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Leander, 33, Berlin
„Wir sind alle Glückskinder der Geschichte.„
Leander, du hältst unglaublich viele Bälle gleichzeitig in der Luft. Du bist Blogger, Berater, Vortragsredner, seit vergangenem Jahr Dozent an der Universität der Künste in Berlin und zeichnest für viele spannende Projekte innerhalb der Buchbranche verantwortlich. So viele, dass ich sie hier gar nicht alle aufzählen kann. Was antwortest du auf die Cocktailpartyfrage: „Und, was machen Sie so?“
Seit diesem Jahr sage ich, dass ich Gründer von Orbanism bin. Dort wollen meine Mitgründerin Christiane Frohmann und ich die sich abzeichnende Contentbranche der Zukunft bereits heute abbilden und befördern. Bei Orbanism bringen wir all unsere Tätigkeiten, Projekte und Netzwerke gemeinsam ein und bündeln sie. Als erstes neues Veranstaltungsformat läuft jetzt das vom Hauptstadtkulturfonds geförderte Remix-Festival „Falling in Love“. Hier bekommt ihr schon einen guten Eindruck, worum es geht: https://twitter.com/hashtag/fil15
Auf welches deiner vielen Projekte bist du besonders stolz?
Da kann ich eigentlich keines besonders hervorheben. Stolz bin ich wenn dann darauf, dass ich seit dem Studienende vor acht Jahren erfolgreich selbstständig bin und mich dabei auch immer wieder neu erfunden habe. Mir gibt jedes der Projekte wie „Ich mach was mit Büchern“, #pubnpub und der Virenschleuder-Preis unendlich viel, weil es Formate sind, die Menschen zusammenführen und dadurch Neues und Gutes entstehen lassen. Denn die Zukunft können wir nur gemeinsam gestalten. Das zu initiieren, voranzutreiben und dann zu beobachten, ist das Schönste für mich.
Bei so viel Arbeit – ist dein Smartphone jemals aus?
Warum sollte es aus sein? Ich nutze mein Smartphone auch privat gern. Diese Trennungen zwischen beruflich und privat sowie zwischen online und offline sind mir zunehmend fremd. Ich genieße den Luxus, immer mit anderen Menschen verbunden zu sein, aber selten unmittelbar erreichbar sein zu müssen, wie das bei vielen Leuten der Fall ist, die gern ihr Smartphone demonstrativ ausschalten. Bei mir kommt es eher vor, dass ich es einfach vergesse, wenn ich mit Leuten zusammen bin und etwas erlebe. Während der re:publica habe ich glaube ich wieder nur fünfmal getwittert, weil ständig was los war. Es geht darum, das in dem Moment Wertvolle zu wertschätzen und das Digitale einzusetzen, wo es dieses bereichern kann.
Was machst du, wenn du nicht arbeitest?
Das, was ich mache, wenn ich nicht arbeite, mache ich nicht selten kurz darauf zu meinem Beruf. Das ist ja der Witz bei der Sache, wenn man seinen Job selbst erfindet. Diese Möglichkeit haben wir heute alle. Schon in der Schule habe ich gern meine Banknachbarn vollgequatscht mit irgendwelchen Dingen, die mich interessierten. Nichts anderes tue ich heute als Blogger. Als Kind habe ich mir gern Spielwelten ausgedacht. Nichts anderes tue ich heute mit meinen Veranstaltungsformaten. Unabhängig davon habe ich ganz normale Interessen von Fußball (Werder Bremen) bis hin zur Geschichte, die ich liebe. Zudem bietet Berlin meinem Entdecker-Gen reiches Futter.
Wo bist du aufgewachsen (und wie war das so)?
Ich bin in Greifswald an der Ostsee aufgewachsen – unterbrochen von einem Jahr an der High School in Montana (USA). Dort groß zu werden, war eigentlich ganz ideal, weil Greifswald mit ca. 50.000 Einwohnern eine überschaubare Größe hat, aber dank der Uni und den ca. 10.000 Studenten dennoch eine Menge los ist. Dass die großen Städte Berlin und Hamburg so weit weg sind führt dazu, dass vor Ort eine Menge unabhängiges Leben entsteht. Zudem ist die Ecke landschaftlich sehr schön. Die letzten fünf Schuljahre bin ich beispielsweise nie rechtzeitig zur Zeugnisübergabe gekommen, weil wir die Nacht vorher immer grillend und badend am Strand verbracht haben und dann morgens mit dem Rad zurück in Stadt gehetzt sind. Sowas geht dort gut und sorgt für Freiheitsgefühl.
