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Mara, 29, Göttingen

„Mir kam niemals auch nur die Idee, dass ich nicht das Leben leben könnte, das ich leben wollte.“



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Mara, Du betreibst – offensichtlich mit viel Liebe und hohem zeitlichen Aufwand – den wunderbaren Literatur-Blog „Buzzaldrins Bücher“. Wie bist du zum Bloggen gekommen?
Ich war viele Jahre lang in einem Bücherforum aktiv – in der Büchereule. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich gerne mehr Raum für meine Besprechungen über Bücher haben möchte. Wenn ich lese, dann gehen mir immer so viele Worte und Gedanken durch den Kopf, die ich gerne dazu aufschreiben würde. Die Entscheidung, mir einen Blog einzurichten, ist dann relativ spontan gefallen, doch ich bin dabei geblieben und kann mir ein Leben ohne „Buzzaldrins Bücher“ heutzutage nur noch schwer vorstellen.

Wo bist du aufgewachsen?
Im hohen Norden, genauer gesagt in Bremen. Weggezogen hat es mich von dort erst, als mein Studium begann – über Bayreuth und Dresden hat es mich dann nach Göttingen verschlagen. Noch heute vermisse ich das Wasser und den Hafen mit all seinen Gerüchen.

Hast du einen „day job“? Welchen?
Ich habe Germanistik studiert und mit einer Masterarbeit über Uwe Tellkamp abgeschlossen – das Thema war naheliegend, denn ich habe damals in Dresden gelebt. Nun bin ich schon eine ganze Weile auf Jobsuche. Ich würde natürlich gerne in einem Verlag arbeiten und glaube auch, dass ich ganz gute Kenntnisse habe. Wer also das hier liest und einen Job zu vergeben hat: immer her damit!

Welche Menschen – ganz egal, ob aus deinem persönlichen Umfeld oder große Denker der Weltgeschichte – haben dich am meisten beeinflusst?
Am meisten beeinflusst hat mich wohl mein Hund Bandit, er ist kein Mensch und sicherlich auch kein großer Denker der Weltgeschichte, aber er ist mein ganz persönlicher Held. Seit einem schweren Unfall vor einigen Jahre ist er behindert, aber er hat nie seine Lebenslust verloren. Ich kenne kaum jemanden, der so viel Freude daran hat, da zu sein, wie Bandit und durch seinen ganz besonderen Blick auf das Leben, der nur nach vorne ausgerichtet ist, ist er mir ein ganz großes Vorbild.

 

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Was inspiriert dich?
Gute Bücher, gute Texte. Bei mir funktioniert fast alles über das geschriebene Wort. Aber auch die Natur inspiriert mich, genauso wie gute Gespräche.

Was macht dich glücklich?
Lange Spaziergänge durch den Wald. Kuschelstunden mit dem Hund. Überhaupt: das Zusammensein mit den Menschen, die ich liebe.

Was ist das Schönste, das dir je passiert ist?
Wahrscheinlich all das, was in den letzten dreieinhalb Jahren rund um meinen Blog geschehen ist. Ich habe wahnsinnig tolle Menschen kennengelernt, interessante Gespräche geführt, durfte Autoren und Autorinnen interviewen, habe Verlage von innen besichtigt. Ich glaube, dass ich mir all das nie habe erträumen können, als ich meinen Blog eingerichtet habe. Ich bin mir nicht sicher, ob es das Schönste ist, aber es sind wunderbare Erfahrungen, die ich machen durfte.

 

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Hast du Vorbilder? Helden?
Ich habe ein Vorbild in meinem Arbeitsbereich und ich glaube auch, dass es ganz wichtig ist, bei dem was man tut, Vorbilder zu haben. Mein Vorbild ist Karla Paul, die irgendwann auch einmal gebloggt hat und jetzt wieder damit anfängt, mittlerweile aber auch in einem Verlag arbeitet – bei Hoffmann & Campe. Ich bewundere sie für ihr unermüdliches Engagement und frage mich manchmal, ob ihre Tage nicht doch 48 Stunden haben. Es gibt noch nicht viele Menschen, die beides vereinen, was ich so liebe: gute Bücher und den gemeinsamen virtuellen Austausch darüber. Ich hoffe, dass ich als Bloggerin irgendwann selbst zum Vorbild für andere werden kann: ich gebe gerne Ratschläge und freue mich immer dann, wenn ich andere Blogger und Bloggerinnen unterstützend und helfend begleiten kann.

Hast du ein Lieblingszitat oder Lebensmotto?
Mein Lebensmotto ist zugleich Lieblingszitat und ich habe es mir bei Susan Sontag geklaut, die diese wunderschönen beiden Sätze gesagt hat: „Mir kam niemals auch nur die Idee, dass ich nicht das Leben leben könnte, das ich leben wollte. Ich dachte, ich gebe einfach nicht auf.“

 

Das Interview führte Melanie Raabe.
Alle Fotos: privat.

