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Monika, 70, Wiehl

Alles wirkliche Leben ist Begegnung

 

Monika! Bitte stellen Sie sich doch kurz vor. Wer sind Sie, was machen Sie?
Ich heiße Monika Höhn und wurde 1945 in Göttingen geboren. Auf der Flucht von Göttingen nach Salzburg überlebte ich einen Fliegerangriff auf den Flüchtlingstreck, weil meine Mutter mich aus dem Kinderwagen riss und mit mir auf dem Arm in den nahen Wald rannte. Mein Kinderwagen wurde von den MG-Salven zerfetzt. Noch heute erinnert mich ein kleines Holzpüppchen an diesen Angriff. Ich wuchs in Düsseldorf auf, bin seit 1968 mit Michael Höhn verheiratet, habe zwei Töchter.
Als Großhandelskauffrau, Personal- und Vorstandssekretärin, arbeitete ich in Düsseldorf und Mainz, später in der Kirchengemeinde meines Mannes in Duisburg-Bruckhausen in der Jugend- und Altenarbeit, mit türkischen Frauen und in der Beschäftigungstherapie eines Pflegeheims. Im Oberbergischen Wiehl engagierte ich mich in der Friedens- und Flüchtlingsarbeit und war tätig als Dozentin für „Deutsch für AsylbewerberInnen“ – vorwiegend mit kurdischen Familien. 1993 gründete ich mit meinem Mann und nicaraguanischen Freunden das Ometepe-Projekt Nicaragua, für dessen langjährige Arbeit mein Mann und ich am 9. November 2011 das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und den Silbernen Wiehltaler der Stadt Wiehl für soziales Engagement erhielten.
Meine Hobbies sind: Lesen, Reisen, Kontakte zu fremden Kulturen, Liebe zur Natur und zu Tieren aller Art, vor allem zu Hunden. Ich bin gern mit Menschen unterwegs, besonders auch zu Lesungen zum Thema „Eine Welt“ in Kindergärten, Schulen und Kirchengemeinden.
Seit 1983 bin ich Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller (VS in ver.di) und Autorin verschiedener Bücher und Anthologien. Veröffentlichungen von mir und meinem Mann sind auch zu finden auf http://www.ometepe-projekt-nicaragua.de.

Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit?
Die Begegnung mit den unterschiedlichsten Menschen, vor allem auch solchen, die mit Tieren (therapeutisch) zu tun haben.

Was würden Sie als Ihre Berufung bezeichnen?
Ich möchte Menschen bewegen, diese Welt menschenwürdig zu gestalten, um sie unseren Kindern und Enkeln lebenswert zu hinterlassen

Was treibt Sie an?
Der bisherige Erfolg, der meinem Mann und mir gezeigt hat, dass wir etwas bewegen können, dass sich viele Menschen mit uns gemeinsam für diese „Eine Welt“ auf unterschiedliche Art und Weise einsetzen. Das ist uns vor allem in unserer 23-jährigen Entwicklungs-Zusammenarbeit mit Nicaragua bisher gelungen.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Auf meine Familie.

Welches war Ihre bisher interessanteste Reise?
Alle Reisen, die wir unternommen haben, waren interessant.
Nicaragua ebenso wie meine Reise in die kurdische Region der Türkei, wo ich 1993 mit einer Menschenrechtsdelegation vom türkischen Militär verhaftet und 14 Stunden lang mit verbundenen Augen im Militärgefängnis von Diyarbakir zubringen musste, bis wir schließlich wieder frei kamen.
Trotz dieses traumatischen Erlebnisses habe ich einen intensiven Einblick erhalten in die Lebenssituation der kurdischen Bevölkerung und die Assimilierungspolitik der türkischen Regierung, die mittlerweile unverändert ihre „Kriegsführung“ fortsetzt.
Aber auch ein Projektbesuch in El Salvador und die Information zur leidvollen Geschichte dieses Landes haben mich sehr beeindruckt.