Nun lebst du in Berlin. Was magst du an der Stadt und was weniger?
Ich mag an Berlin, dass die Stadt unfertig ist. Ich habe schon in diversen Städten wie Köln, Stuttgart und Frankfurt gelebt. Mein Herz schlägt aber eher für Städte wie Leipzig und Berlin, wo die Dinge nicht so saturiert, sondern stark im Umbruch sind. Da ergeben sich umso mehr Gestaltungsräume. Genau deshalb mag ich ja auch das Internet, weil es sich mitgestalten lässt und davon lebt. In Berlin passt das sehr gut zusammen und bei Orbanism werden wir genau diesen Raum zwischen Urbanität und Globalität weiter mit Leben füllen.
Du bist vor allem in der Buch- und Publishingbranche tätig. Wie bist du mit der Branche in Kontakt geraten?
Mein Großvater war Buchhändler alter Schule und wenn ich ihn besuchte, gab es immer ein Begrüßungsbuch mit Widmung aus dem Rosinenschrank. Er erzählte mir auch immer viel über die Struktur des Buchmarktes und die Buchwelt im Allgemeinen. So wurde mein Interesse geweckt. Das führte dann zum Verlagswirtschaftsstudium in Leipzig und von dort aus ging es direkt weiter in die Selbstständigkeit. Erst nur als Berater – man muss ja Geld verdienen –, wenig später auch als Blogger, dann mit eigenen Projekten, Lehraufträgen, Vorträgen, Veranstaltungen etc.
Bist du auch selbst ein „Bücherwurm“? Was liest du?
Ich lese vor allem Sachbücher, alles mit Geschichtsbezug und im Bereich der Literatur gern die Klassiker. Meine besondere Liebe gilt dabei Theodor Fontane …
… als ich auf deiner Homepage gestöbert habe, ist mir bereits aufgefallen, dass du Vorstandsmitglied der Theodor-Fontane-Gesellschaft bist. Wie kommt’s, dass du dich dort engagierst? Was fasziniert dich an Fontane?
Ich engagiere mich seit 2010 im Vorstand der Gesellschaft mit ihren über 1.000 Mitgliedern. Grundsätzlich sollte sich jeder irgendwo ehrenamtlich einbringen. Das mal als Erstes. Speziell bei Fontane finde ich sowohl sein Werk als auch sein Leben faszinierend. Wer seine Romane und Erzählungen liest, liest nicht nur große Literatur, sondern lernt auch sehr viel Zeitloses über Menschen, Gesellschaften und über die deutsche und europäische Geschichte. Dann gibt es da noch das Briefwerk, die Wanderungen, die autobiographischen Werke und vieles mehr. Das Gesellschaftsleben ist ebenso horizonterweiternd, weil es sowohl im Osten als auch im Westen eine intensive Fontane-Rezeption gab. Nach der Wende kam das alles in der Gesellschaft zusammen und mischt sich seitdem munter. Zudem geht es da nicht so elitär zu wie in anderen großen Literaturgesellschaften. Bei uns sitzt der Germanistik-Professor neben dem gelegentlichen Hobbyleser, weil Fontane die unterschiedlichsten Leute anzieht und begeistert. Das spiegelt sich wieder in den zahlreichen Städte-Sektionen und -Freundeskreisen, wo ständig Vortragsveranstaltungen zu den unterschiedlichsten Themen laufen.
Was inspiriert dich?
Ich liebe Freaks. Ich beobachte sie gern und ich verbringe gern Zeit mit ihnen. Da tun sich immer wieder fremde Welten auf und man lernt unendlich viel.
Was treibt dich an?
Eine Mischung aus Neugier und dem Bewusstsein, dass man im Leben öde Sachen machen muss, wenn man sich nicht vorab kümmert. Daneben treibt mich vor allem die Möglichkeit an, einen so krassen Wandel wie den durch das Internet und die Digitalisierung mitgestalten zu können. Wir sind alle Glückskinder der Geschichte.