 

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Annette, „39, mal wieder“, Köln

„Wahre Liebe lässt los“

 

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Liebe Annette! Du machst so viele unterschiedliche und spannende Dinge. Wenn dich ein Fremder fragt, „was du beruflich machst“ – was antwortest du?
Am Liebsten sage ich: ICH BIN ICH … was auch immer das in dem Moment bedeuten mag. Ich habe so viele Berufe, dass ich manchmal denke, die Leute sind überfordert, wenn ich die alle aufzähle. Also wähle ich immer einen oder zwei aus, je nach Situation, aber ich kann ja mal den Versuch einer Aufzählung machen: Zigarenmanufactrice – das Wort hab ich selbst kreiert – Zigarrenrollerin, Autorin, Sängerin, Dolmetscherin, Künstleragentin, Eventmanagerin, Regisseurin …

Wie schöpfst du die Energie für all deine Projekte?
Ich hab sehr viel Energie von Natur aus. Und wenn ich Menschen begeistern kann, bekomme ich jede Menge zurück. Und wenn die Speicher mal leer laufen, gehe ich in die Natur oder singe.

Wo kommst du her und wie bist du aufgewachsen?
Ich komme aus einer Provinzhauptstadt in Südbaden namens Rheinfelden. Dort bin ich geboren, am südlichen Rande des Schwarzwaldes.

Du reist offensichtlich gerne und viel. Welches war dein schönstes oder interessantestes Erlebnis auf Reisen?
Als afrikanische Voodookünstler, die ich produziert und getourt habe, auf dem Marktplatz eines Dorfes in den Anden Glas zerkaut und runtergeschluckt haben, um den Indios, die noch nie schwarze Menschen gesehen hatten, ein Stück ihrer religiösen Kultur zu zeigen.

Welches ist der interessanteste Mensch, dem du je begegnet bist?
Ahmet Ertegün, der Gründer von Atlantic Records, New York, den ich zwei Jahre vor seinem Tod in Bodrum kennengelernt habe. Er hat mit den Rolling Stones, Led Zeppelin, Aretha Franklin und endlos vielen weltberühmten Musikern gearbeitet. Es war ein gegenseitiges „Sich-Erkennen“ von zwei Persönlichkeiten, als wir uns begegneten, eine Art „platonische Liebe auf den ersten Blick“.

Du bist Besitzerin einer Kölner Zigarrenbar. Wie kamst du auf die Idee? Erzähl doch ein bisschen von deinem Laden.
Das ist keine Zigarrenbar, sondern eine Zigarrenmanufaktur mit Laden und kleinem Salon, in dem wir Seminare abhalten. Die Zigarren sind mir zugeflogen wie ein verirrter Papagei. Ich liebe Kuba, die kubanische Musik und Kultur. Ich habe viele Tourneen kubanischer Künstler organisiert und irgendwann begann ich die „Kunst des Zigarrenrollens“ auf Events zu zeigen, also so eine Art mobile Zigarrenmanufaktur und eh ich mich versah, hatte ich meine eigene Zigarrenmanufaktur – ein Stück Kuba in Köln …

Zudem bist du Autorin. Was hat es mit deinem Buch auf sich? Was steht drin und warum hast du es geschrieben?
Ich erzähle von einem Liebesexperiment, das ich durchgeführt habe. Fünf Männer, fünf Beziehungen parallel wollte ich haben, und das ganz offen und ehrlich. Ich wollte mal was ganz Neues ausprobieren, ausbrechen aus den Konventionen unserer Vorstellung von Partnerschaft. Ich erzähle heiße Stories aus dem Nähkästchen, es geht um Sex, Eifersucht, wilde Experimente und die Sehnsucht nach Liebe. Das Buch hat in der Presse einige Wellen geschlagen, ich war bei vielen Talkshows zu Gast, u.a. bei Markus Lanz, bei Plasberg oder in Backes’ Nachtcafé und erntete nicht wenig pikierte Blicke der Männerwelt.

Du stehst auch immer mal wieder auf der Bühne. Was bedeutet es dir, vor Publikum zu stehen?
Ich liebe die Bühne, ich liebe es, meine innere Rampensau rauszulassen. Wenn ich dann noch Rückmeldungen bekomme, dass ich irgendwas in den Menschen bewege durch meine Musik oder meine Texte, dann bin ich glücklich!

Kennst du Lampenfieber?
Oh ja und wie! Aber ich glaube, das gehört zu einer guten Performance dazu.
 



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Welches ist die wichtigste Lektion, die du bisher gelernt hast im Leben?
Die wahre Kraft und das Glück liegt in Dir. Und in jeder Katastrophe, auch wenn du es erst nicht glauben kannst, ist irgendwo ein Geschenk versteckt.

Hast du ein Lebensmotto oder eine Lebensphilosophie?
Wahre Liebe lässt los.

Was inspiriert dich?
Städte wie Istanbul oder Paris. Am Liebsten sitze ich in Straßencafés und lasse das Leben an mir vorbeiziehen.

Was macht dich glücklich?
Musik. Sex. Sonne.

Gibt es etwas – eine Veranstaltung, ein Buch, eine Homepage – die oder das du gerne promoten würdest? Das ist die Gelegenheit!
Ab 24.10. trete ich mit meiner Show zum Buch „Fünf Männer für mich“ im Kölner Arkadastheater – Bühne der Kulturen auf, (Spieldaten: 24.10 / 30.10. / 11.11. / 18.11. / 11.12. / 23.12 jeweils 20.15 h ) Vorverkauf unter 0221-550 43 15, weitere infos hier www.annettemeisl.de
Mein Buch „Fünf Männer für mich“ kann man in allen Buchhandlungen bekommen oder hier: http://shop.lagalana.de/artikel/fuenf-maenner-fuer-mich
Und in meinem Zigarrensalon gibt es spannende Seminare zu Zigarrenherstellung und Rumverkostungen. www.lagalana.de

 

Das Interview führte Melanie Raabe.

Fotos: Dario Scandura.