Was ist das Aufregendste oder Interessanteste, was Ihnen je passiert ist?
Dass ich meinen Mann in sehr jungen Jahren kennen lernte und mit ihm viele Höhen und Tiefen durchlebt habe. Dass wir nach der Totgeburt und einem akuten Herzstillstand bei der Geburt unseres ersten Kindes im 6. Monat den Mut auf weitere Schwangerschaften nicht verloren haben und heute zwei erwachsene gesunde Töchter, vier Enkelkinder mit drei Hunden haben.

Was ist die wichtigste Lektion, die Sie bisher gelernt haben?
Verständnis und Liebe und die Bereitschaft, mich auf Fremdes einzulassen.

Haben Sie Vorbilder?
Martin Luther King, Albert Schweitzer, Geschwister Scholl, Mahatma Gandhi,
und viele starke Frauen, die ich in größter Armut in Nicaragua kennen gelernt habe und die – oft alleinerziehend – ihren Alltag bewältigen müssen.

Was inspiriert Sie?
Mein Glaube und die Hoffnung auf eine Welt, in der Gerechtigkeit, Frieden und Gewaltlosigkeit lebbar werden.

Was macht Sie glücklich?
Dass ich mit meinem Mann ähnliche Visionen lebe und sie mit ihm teilen kann, dass wir uns fair streiten und versöhnen können und dass wir dankbar sein können für unser bisheriges gemeinsames Leben von insgesamt über 50 Jahren.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Alles wirkliche Leben ist Begegnung.
(Martin Buber)

Was ist der Sinn des Lebens?
Mich einzusetzen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung,
damit es mir und allen Lebewesen gut geht.

Marguerite, 36, Berlin

„Schokolade für alle und Weltfrieden“


MARGUERITE

 

Marguerite! Ich folge dir irre gerne auf Twitter. Zum einen, weil du einen großartigen Geschmack hast. Und zum anderen, weil das, was du zu den Themen äußerst, die mich interessieren – Bücher, Kultur, Feminismus… – immer so wunderbar klug und auf den Punkt ist. Wer oder was hat dich und dein Denken am meisten beeinflusst?
Danke für das sehr liebe Kompliment, Melanie!
Am meisten hat mich meine familiäre Umgebung beeinflusst sowie die Regale voller Bücher, die es bei uns zuhause gab. Als Französin in Süddeutschland / Stuttgart aufzuwachsen, hatte für uns viel mit Anderssein, und Doch-dabei-sein-Können zu tun. Das Anderssein manifestierte sich zum Beispiel dadurch, dass meine Eltern beide berufstätig waren und sind und beide gleichermaßen für uns Kinder zuständig und präsent waren. Diese Differenz wurde mir sehr schnell bewusst. Es hat mich auch mit Stolz erfüllt und mich in der Wahl meines Lebensweges stark geprägt. Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist dementsprechend eines, was mich heute immer noch beschäftigt und anspricht.

Du arbeitest in der Buchbranche. Woran arbeitest du gerade?
Ich leite zwei digitale Imprints bei den Ullstein Buchverlagen, die wir im Sommer 2014 aus der Taufe gehoben haben.

Gibt es etwas, wofür du hier gerne und ganz schamlos ein bisschen Werbung machen würdest? Das ist die Gelegenheit!
Oh sehr gerne! Wir freuen uns bei Midnight und Forever (zu finden auf http://midnight.ullstein.de bzw. auf http://forever.ullstein.de; Anm. d. Bloggerin)  – so heißen unsere digitalen Kinder – immer über tolle Autorinnen und Autoren und über viele neue Leser! Wenn ihr also eine Geschichte geschrieben habt und auf der Suche nach einem Verlag seid, immer her damit! und wenn ihr gerne kurzweilige Lektüre für eure E-Reader sucht, seid ihr bei uns auch an der richtigen Stelle!

Was bedeuten dir Bücher?
Bücher sind für mich Zufluchtsorte und Lernstätten. Sie gehören zu meinem täglichen Leben genauso selbstverständlich wie Essen und Trinken.