Was wünschst du dir für die Zukunft?
Nichts. Geschenke nehme ich aber dankbar entgegen.
Wie definierst du Erfolg?
Erfolg ist das Erreichen selbstgesteckter Ziele. Das kann alles Mögliche sein und ist immer subjektiv. Ein zufriedener Eisverkäufer ist für mich erfolgreicher als ein unzufriedener Topbanker.
Was macht dich glücklich?
Es gibt ja dieses schöne chinesische Sprichwort:
„Willst du einen Tag lang glücklich sein, betrinke dich!
Willst du eine Woche lang glücklich sein, schlachte ein Schwein!
Willst du ein Jahr lang glücklich sein, heirate!
Willst du ein Leben lang glücklich sein, werde Gärtner!“
Für mich ist das, was ich mit meinen Projekten mache, wie gärtnern. Man pflanzt, es wächst heran und gedeiht, alles beeinflusst und befruchtet sich gegenseitig und am Ende blühen Menschen und Beziehungen auf. Das trägt ein großes Befriedigungspotenzial in sich. Allerdings möchte ich auch die anderen Dinge nie missen müssen.
Was ärgert dich maßlos?
Ungerechtigkeit, Schubladendenken, Intoleranz und unnötiges Alpha-Männchen-Gehabe. Menschen sollten Menschen lassen, wie sie sind, und sie stärker und nicht kleiner machen. Jeder für sich muss schon genug mit dem Leben kämpfen.
Hast du Vorbilder? Helden?
Helden habe ich keine. Das hat für mich etwas mit Überhöhung und Verklärung zu tun. Vorbilder sind für mich Menschen, die den Weg zu sich gefunden haben und damit bei allem, was sie tun, ein Original sind. Menschen, die wahrhaftig ihr Ding machen. Neben Kindern dürfte das der größte Glücksspender sein, wenn wir mit 80 zurückblicken und sagen können, dass wir ein uns gemäßes Leben gelebt haben.
Hast du ein Lieblingszitat oder gar ein Lebensmotto?
„So it goes.“ Vonnegut
Mehr Leander gibt es hier:
Website: http://orbanism.com
Website: http://leanderwattig.com
Facebook: https://www.facebook.com/leanderwattig
Twitter: https://twitter.com/leanderwattig
Snapchat: @leanderwattig
Das Interview führte Melanie Raabe.
Foto: Sebastian Mayer.
Marguerite, 36, Berlin
„Schokolade für alle und Weltfrieden“
Marguerite! Ich folge dir irre gerne auf Twitter. Zum einen, weil du einen großartigen Geschmack hast. Und zum anderen, weil das, was du zu den Themen äußerst, die mich interessieren – Bücher, Kultur, Feminismus… – immer so wunderbar klug und auf den Punkt ist. Wer oder was hat dich und dein Denken am meisten beeinflusst?
Danke für das sehr liebe Kompliment, Melanie!
Am meisten hat mich meine familiäre Umgebung beeinflusst sowie die Regale voller Bücher, die es bei uns zuhause gab. Als Französin in Süddeutschland / Stuttgart aufzuwachsen, hatte für uns viel mit Anderssein, und Doch-dabei-sein-Können zu tun. Das Anderssein manifestierte sich zum Beispiel dadurch, dass meine Eltern beide berufstätig waren und sind und beide gleichermaßen für uns Kinder zuständig und präsent waren. Diese Differenz wurde mir sehr schnell bewusst. Es hat mich auch mit Stolz erfüllt und mich in der Wahl meines Lebensweges stark geprägt. Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist dementsprechend eines, was mich heute immer noch beschäftigt und anspricht.
Du arbeitest in der Buchbranche. Woran arbeitest du gerade?
Ich leite zwei digitale Imprints bei den Ullstein Buchverlagen, die wir im Sommer 2014 aus der Taufe gehoben haben.
Gibt es etwas, wofür du hier gerne und ganz schamlos ein bisschen Werbung machen würdest? Das ist die Gelegenheit!
