte ich auch viel die Fernsehserie „Quincy“. Damals war mir nicht klar, dass er Rechtsmediziner sein sollte, da er so viel im Gerichtssaal stand. Dadurch dachte ich immer, es wäre total aufregend Anwältin zu sein. Nun, Anwältin bin ich nicht geworden, scheint als hätte mein Verstand dann doch noch gesiegt.

Und was bist du geworden bzw. was wirst du?
Da mein Abi nicht den besten Schnitt hatte, war mir klar, dass das mit meinem Gedanken, „Tiermedizin“ zu studieren, schwierig werden könnte. Somit kombinierte ich knattertonartig und entschied mich dafür, eher ein Medizinstudium anzustreben. Zumindest war die Wartezeit etwas kürzer. Glücklicherweise war ich schlau genug zu wissen, dass ich bestimmt drei Jahre hätte warten müssen, und so begann ich eine Ausbildung zur examinierten Krankenschwester (heute: Gesundheits- und Krankenpflegerin). In meiner Ausbildung bemerkte ich die sehr dominierenden negativen Seiten des Medizinerlebens. Mein einer Lehrer in der Ausbildung brachte mich auf die Idee „Pflegewissenschaft“ und „Deutsch auf Sekundarstufe. II“ zu studieren. Bei diesem Studiengang war es damals noch möglich, mit zwei Abschlüssen abzuschließen. Und so habe ich mein erstes Staatsexamen auf Lehramt und zudem ein Diplom, das mich dazu berechtigt, in der Wissenschaft tätig zu sein. Somit habe ich beides für mich genutzt. Ich arbeite sowohl in einer Kranken- und Kinderkrankenpflegeschule an einer Universitätsklinik als Lehrerin sowie im Bereich der Versorgungsforschung im Bereich Palliativmedizin (Wissenschaftsstellen sind ja meist nur mit 50% Stellen ausgeschrieben – unfassbar!). Darin promoviere ich auch gerade, zumindest versuche ich es.

 

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Bellabellinsky Photographie

 

 

Gemeinsam mit deinem Kumpel Mirco Buchwitz hast du zudem ein sehr cooles, sehr lustiges Buch geschrieben, das kürzlich bei Rowohlt erschienen ist („Arschbacken zusammenkneifen, Prinzessin“). Wie kam es dazu?
Danke für dieses Lob, das freut mich! In Kurzfassung: Mirco und ich hatten mal einen Abend zu tief ins Glas geguckt – ach was rede ich, wir waren rotzevoll. Ich erzählte ihm, dass mich diese typischen „frechen Frauenromane“ annerven, da sie den Ist-Stand nicht wirklich darstellen. Meistens sind dies Frauen Mitte Dreißig, die ihren Typen scheiße finden, da er sich zu wenig um sie kümmert bzw. ihre Hollywood-Erwartungen nicht erfüllt. Sie trennen sich dann von ihm, und dort beginnt dann die eigentliche Story. Auf dem Weg der Trauerverarbeitung fahren sie nach Sylt oder zu einem anderen übermäßig teuren Ziel, schmeißen die Kohle zum Fenster raus und finden dann letztlich den perfekten Typen, der mit ihnen Kinder zeugt. Wer sagt, dass eine Frau Anfang/Mitte dreißig unzufrieden sein muss, da sie keine Kinder hat bzw. keinen Typen, der mit ihr potentiell Kinder machen könnte? Wieso dürfen Frauen nicht auch mal ihr „Leben leben“, ohne gleich als „Schlampe“ zu wirken, da sie das machen, worauf sie Lust haben und nicht dem Rollenbild der Gesellschaft entsprechen (es gibt Frauen, die auch gerne Sex haben und das auch gerne leben)? Und überhaupt, wer hat dieses Rollenbild überhaupt erfunden? Männer sind die geilen Hengste und Frauen eben Schlampen. Das Schlimmste: Dieses Urteil treffen überwiegend die Frauen selbst über ihre gleichgeschlechtlichen Mitstreiterinnen. Und welche Frau Mitte dreißig hat bereits selbstständig so viel Geld verdient, dass sie einen schwulen Star-Friseur bezahlen, ein abbezahltes geiles Auto fahren und ihrem überzüchteten Hund „Evian“ zu saufen geben kann? Lustige Passagen haben diese Romane, das möchte ich nicht bestreiten. Doch können wir Frauen nicht auch anders sein, als das, was von uns erwartet wird? Somit kamen wir auf die Idee. Mirco hat irgendwann einfach angefangen zu schreiben, da er viel mehr Erfahrung darin hat als ich. Wir sprachen immer wieder über den Story-Verlauf, über Charaktere, und er ließ mir dann immer wieder die Kapitel zukommen, wozu ich dann noch Dinge hinzugefügt oder verändert habe, und am Ende kam dabei ein Buch raus.