Welches sind derzeit deine Lieblingsbücher?
In diesem Jahr habe ich so viele tolle Bücher gelesen, die mich lange beschäftigt haben und die ich unbedingt empfehlen möchte: Why be happy when you could be normal, von Jeanette Winterson. Die komplette Kate-Daniels-Serie von Ilona Andrews, alles von Jeaniene Frost; Der geteilte Himmel, Christa Wolf (endlich Christa Wolf gelesen, nachdem ich das großartige Gesprächsbuch ihrer Enkelin Jana Simon gelesen habe!), Americanah von Chimamanda Ngozie Adichie, My Struggle, pt. I von Karl Ove Knausgaard. Außerdem verschlungen habe ich in diesem Jahr sehr viel Courtney Milan und eine Menge Patricia Briggs.

Und deine Alltime Favourites?
Ich bin ein Riesenfan der Serie Desert Island Discs und könnte dir sofort acht Alben und sogar acht Musikstücke nennen, die meine Alltime Favourites sind und mir etwas bedeuten. Bei Büchern finde ich es absolut unmöglich. Ich schummle also mal und nenne dir drei Lieblingsbücher, die ich so oft als Lektüre empfohlen habe, dass sie bestimmt zu Lieblingsbüchern aller Zeiten wurden: The White Album, Joan Didion; Jahrestage, Uwe Johnson und La Douleur von Marguerite Duras.

Welche Kunstformen interessieren dich neben der Literatur?
Vor allem Kunst und Musik. Musik beeindruckt mich immer, weil ich es irre finde, wie Gedanken in einer Sprache ausgedrückt werden können, die ich nicht schreiben, aber dennoch verstehen kann. Mit Kunst beschäftige ich mich leider nicht mehr so oft wie früher, aber einige Kunstwerke sind, wenn ich sie wieder besuche, ein bisschen wie ein Besuch zu Hause.

Du lebst in Berlin. Was magst du an der Stadt – und was so gar nicht?
Berlin ist eine Stadt, in der es viel Platz gibt und in der wir mit unseren drei Kindern auch gut leben können. Ich bin aber auch schon so lange hier – nämlich seit 1998 – dass ich meine, die besten und wildesten Zeiten der Stadt sowieso schon miterlebt zu haben. Was mich an Berlin immer nervt ist, dass es keinen Horizont gibt, den ich aus der Stadt sehen kann. Und dass der Winter grau und dunkel ist. Das wird aber meist mit einem Wahnsinnsfrühling und -sommer wettgemacht!

Was ist das Aufregendste, was dir je passiert ist?
Als ich 2002 meinen Mann kennengelernt habe. Das war so ziemlich das Aufregendste, weil aus dieser Begegnung alles weitere Aufregende passiert ist. Er kommt aus Kanada und wir haben uns bei der Eröffnung der elften Documenta im völlig unwahrscheinlichen Kassel kennengelernt, mit 6000 Menschen um uns herum. Er war für zehn Tage in Europa, ich nur für die Eröffnung in Kassel. Ein totaler Fall von Liebe auf den ersten (wirklich, den allerallerersten!) Blick. Ob es nun Schicksal oder Zufall war, es war aufregend, und das ist es bis heute.

Hast du ein Vorbild?
Diese Frage hat mich nicht losgelassen. Ich habe Vorbilder in meinen Eltern, die ich schon erwähnt habe. Aber als ich darüber nachdachte, fiel mir auf, dass es in Deutschland sehr wenige Vorbilder gibt für Frauen wie mich. Man liest viel über Frauen, die Babys bekommen und im Beruf bleiben oder aus dem Beruf wegbleiben. Über Frauen, die ein bisschen ältere Kinder haben, liest man gar nichts mehr, möglicherweise, weil wir dann irgendwann zu viel zu tun haben, um auch noch darüber zu sprechen? Weil wir andere Kämpfe kämpfen?
Und weil ich so wenige Vorbilder im öffentlichen Leben sehe, habe ich innerlich beschlossen, selber auch Vorbild zu sein, Rat zu geben etc. Soll heißen, ich dränge mich da nicht auf, finde es aber wichtig die Erfahrungen, die ich gemacht und aus denen ich gelernt habe, an Frauen in meinem Alter oder an Jüngere weiter zu geben und Mut zu machen, dass es Wege gibt, um sein Leben so zu gestalten wie es einem wichtig ist.
Wenn du mich nach weiblichen Idolen fragst, dann bin auch ich nicht immun gegen die POW-ness von Beyoncé, die Vorreiterin Madonna, oder der verrückten Weiblichkeit einer Stevie Nicks.