Oh sehr gerne! Wir freuen uns bei Midnight und Forever (zu finden auf http://midnight.ullstein.de bzw. auf http://forever.ullstein.de; Anm. d. Bloggerin) – so heißen unsere digitalen Kinder – immer über tolle Autorinnen und Autoren und über viele neue Leser! Wenn ihr also eine Geschichte geschrieben habt und auf der Suche nach einem Verlag seid, immer her damit! und wenn ihr gerne kurzweilige Lektüre für eure E-Reader sucht, seid ihr bei uns auch an der richtigen Stelle!
Was bedeuten dir Bücher?
Bücher sind für mich Zufluchtsorte und Lernstätten. Sie gehören zu meinem täglichen Leben genauso selbstverständlich wie Essen und Trinken.
Welches sind derzeit deine Lieblingsbücher?
In diesem Jahr habe ich so viele tolle Bücher gelesen, die mich lange beschäftigt haben und die ich unbedingt empfehlen möchte: Why be happy when you could be normal, von Jeanette Winterson. Die komplette Kate-Daniels-Serie von Ilona Andrews, alles von Jeaniene Frost; Der geteilte Himmel, Christa Wolf (endlich Christa Wolf gelesen, nachdem ich das großartige Gesprächsbuch ihrer Enkelin Jana Simon gelesen habe!), Americanah von Chimamanda Ngozie Adichie, My Struggle, pt. I von Karl Ove Knausgaard. Außerdem verschlungen habe ich in diesem Jahr sehr viel Courtney Milan und eine Menge Patricia Briggs.
Und deine Alltime Favourites?
Ich bin ein Riesenfan der Serie Desert Island Discs und könnte dir sofort acht Alben und sogar acht Musikstücke nennen, die meine Alltime Favourites sind und mir etwas bedeuten. Bei Büchern finde ich es absolut unmöglich. Ich schummle also mal und nenne dir drei Lieblingsbücher, die ich so oft als Lektüre empfohlen habe, dass sie bestimmt zu Lieblingsbüchern aller Zeiten wurden: The White Album, Joan Didion; Jahrestage, Uwe Johnson und La Douleur von Marguerite Duras.
Welche Kunstformen interessieren dich neben der Literatur?
Vor allem Kunst und Musik. Musik beeindruckt mich immer, weil ich es irre finde, wie Gedanken in einer Sprache ausgedrückt werden können, die ich nicht schreiben, aber dennoch verstehen kann. Mit Kunst beschäftige ich mich leider nicht mehr so oft wie früher, aber einige Kunstwerke sind, wenn ich sie wieder besuche, ein bisschen wie ein Besuch zu Hause.
Du lebst in Berlin. Was magst du an der Stadt – und was so gar nicht?
Berlin ist eine Stadt, in der es viel Platz gibt und in der wir mit unseren drei Kindern auch gut leben können. Ich bin aber auch schon so lange hier – nämlich seit 1998 – dass ich meine, die besten und wildesten Zeiten der Stadt sowieso schon miterlebt zu haben. Was mich an Berlin immer nervt ist, dass es keinen Horizont gibt, den ich aus der Stadt sehen kann. Und dass der Winter grau und dunkel ist. Das wird aber meist mit einem Wahnsinnsfrühling und -sommer wettgemacht!
Was ist das Aufregendste, was dir je passiert ist?
Als ich 2002 meinen Mann kennengelernt habe. Das war so ziemlich das Aufregendste, weil aus dieser Begegnung alles weitere Aufregende passiert ist. Er kommt aus Kanada und wir haben uns bei der Eröffnung der elften Documenta im völlig unwahrscheinlichen Kassel kennengelernt, mit 6000 Menschen um uns herum. Er war für zehn Tage in Europa, ich nur für die Eröffnung in Kassel. Ein totaler Fall von Liebe auf den ersten (wirklich, den allerallerersten!) Blick. Ob es nun Schicksal oder Zufall war, es war aufregend, und das ist es bis heute.
Hast du ein Vorbild?
Diese Frage hat mich nicht losgelassen. Ich habe Vorbilder in meinen Eltern, die ich schon erwähnt habe. Aber als ich darüber nachdachte, fiel mir auf, dass es in Deutschland sehr wenige Vorbilder gibt für Frauen wie mich. Man liest viel über Frauen, die Babys bekommen und im Beruf bleiben oder aus dem Beruf wegbleiben. Über Frauen, die ein bisschen ältere Kinder haben, liest man gar nichts mehr, möglicherweise, weil wir dann irgendwann zu viel zu tun haben, um auch noch darüber zu sprechen? Weil wir andere Kämpfe kämpfen?