Wird es noch mehr Bücher geben – von euch als Duo oder von dir alleine?
Sowohl als auch. Mirco ist bereits fleißig am Schreiben anderer Romane (ja, der Plural an dieser Stelle war vollkommen bewusst gewählt), und ich plane gerade ebenfalls noch einen Roman. Alles ist denkbar. Mal gucken, was die Zukunft für uns bereits hält.

Als ich dich gegoogelt habe, bin ich über ein Projekt namens Demenz-Poesie gestolpert. Das klingt irre spannend. Was hat es damit auf sich?
Ich werde nun mal etwas förmlicher, da es mir wichtig ist, dabei die Ernsthaftigkeit des Projektes darzustellen und zu zeigen, dass dahinter ein durchdachtes Konzept steckt: DemenzPoesie® ist eine Therapieform zur Gedächtnisrehabilitation von Menschen mit Demenzerkrankung. Meine Kollegin Pauline Füg (sie selbst ist Diplom-Psychologin und ebenfalls Bühnenautorin) und ich machen das zusammen. Das Gedächtnis wird dabei rehabilitiert, indem bestehende Ressourcen genutzt und gefördert werden. Bei DemenzPoesie® erfolgt dies anhand eines sehr lebendigen Vortrags von Gedichten, die die demenzkranken Teilnehmer noch aus Kindertagen kennen. Dadurch werden sie in einer Gruppensitzung – „Session“ genannt – interaktiv und kreativ an Sprache und Rhythmus herangeführt. Anhand von audiovisuellen, haptischen, taktilen und olfaktorischen Reizen werden Menschen mit Demenzerkrankung stimuliert, an ihrer Umwelt aktiv teilzuhaben. Die Förderung der eigenen Sprache, des Ausdrucks, der Wahrnehmung und des positiven Gruppengefühls werden dabei verfolgt. Zum Ende jeder Session wird gemeinsam mit den erkrankten Teilnehmern ein so genanntes Improvisationsgedicht erschaffen. Nachdem ich in New York hospitierte, wird anlehnend an das im Museum of Modern Art in New York seit 2009 durchgeführte Projekt “The MoMA‘s Alzheimer‘s Project” (gefördert vom US-Ministerium für Bildung [Department of Education]), seit 2013 das DemenzPoesie®-Projekt in der Form erweitert, dass die Sessions neben in Seniorenheimen auch in Museen vor Kunstgemälden und -gegenständen stattfinden. Dazu werden die Gemälde und anderen Kunstwerke gemeinsam mit dem demenzerkrankten Menschen betrachtet, besprochen und dazu passende Gedichte vorgetragen. Diese Umsetzung erfreut sich steigender Beliebtheit, und so wurden Sessions in unterschiedlichen Museen (Kunst-, Historische- und Heimatmuseen) in ganz Deutschland durchgeführt. Die Konzeption und Durchführung der DemenzPoesie®-Sitzungen geschah in enger Zusammenarbeit mit dem Erfinder: Der amerikanische Poet Gary Glazner rief 2004 das Alzheimer‘s Poetry Project ins Leben.