Was inspiriert dich?
Ich esse wahnsinnig gerne. Und ich meine wirklich wahnsinnig. Deswegen sind Kochen und Backen Aktivitäten, die zwar ganz alltäglich sind, die ich aber immer noch sehr gerne und mit Begeisterung mache. Kochen und Backen sind auch zwei Bereiche, in denen ich wirklich gerne inspiriert werde und für die ich mich aktiv interessiere. Meine Kochbuch- und Kochzeitschriftensammlung kann es bezeugen!

Wenn du für einen Tag die Welt beherrschen dürftest, was würdest du anordnen?
Schokolade für alle und Weltfrieden. Beides vereint dann hier: http://www.splendidtable.org/recipes/world-peace-cookies

 

Das Interview führte Melanie Raabe. 

Foto: privat.

Ina, 36, Wiehl

„Musik. Kunst. Wetter. Kinder. Frisuren. Essen. Literatur.“


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Ina! Du kommst aus Wiehl, einer Kleinstadt in NRW. Wie würdest du deine Kindheit und Jugend beschreiben?
Geprägt von Liebe und einem es gut meinenden Umfeld, würde ich sagen. Als Teenie gab’s die besten Möglichkeiten, groß zu werden. Im Sommer Freibad, BMX-Bahn, Skatehalle, im Winter Eishalle und das ganze Jahr über kleine Konzerte auf ehemaligen Schützenvereinshäusern. Vielleicht male ich ein wenig rosarot, aber hier aufzuwachsen war das Beste, was mir passieren konnte. Die Menschen, die ich heute zu meinen besten Freunde zähle, habe ich spätestens 1999 kennen und lieben gelernt, und es ist herrlich und stabil. Ich bin da sehr dankbar für. Menschen und Ereignisse.

Du arbeitest als Grundschullehrerin. Was magst du an deinem Job?
Die Kinder mag ich am meisten. Sie herauszufordern, mit ihnen zu entdecken und überhaupt, die Zeit mit Ihnen zu verbringen, sie beim Lernen zu begleiten, sie sich ausprobieren lassen, sie echt gerne zu haben, die Liste könnte bis ultimo weitergeführt werden. Ich gehe auf in meinem Job, gehe jeden Tag gerne hin und zufrieden nach Hause. Liegt vielleicht auch daran, dass ich in so einem kleinen System arbeite und man tatsächlich alle Schüler gut kennt. Pläne können tatsächlich umgesetzt und Dinge erreicht werden. Eltern, Lehrer arbeiten zusammen.

 