Und weil ich so wenige Vorbilder im öffentlichen Leben sehe, habe ich innerlich beschlossen, selber auch Vorbild zu sein, Rat zu geben etc. Soll heißen, ich dränge mich da nicht auf, finde es aber wichtig die Erfahrungen, die ich gemacht und aus denen ich gelernt habe, an Frauen in meinem Alter oder an Jüngere weiter zu geben und Mut zu machen, dass es Wege gibt, um sein Leben so zu gestalten wie es einem wichtig ist.
Wenn du mich nach weiblichen Idolen fragst, dann bin auch ich nicht immun gegen die POW-ness von Beyoncé, die Vorreiterin Madonna, oder der verrückten Weiblichkeit einer Stevie Nicks.
Was inspiriert dich?
Ich esse wahnsinnig gerne. Und ich meine wirklich wahnsinnig. Deswegen sind Kochen und Backen Aktivitäten, die zwar ganz alltäglich sind, die ich aber immer noch sehr gerne und mit Begeisterung mache. Kochen und Backen sind auch zwei Bereiche, in denen ich wirklich gerne inspiriert werde und für die ich mich aktiv interessiere. Meine Kochbuch- und Kochzeitschriftensammlung kann es bezeugen!
Wenn du für einen Tag die Welt beherrschen dürftest, was würdest du anordnen?
Schokolade für alle und Weltfrieden. Beides vereint dann hier: http://www.splendidtable.org/recipes/world-peace-cookies
Das Interview führte Melanie Raabe.
Foto: privat.
Pasquale Virginie, 36, Berlin
„It’s O.K. You can breathe. The change happens by itself.“
Liebe Pasquale! Was machst du beruflich?
Gerade habe ich eine Entscheidung hinter mir: Ich habe entschieden, nach zwei intensiven Jahren Ausbildung zur Praktikerin der Grinberg-Methode mit eben dieser zu pausieren. Ich liebe Entscheidungen! Diese hier gibt mir gerade viel neuen Freiraum nachzufühlen, was ich eigentlich noch so liebe im Leben, außer Menschen zu berühren! Oder anders: mich wieder darauf zu besinnen, wie ich Menschen – außer mit meinen Händen – noch berühren kann, um sie dabei zu unterstützen, ihr Leben zu verändern. Seit 2008 bin ich als Beraterin und Trainerin der politischen Bildungsarbeit tätig, freiberuflich und im gesamten Bundesgebiet. Ich werde von Migrant_innenselbstorganisationen, Universitäten, Stiftungen und politischen Initiativen angefragt, Trainings und Workshops zu den Themen machtkritische Diversity, Empowerment für Menschen mit Rassismuserfahrung und Antidiskriminierung zu geben. Manchmal moderiere ich auch Veranstaltungen und Fachgespräche oder werde für Mediationen angefragt, in denen die Konfliktparteien sich eine rassismus-sensible Begleitung wünschen. In all diesen Bereichen versuche ich, Lernprozesse so ganzheitlich wie möglich zu gestalten. Also methodisch so zu arbeiten, dass der Körper ein selbstverständlicher Teil von Lern- und Transformationsprozessen ist. Denn Diskriminierungformen wie Rassismus oder Sexismus machen sich ja am Körper fest! Gesellschaftliche Vielfalt und daran gekoppelte Diskriminierungerfahrungen sind im Körper eingeschrieben, geschaffene Machtgefälle, konstruierte Unterschiede und Gewalt werden körperlich performiert. Da erscheint es mir absurd, individuelle und gesellschaftliche Transformation ausschließlich mit intellektuellen Analysen, kopflastiger Reflexion und vielen schlauen Worten erreichen zu wollen. Und dann: Ich schreibe. Ja, ich liebe das Schreiben, und ich will mehr davon in meinem Leben haben.
Wo und wie bist du aufgewachsen? Hattest du eine glückliche Kindheit?