Du hast auch noch in anderer Hinsicht mit Poetry zu tun: Du trittst bei Poetry Slams auf! Chapeau! Ich finde den Gedanken, bei einem Poetry Slam mitzumachen, in etwa so verlockend wie ein Date mit einem hungrigen Grizzly. Seit wann machst du das und was reizt dich am gesprochenen Wort?
Mit Poetry Slam wurde ich bereits 2004 in meinem Studium konfrontiert. Daraufhin fing ich an, öfter als Gast dort anwesend zu sein. Damals waren die Zuschauerräume noch übersichtlich gefüllt, und die Texte waren experimentell. Sehr spannend, teilweise etwas merkwürdig, aber individuell und angenehm fern vom Mainstream. Ich selbst hatte mich aber nie getraut, dort aufzutreten, obwohl es mich immer gereizt hat. Da ich mir 2009/2010 zum Jahreswechsel vorgenommen hatte, mich Herausforderungen zu stellen, die ich bis dato nicht durchgezogen hatte, kam es dann am 18.02.2010 zu meinem ersten Poetry-Slam-Auftritt in Hannover. Für zwei Jahre war ich dann, so wie es mein Arbeitspensum zuließ, auf einigen Poetry Slams und Lesebühnen unterwegs. Nach einer Zeit bemerkte ich auf den Slams eine Veränderung für mich, die mir selbst nicht mehr so gefiel. Es galt nur noch, den lustigsten Text mit der besten Performance zu haben und nicht mehr, sich auf schriftstellerischer Ebene auszuprobieren und neues zu probieren. Deine Aussage „ein Date mit einem hungrigen Grizzly zu haben“ trifft es meiner Meinung nach. Es hatte mich auch irgendwann so sehr blockiert, dass ich beim Schreiben darüber nachdachte, ob es denn beim Publikum „ankommen würde“, anstatt diese Geschichte nach meinen Ideen und Gedanken zu verfassen. Somit bin ich nicht mehr auf Slams unterwegs, denn das Format passt nicht mehr zu mir. Es gibt viele Menschen, die sind hervorragende Slammer und die bewundere ich dabei. Ich selbst hätte Lust, eine hervorragende Schriftstellerin zu werden, aber diesen Wunsch haben ja viele. Somit schreibe ich weiterhin für mich, habe Spaß dabei, und wer weiß, vielleicht darf ich irgendwann damit meinen Lebensunterhalt verdienen. Das wäre ein Lebenswunsch. Drückt mir die Daumen!

 

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Bellabellinsky Photographie

 

 

Die Daumen sind gedrückt. Welche Poetry Slammer sind es denn, die du bewunderst?
Pauline Füg – sie ist schon ewig dabei, hat einen eigenen Stil kreiert – der leider zu viel kopiert wurde – und kämpft sich mit ihren sehr guten lyrischen Texten (echte Lyrik, keine Hausfrauenlyrik) weiterhin auf den Bühnen durch, obwohl Personen aus dem Publikum anfangen, laut zu reden oder gar laut zu rülpsen. Schade! Sehr schade!

Und wen liest du? Wer sind deine Lieblingsautoren?
Ehrlich gesagt lese ich beruflich bedingt viel Fachliteratur und wenig Romane. Ich dürfte dies zwar nicht zugeben, aber ich oute mich jetzt hier. Ansonsten liebe ich Roald Dahl und Jonathan Safran Foer. Mirco Buchwitz schreibt auch in einer faszinierenden, individuellen Art, was ich unabhängig von unserer Zusammenarbeit hier mal erwähnen möchte.

Für wen – egal ob berühmt oder nicht, ob Mann oder Frau, lebendig oder tot, real oder fiktiv – schwärmst du?
Puh, früher hätte ich was von Johnny Depp erzählt, aber irgendwie wird der immer unspektakulärer, seit er in einer Art Midlife-Crisis steckt. Irgendwie habe ich aufgehört zu schwärmen. Wenn ich mir aber mal eine Person aussuchen dürfte, mit der ich eine Kneipentour machen möchte, dann sage ich selbstbewusst „Carolin Kebekus“. Obwohl sie unser Horbüch eingelesen hat, hatte ich leider nicht das Vergnügen, sie selbst kennen lernen zu dürfen. Ich denke aber, wir hätten gemeinsam verdammt viel Spaß.