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Du hast zuvor als Kinderkrankenschwester gearbeitet. Wie war das und warum hast du danach noch mal den Job gewechselt?
Mit 19 war mir nicht klar, was ich mal werden sollte. Und ich war auch unreifer als vielleicht der ein oder andere. Hätte man mich mit 19 in die Universität gesetzt, dann hätte ich wahrscheinlich abgebrochen, weil ich dieses „kommste heute nicht, kommste morgen“ zu sehr verinnerlicht hätte.
Tja, ich habe auf meine Eltern gehört, die mir rieten, eine „ordentliche Ausbildung“ anzufangen, bevor ich irgendwas anderes mache. Ich meine, jeder geht seinen Weg und kein Weg ist gereadeaus. Also hab ich anfangs ohne mit dem Herzen dabei zu sein diese Ausbildung angefangen. Was soll ich sagen: Auch in dieser Zeit habe ich zwei bis vier Freunde fürs Leben gefunden. Drei Jahre lang schön behütet in den alten Gemäuern in Kaiserswerth, Toilette und Bad im Flur. Kleinere und größere Events ebenfalls. Einerseits versuchen, sich an Regeln zu halten und dann das eigene Großwerden zusammen mit Menschen, die Ähnliches geliebt und gehasst haben. Man musste nie alleine sein. Man hatte nie Geld (Krankenschwestern – Gebt denen mehr Kohle!), und so lernte ich ganz eindrucksvoll, Sachen zu schätzen. Und wir wurden kreativ. Zum Beispiel habe ich damals meine Wochenendausgaben durch Fußballwetten gerettet. Es war die Zeit, wo man mit den mühsam zurückgelegten Mäusen in den Plattenladen „Hitsville“ ging und unsagbar dankbar war für die eine Platte im Monat, die man sich leisten konnte.
Und dann die Krankenschwesternhierachie: genauso wie du’s dir vorstellst, noch schlimmer. Angeredet wurde man gerne einfach mit „die Schülerin“, und dann konnte der Satz weitergehen mit : „kann das ja machen“. Gerne auch so Zückerchen wie den Namen der Station in alle 250 Strampler sticken, wenn gerade mal nichts zu tun war. Heutzutage würde man sich vielleicht wehren, für mich gehörten diese Erfahrungen zum Großwerden. Ich möchte nicht einen Tag dieser drei Jahre missen! Inspiration. Flucht. Gemeinschaft. Platz. Wertschätzung. Respekt vor dem Leben und der Arbeit. Begegnungen.
Dann bin ich ja auch quasi direkt als ich in Köln war und endlich studiert habe mit meinem ersten Kind schwanger geworden. Den Vater kannte ich natürlich aus dem schönen Oberberg, seit meinem fünfzehnten Lebensjahr, und wir liebten uns, und nach dem ersten Schock gehörte uns die Welt. Wir hatten ja auch nichts zu verlieren, eben weil ich diese Topausbildung ja schon in der Tasche hatte. Und aus diesem Grund war’s dann auch voll gut, die Leute langsam aus der gemeinsamen WG zu schaufeln – natürlich gemeinsame Freunde aus dem schönen Oberberg – und unserer Familie ein Nestchen zu bauen. Und eben weil man nichts zu verlieren hatte, jung und gut drauf war, fluppte das dann alles. Ich wusste mit der Geburt meiner Tochter, was ich will. Beziehungsweise was ich nicht will, beziehungsweise was ich für meine Kinder sein will. Klassisch spießiges Familienidyll. Und das von Herzen.

Du hast mittlerweile zwei wundervolle Töchter. Was bedeutet dir Familie?
Alles. Einfach alles.

Gibt es bestimmte Grundsätze, die dir wichtig sind, nach denen du deine Töchter erziehst?
Keine bewussten. Ich bin für meine Töchter da, ich versuche, ihnen Dinge zu zeigen, die sie vielleicht in irgendeiner Art inspirieren, und ich liebe sie von Herzen!

Musik spielt in deinem Leben eine wichtige Rolle. Wenn du mir heute ein Mixtape machen würdest, was wäre drauf?
Heute. Okay.

Kate Templest: The Truth
Hannah Murray: I Just Want Your Jeans
Eden Abez: Surfrider
Diamond Rings: Runaway Love
Arab Strab: Tanned
Builders & Butchers: The Night Part II
The Kingbotes: Could You Tell Her For Me
Metronomy: Love Letters
Goldene Zitronen: Diese Kleinigkeit
Mystery Jets: One Night
Drowners: Pure Pleasure
Thee Oh Sees: Lens
Von Spar: Chain Of Command
Flight Of The Conchords: I’m Not Crying (My Eyes Are Just A Little Sweaty Today)
Lemonheads: Hate Your Friends
NOFX: For You Yy Heart Is Yearning
Fugazi: Closed Captioned
Ween: Even If You Don’t
Why: Dropjaw
Sleaford Mods: PPO Kissing Behinds
Killers : Joel The Lump Of Coal

Welches sind deine neuen Lieblingsmusiker oder -bands?
Die wunderbare Kate Tempest.