„Eine glückliche Kindheit“? Das klingt in meinen Ohren fast schon kitschig. Nun, ich habe viele einzelne Erinnerungen an schöne Momente in meiner Kindheit. Der Rest verschwimmt. Prägend war, dass ich alleine mit einer schwer depressiven Mutter aufgewachsen bin. Also mit einem Menschen, der zwar nicht suizidgefährdet war, jedoch meistens mit der Intensität des Lebens überfordert war. Daher kommt es wahrscheinlich, dass ich mich im Laufe des Aufwachsens immer wieder bewusst für das Leben entschieden habe und es auch heute immer wieder muss! Das Wien der 80er und 90er Jahre war – naja – von beschaulich, idyllisch über geleckt, verstaubt bis morbid und rassistisch.
Wie warst du als Teenager?
Die längste Zeit ein „Fliegengewicht“ das „von Liebe und frischer Luft“ lebt, mit „Bienenstichen statt Brüsten“ – wurde mir öfter mal gesagt. In Wirklichkeit war ich als Teenager im Wesentlichen damit beschäftigt, mich von meiner Mutter abzugrenzen, fröhlich zu sein, auch wenn ich es gar nicht war, zwischendurch von zu Hause abzuhauen, unglücklich verliebt zu sein, mit meiner besten Freundin eng umschlungen in der Klasse zu sitzen, unglaublich viel Gummizeugs zu essen, auf den Flohmärkten die schicksten Teile aus den Klamottenhaufen zu fischen – und solche Dinge halt. Irgendwann wollte ich Gogo-Tänzerin werden, weil ich in den Gogo-Tänzer vom Club P1 in Wien verknallt war. Doch Vater – den ich mit 13 kennengelernt hatte – ist ausgerastet und hat es mir verboten. Und weil ich so froh war, dass mein Vater überhaupt – auch wenn mit Verboten – irgendwie in Erscheinung trat, hab ich es gelassen.
Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Ich schlafe gerne lang. Das heißt, wenn ich nicht gerade um 8 Uhr einen Zug nach München oder Köln nehmen muss, geht vor 9 bei mir gar nichts. Meine Woche ist in der Regel strukturiert durch ausgedehnte Rumdaddelphasen, die ich oft mit „Freizeit“ verwechsle und im Internet verbringe, und Arbeitsphasen, in denen ich irgendeiner Frist hinterherjage um eine Zusage zu erfüllen, die ich irgendwann mal gemacht habe. Oder ich schreibe Mails, in denen es darum geht, wann ich die gemachte Zusage erfüllen kann. Oder To-Do-Listen mit Namen, wen ich alles an- oder zurückrufen muss. In den Rumdaddelphasen gehe ich auch mit Freundinnen oder Freunden im Kiez Mittagessen, ’ne Runde um den Block und Café trinken. Dann habe ich mehrmals in der Woche Skype- oder Face-to-face-Besprechungen, in denen ich mich mit meinen diversen Kolleginnen und Kollegen kurzschließe, wir Anfragen, Trainingskonzepte oder Organisatorisches besprechen. Am Abend bin ich entweder mit Freundinnen und Freunden oder meinem Partner unterwegs oder genieße es sehr, gerade nicht unterwegs zu sein und alleine zu sein. Und irgendwann ab 23 Uhr schlagen die Fristen in meinem Kopf Alarm, ich werde produktiv, haue in die Tasten, habe die besten Ideen, bin fürchterlich inspiriert und denke intensiv darüber nach, dass und wie ich am nächsten Tag mein Leben ändern werde. Donnerstag oder Freitag geht es dann los nach Bremen, Stuttgart, München, Köln oder wo auch immer das Training stattfindet, am Sonntagabend oder am Montag geht es zurück nach Berlin, und ich versuche, einen Tag frei zu nehmen, was dann meisten rumdaddeln heißt. In den letzten zwei Jahren war ich in der Ausbildung zur Grinberg-Praktikerin, das ist eine Methode der Körperarbeit. Da waren meine Tage durch Einzelsitzungen mit Klientinnen und Klienten strukturiert, jeweils einen ganzen Vormittag oder Nachmittag, das hat mir echt gut getan. Doch ich habe vor Kurzem entschieden mit der Ausbildung zu pausieren, also wird sich mein Arbeitsalltag jetzt wohl wieder neu strukturieren.
Was liebst du an deinem Job? Und gibt es auch etwas, das dich frustriert?