Was ist das Schönste, das dir jemals passiert ist?
Ich war mal für vier Monate in Australien, aber bevor ich das machte, fragte ich mich, ob es denn so eine gute Idee sei, die ganzen Ersparnisse dafür zu verbraten und ganz allein mit mindermäßigen Englischkenntnissen dahin zu fliegen. (Meine Mutter ist Englisch-Lehrerin, ich denke jedem ist nun klar, welches mein schlechtestes Schulfach war). Ich war bereits im Studium und arbeitete nebenher auf einer Station als Krankenschwester. Ich war zum Spätdienst eingeteilt und ein Mann klingelte, sodass ich sein Zimmer aufsuchte. Er selbst war an Morbus Parkinson erkrankt und wollte vom Badezimmer zurück in sein Bett begleitet werden. Menschen mit Parkinson können einen so genannten Stupor bekommen. Sie können zwar klar denken, aber der Körper führt keine Bewegungen mehr aus, und sie verfallen in eine Art „Starre“. Er entschuldigte sich und sagte, dass er einen Moment brauche, bis er sich wieder bewegen könne. Ich verdeutlichte ihm, er solle sich die Zeit nehmen, die er brauche, und ich wäre jetzt nur für ihn da. Er erzählte mir, er habe früher viel gearbeitet, hätte eine eigene Gärtnerei gehabt und viel Geld damit verdient. Immer hätte er sich gesagt, er wollte auf Reisen gehen, wenn er in Rente sei. Mit seinem Rentenbescheid kam jedoch fast zeitgleich seine Diagnosestellung, weswegen er nichts von der Welt gesehen habe. Er klopfte mir auf die Schulter, sah mich an und meinte mit einer tiefen Weisheit in seinen Augen: „Mädchen, was immer Sie tun, tun Sie es jetzt.“
Nach meiner Schicht fuhr ich nach Hause und buchte sofort meinen Flug. Mein Australienaufenthalt im Jahr 2008 war mit das Beste, das ich in meinem Leben bisher getan habe. Ich sehe diesen Herrn als eine Art Erfüllungsgehilfen für einen absolut wichtigen Teil meines Lebens an. Durch ihn habe ich gelernt, dass ich keine Konjunktive in meinen Erzählungen finden möchte, da ich es getan und nicht „immer nur drüber nachgedacht“ habe. Ich konnte es ihm nie mitteilen, doch hoffe ich, dass er es spüren konnte.

Was ist das Schlimmste, das dir jemals passiert ist?
Meine Schulzeit in Verbindung mit meiner Pubertät – die Hölle!

Welches ist die wichtigste Lektion, die du bisher gelernt hast?
Sei dankbar!

Was inspiriert dich?
Das Leben. Dazu muss ich viel reisen und viel erleben. Ich kann nur selten stillsitzen, da ich mich sonst langweile. Sonnenbaden beispielsweise wäre für mich eine Foltermethode!

Hast du Vorbilder?
Die Erfinder von „Dschungel-Camp“. Eine unglaublich geniale Idee, die die Menschen (vor allem die Akademiker, wie es ja immer gesagt wird) vor den Fernseher zieht ,um irgendwelche „Promis“ dabei zuzugucken, wie sie ekelige Sachen machen und essen müssen. Grandios! Die haben sich zu Recht eine goldene Nase verdient. Immer wieder frage ich mich: „Verdammt, wieso hattest du nicht einen so genieartigen Gedanken?“

Was macht dich glücklich?
Reisen, meine Familie, meine Freunde, Menschen treffen, viel reden – manchmal zu viel –, Essen, Bier, gute Filme, stumpfe TV-Shows (Bauer sucht Frau ist bei mir auch ganz weit oben), Fleisch und Wurst, Käse und Quark, Marmelade, Gartenarbeit, kochen, PC-Spiele spielen… Manchmal auch schreiben (an alle nicht Autoren: das kann verdammt harte Arbeit sein!).

Was ist der Sinn des Lebens?
Die Erfindung von kalorienarmer Schokolade bei gleicher Geschmacksintensität!
Ernsthaft: Mein Sinn liegt darin, den Blick auf das Gute zu wenden, auch wenn das Schlechte Oberhand gewinnt. Sonst gibt es irgendwann nur noch Psychiatrie-Blöcke, die wir als unsere Wohnadresse angeben.

 

Das Interview führte Melanie Raabe.