Und welches sind deine alten Lieblingsbands, die immer einen Platz in deinem Herzen haben werden, egal, was passiert?
Ween, They Might Be Giants, Weezer, Depeche Mode, Flight Of The Conchords.

 

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Welches ist das beste Konzert, auf dem du je gewesen bist?
Kann ich nicht sagen. Meine ersten drei Konzerte überhaupt waren A Subtle Plaque, die zufälligerweise zwei mal an den wenigen Abenden gespielt hatten, an denen meine Freundin und ich mit unseren größeren Freunden mit dem Auto nach Köln gefahren sind. Ohne Internet, dafür mit der Visions oder dem EMP-Katalog ausgestattet, war man ja dann auf die Coolheit der Größeren angewiesen, die einen mitnahmen. Aber meine Freundin und ich beziheunsgweise mein Freund und ich hatten immer Highlightkonzerte, oder anders gesagt: Wir haben die zu unseren persönlichen Highlights gemacht, weil wir nie einfach nur ein Konzert besucht haben. Immer erste Reihe und das eigene Fansein zur Show stellen. Muff Potter 1996, Mister T Experience, Undeclinable Ambuscade: Da haben wir zum Beispiel bei dem Song „Seven Years“ die Lyrics vorher auswendig gelernt, weil ein Freund uns erzählte, dass der Sänger immer nach jemandem fragt, der die weibliche Stimme singt. Das machte Konzerte zu besten Konzerten. Ich finde die Verbindung zwischen Künstler und Kunstliebhaber immer am Interessantesten. Und erstaunlich, dass unsere Freunde jetzt die Idole von früher fotografieren (wie Christian Faustus) oder bekochen (wie Julia Meier). Da schließt sich der Kreis. Ich würde nie auf ein Konzert gehen und mir eine Platte kaufen von Künstlern, die mir menschlich unsympathisch wären, oder deren Texte ich nicht mag. Das ist für mich das Wichtigste.

Du reist gerne. Welches war deine bisher schönste Reise?
Ich mag keine Superlative. Schönste Reise gibt’s nicht. Der Weg ist das Ziel.

Mit Malta scheint dich aber eine besondere Liebe zu verbinden, denn du warst schon oft da. Wie kommt’s?
Jetzt wo ich dir das so alles erzähle komme ich selbst erst drauf: Menschen, die einmal in meinem Herz sind, haben wenig Chance, da jemals wieder rauszukommen. Mit 14 war ich auf Sprachreise dort und habe Mark, Ian, James, Alison und Kristina kennengelernt, die alten Malterser, und seitdem besuchen wir uns. Einmal im Jahr sehen wir uns wohl.

Früher hast du in Köln gelebt, mittlerweile bist du wieder auf dem Land daheim. Lebst du gerne auf dem Land?
Mal mehr, mal weniger. Ich mag’s hier. Mich stören nur ein bisschen die vielen Nadelbäume und die Unanonymität auf dem Lande. Ich bin hier, weil meine Familie hier glücklich ist und ein Netzwerk hat. Ich nutze die Natur aber wohl leider nicht so sehr, wie man es könnte. Als ich in Köln gewohnt habe und wieder auf’s Land wollte – zurück in meinen Heimatort – träumte ich von wöchentlichen Walderdbeerpicknicks an Talsperren und vom Eingeschneitwerden. Die Realität ist eine andere. Nicht die schlechteste.

In deinem Heimatort gehörst du zu den Leuten, die sich für das Entstehen eines Skateparks stark gemacht haben. Warum war dir das wichtig und wie ist der Stand der Dinge?
Der soll 2016 stehen. Wichtig, weil ich finde, dass die Stadt nicht nur etwas für die Generation 60 plus tun sollte, sondern auch Angebote für 20 minus bieten muss. Ich finde, Skateboardfahren macht selbstbewusst, und genau solche Kinder und Jugendliche brauchen wir.