Ich liebe es, Menschen zu berühren. Ich liebe es, dass ich, so wie ich bin, Räume schaffen und begleiten kann, in denen Menschen Neues über sich und die Welt erfahren, in denen sie es wagen, sich zu zeigen und Lust bekommen, sich von in Körper und Geist gespeichertem rassistischen Wissen zu befreien. Ich liebe es, mitbekommen zu dürfen, wie sich Menschen, Gedanken, Ideen, Sichtweisen, Erfahrungen etc. transformieren, wie Menschen „werden“ wenn sie sich dafür öffnen, etwas Neues zu denken, zu erleben und zu fühlen. Was mich in den letzten Jahren eher frustriert hat, ist das Gefühl, meinen Freundinnen und Freunden in Berlin nicht meine Wertschätzung zeigen zu können, weil ich einfach so viel unterwegs bin. Ich habe das Gefühl, nicht wirklich für sie da sein zu können. Da ich überwiegend am Wochenende Trainings habe, verpasse ich die meisten Geburtstage, Ausstellungseröffnungen, Lesungen, Parties und sonstige Aktivitäten. Doch vielleicht irre ich mich. Ich könnte ja mal meine Freundinnen und Freunde fragen, ob sie das auch so erleben. Und das Reisen strengt mich auch an, das soll anders werden. Es geht also eher um die Rahmenbedingungen meines Jobs, inhaltlich und atmosphärisch erlebe ich meine Arbeit als das Gegenteil von Frust.
Alle Menschen, die tiefe Widersprüche in sich tragen und schwere Krisen überleben. Meine Mutter mit ihrer Todessehnsucht und ihrer Lebendigkeit. Mein Vater mit seinen Träumen und seinen Misserfolgen. Menschen, die sich treu bleiben und es dennoch – oder genau deshalb? – wagen, heute „hü“ und morgen „hott“ zu sagen. Einfach weil sie eine neue Entscheidung für sich als richtig erkannt haben. Menschen, die andere Menschen berühren – wie meine ehemaligen Grinberg-Lehrerinnen Nadine Débetaz oder Vered Menasse. Menschen die kämpfen – wie viele Schwarze politische Aktivist_innen und Aktivist_innen of Color – und Menschen, die Liebe schenken und Frieden stiften – wie die kürzlich verstorbene Fotografin Nzitu Mawhaka. Menschen die sagen „I don’t give a fuck“ und etwas erschaffen.
Was machst du am Liebsten, wenn du nicht arbeitest?
Schreiben, lesen und schmusen.
Hast du ein Lieblingsbuch?
Uff, wo anfangen? Gut, ganz pragmatisch beantwortet: vor Kurzem habe ich „Winifred Wagner: oder Hilters Bayreuth“ von Brigitte Hamann zu Ende gelesen. Der 600 Seiten lange Wälzer hat mich ganz schön in seinen Bann gezogen. Ein Detail: die erste Schwarze Sängerin, die auf dem Festspielhügel sang, war 1961 die Sopranistin Grace Bumbry! Sie sang die Venus im Tannhäuser (ich glaub‘, nachher hätte sie gut ein Empowerment-Coaching brauchen können), und das Engagement führte immerhin zu ihrem internationalen Durchbruch. In diesem Jahr liebe ich es, in die Lebens- und Schaffensgeschichten von realen Menschen aus der Vergangenheit einzutauchen. Ich habe den Eindruck, dann die Vergangenheit besser zu verstehen, somit auch die Gegenwart und letzten Endes auch mich. In diesem Jahr waren das unter anderem die Geschichten von Delia Zamudio Palacio, einer Schwarzen Feministin und Gewerkschafterin in Peru, von der fast vergessenen Tänzerin des Berlins der 20er Jahre, Anita Berber, der wichtigsten deutschen Solistin des Modernen Tanzes, Dore Hoyer, oder Albert Speers Sicht der Dinge in seinen „Erinnerungen“. Oh und generell alles von Wolf Haas.
Hast du einen Lieblingsfilm?