 

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Was macht dich glücklich?
Mit den Leuten, die ich liebe, Zeit zu verbringen.

Was inspiriert dich?
Musik. Kunst. Wetter. Kinder. Frisuren. Essen. Literatur.

Was ist der Sinn des Lebens?
Immer weiter gehen. Auf sein Herz hören? Ich weiß es doch auch nicht.

 

Das Interview führte Melanie Raabe.
Alle Fotos: privat.

Alexandra, 31, Mondsee

„Für mich ist Glücklichsein ein Entschluss“

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Alex, du bist ein wahnsinnig aktiver, fleißiger, sportlicher, reiselustiger Mensch – eigentlich immer in Bewegung. Gibt es auch Tage, an denen du auf gar nichts Lust hast und dich aus dem Bett quälst?
Um ehrlich zu sein, gibt es diese Tage eher selten bei mir. Eigentlich kaum. Ich freue mich jeden Morgen darauf, was der Tag so Neues bringen mag.

Wie motivierst du dich an diesen seltenen Tagen trotzdem?
Das Beste ist eine Runde Joggen zu gehen. Das erweckt neue Lebensgeister in mir, und ich fühle mich sofort wieder fit und lebendig.

Deine Familie stammt aus Polen, du bist in Köln geboren und mittlerweile lebst du in der Nähe von Salzburg. Was hat dich nach Österreich verschlagen?
Mein Freund und ich sind aus beruflichen Gründen nach Österreich gegangen. Es war eine der besten Entscheidungen überhaupt, hierher zu ziehen. Wir lieben und genießen das Leben in den Bergen. Natürlich vermisse ich die kölsche, fröhliche Lebensart und auch gute Freunde sowie meine Familie in der Heimat, aber da wir an einem so bezaubernden Fleckchen Erde leben, bekommen wir oft Besuch, was mich immer freut.

Unterscheidet sich das Leben in Österreich sehr von dem in Deutschland? Wenn ja – welches sind die größten Unterschiede?
Ja, es unterscheidet sich schon in einigen Punkten, insbesondere was den Freizeitwert anbetrifft. Ich liebe die Natur, die Berge und Seen und gehe unheimlich gerne wandern, klettern, schwimmen, Stand-up-paddeln, skifahren… Das alles kann ich hier perfekt ausleben. Auch das Wetter ist meist freundlicher und sonniger als in Deutschland. Das schlägt sich sofort auf mein Gemüt aus.

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Du kommst aus einer polnischen Großfamilie mit jeder Menge Onkels, Tanten, Cousins und Cousinen und hast schon allein vier Geschwister. Was bedeutet dir Familie?
Meine Familie bedeutet mir sehr viel. Sie haben mich zu dem gemacht, was ich heute bin, und dafür bin ich Ihnen sehr dankbar. Auch wenn ich viele Kilometer von ihnen entfernt wohne, habe ich doch fast täglich Kontakt zu ihnen und versuche, sie so oft wie möglich zu besuchen.

… Und deine Familie wächst, denn in wenigen Wochen erwartest du dein erstes Kind. Glückwunsch noch mal – das kann ich nicht oft genug sagen! Wolltest du schon immer Kinder?
Ja, unbedingt! Ich liebe Kinder und freue mich wahnsinnig auf meine neue Herausforderung als Mami. Ich bin fest davon überzeugt, dass Kinder einem einen neuen Blickwinkel im Leben zeigen und man selber wieder die Welt mit Kinderaugen sieht.

Was macht für dich eine gute Mutter aus?
Dem Kind Liebe, Fürsorge, Vertrauen und Zeit zu schenken. Für mich ist eine gute Mutter eine glückliche Mutter, die auch auf ihre eigenen Bedürfnisse Rücksicht nimmt und sich ihre Freiräume gestaltet. Somit überträgt sich das Glück der Mutter automatisch auf das Kind.

Lass uns über die Liebe reden! Du bist schon seit Schulzeiten mit deinem Freund zusammen. Was, glaubst du, ist das Geheimnis einer funktionierenden Beziehung?
Wir haben viele Gemeinsamkeiten, üben zusammen unsere sportlichen Hobbies aus, die uns sehr viel Spaß bereiten, lieben das Reisen und können über dieselben Sachen lachen. Ich glaube, dass gemeinsame Erlebnisse und Aktivitäten sehr zusammenschweißen. Es ist aber auch wichtig, dem Partner seine eigenen Freiheiten zu lassen und ihn nicht einzuengen. Gott sei Dank können wir das beide sehr gut. Über die vielen Jahre hat sich bei uns ein tiefes Vertrauen und eine Verbundenheit entwickelt, die wir sehr zu schätzen wissen. Wir beide wissen, dass wir immer für einander da sind, und das ist eigentlich das Schönste aller Gefühle.

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Als reiselustige Person bist du oft und gerne unterwegs. Welches ist der schönste Ort, an dem du jemals warst?
Schwer zu sagen, da gibt es einige. Aber ich liebe Australien, insbesondere die Ostküste. Byron Bay war für mich „The place to be!“ Aber auch Mauritius ist ein besonders hübsches Fleckchen Erde mit sehr freundlichen Menschen. Ich finde das Zitat von Mark Twain sagt alles über die Insel aus: „You gather the idea that Mauritius was made first and then heaven, and that heaven was copied after Mauritius“.

Du bist Kitesurferin. Was ist dein Lieblingsspot zum Surfen?
Le Morne, Mauritius. Traumhaft türkis-blaues Wasser, den Berg Brabant als Kulisse, große Flachwasser-Lagune und Welle. Alles was das Herz begehrt. Ich liebe diesen Spot.

Was ist das Verrückteste oder Lustigste, was dir je auf Reisen passiert ist?
Wir saßen eine ganze Woche lang mit unserem Camping-Bus in Airlie Beach (Queensland/Australien) fest, da es ununterbrochen geregnet hat und alle Straßen überflutet und gesperrt waren. Ich hatte die lustigste Woche meines Lebens. Wir haben super coole Leute kennengelernt, waren ständig von Kopf bis Fuß triefnaß, haben Tränen gelacht und eine ganze Woche lang nur Party gemacht. Bei unserem Segelausflug auf die Whitsunday Islands sind wir dann noch in die Ausläufe eines Taifuns geraten – die komplette Besatzung war drei Tage lang seekrank, hat das mit viel Alkohol wieder wett gemacht, und die ganze Zeit sind Schwärme von Haien um uns herum gekreist. Das alles war schon ein wenig verrückt.

Du bist einer der positivsten Menschen, die ich kenne. Wie schaffst du das nur, immer so positiv zu bleiben – ganz egal, was passiert?
Vielen Dank für das Kompliment. Das freut mich zu hören. Eine positive Lebenseinstellung ist meines Erachtens das Wichtigste im Leben. Für mich ist Glücklichsein ein Entschluss. Das Leben ist viel zu kurz und viel zu wertvoll, um sich von den negativen Dingen im Leben herunterziehen zu lassen. Außerdem gehören auch weniger schöne Momente im Leben einfach dazu, umso mehr weiß man danach zu schätzen, wie gut es einem geht und wie glücklich und dankbar man sein muss. Insbesondere aber mein tiefer und unerschütterlicher Glaube an Gott gibt mir in allen Lebenssituationen Liebe, Kraft, Halt und Zuversicht.

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Hast du Vorbilder?
Das ist eine gute Frage. Vorbilder in dem Sinne habe ich nicht. Mich inspirieren einfach positive Menschen, die das Beste aus ihrem Leben herausholen und glücklich sind, unabhängig davon wie wenig sie haben oder welche Schicksalsschläge sie erleiden mussten.

Hast du ein Lebensmotto?
„Rise up, start fresh, see the bright opportunity in each new day!“

Das Interview führte Melanie Raabe. Be friendly! Meet me at http://www.facebook.com/mademoiselleraabe. Ganze Biographien von mir gibt’s auf http://www.geschenkbuch-deluxe.de.

Alle Fotos: privat