Das kann ich gar nicht sagen. Obwohl, „West Side Story“ von 1961 und „A Chorus Line“ von 1985 sind schon ziemlich schick. Doch ich kann dir sagen, welche zwei Filme mich richtig kalt erwischt haben. Also tagelang begleitet haben. Das war einmal „I am Love“ mit der wunderbaren Tilda Swinton (wenn du mich fragen würdest: „Wenn Du für einen Tag wie jemand anderer aussehen könntest, wer wäre das?“, es wäre Tilda Swinton). Ich war zerstört nach dem Film. Und dann „Into the Wild“. Der war auch krass. Generell geht es mir so, dass ich mir sowohl Bücher als auch Filme und Musik nur gefühlsmäßig merke. Also nicht korrekt oder komplett, sondern in Bruchstücken. Abhängig davon, was mich berührt. Und diese beiden Geschichten, die Entscheidungen, die die Protagonistinnen und Protagonisten treffen und die Konsequenzen, die daraus folgen, sind mir wirklich durch Mark und Bein gegangen. In beiden Geschichten entscheiden sich Menschen für die Freiheit – oder das was sich für sie danach anfühlt – und ernten den Tod. Brrrr.
Welche Musik läuft bei dir rauf und runter?
„Rauf und runter“ ist gut gefragt, denn tatsächlich höre ich Musik so. Ich habe erst in den letzten Jahren gelernt, Musik ausgiebig und wirklich bewusst zu hören, also mich tief davon berühren zu lassen. Wenn sie mir gerade gut tut, kann die schon mal stundenlang auf Repeat laufen. Im Moment zum Beispiel läuft seit Stunden die Kora-Musik von Toumani Diabaté, abwechselnd mit einem Mix von Chefket. Lauryn Hills Unplugged-Album schickt mich immer an einen guten Ort. Und der letzte Song „The Conquering Lion“ bläst mich jedes Mal weg: „The conquering lion, Shall break every chain, The conquering lion, Shall break every chain, Give him the victory, Again and again and again and again, Give him the victory, Ohh.“ Ansonsten Edith Piaf oder Letta Mbulu oder Ahmet Aslan oder die geniale Tsegué-Maryam Guébrou oder Lizz Wright oder Fetsum oder Gonzales oder oder oder.
Welches ist die wichtigste Lektion, die du bisher gelernt hast im Leben?
„Stop worrying.“
Was ist das Interessanteste, was dir jemals passiert ist?
Dass das das Erste war, was meine Grinberg-Lehrerin zu mir gesagt hat. Und die Faszination darüber, was echte Aufmerksamkeit in der Lage ist, zu bewirken. Deine Wahrnehmung erweitert sich auf eine Weise, die nahezu magisch ist.
Welches ist dein liebstes Zitat?
Ich hab‘ mal einen Urban Aufkleber entdeckt mit den Worten: „It’s O.K. You can breathe. The change happens by itself.“ Ich liebe es.
Was inspiriert dich?
Menschen und ihre Taten. Der Mond. Mein Körper. Tanz.
Was macht dich glücklich?
Wenn ich mich so sehr berühren lasse, dass mein Herz einen kleinen Sprung macht oder kurz aussetzt und mein Körper von ganz alleine einen besonders tiefen Atemzug nimmt, um die Realität dieses Moments voll aufzunehmen. Zuletzt bekam ich eine lange Mail eines Vaters Schwarzer Kinder, in dem er sich für einen Text von mir bedankt hat. Ja, es macht mich glücklich, wenn ich Menschen inspirieren kann. So wie ich von Menschen inspiriert werde. Das ist ein großes Geschenk.
Das Interview führte Melanie Raabe.
Mehr von Pasquale Virginie gibt es hier: http://empowering-diversity.tumblr.com/
Caterina, 28, Frankfurt a.M.
„Pure Vernunft darf niemals siegen“
Du bist auf einer Insel aufgewachsen. Stelle ich mir sehr schön vor – solange man noch ein Kind ist. Wie würdest du deine Kindheit und Jugend beschreiben?
Heiter bis glücklich. Auf einer Insel, die noch dazu direkt ans Festland angebunden ist, aufzuwachsen ist im Grunde nichts Besonderes, doch zuerst direkt am Strand und später in einem alten Forsthaus mitten im Wald aufzuwachsen ist es eben doch – selbst über das Kindsein hinaus. Ich hätte mir keine andere Kindheit und Jugend wünschen können. Aber gleichzeitig weiß ich: An diesen Ort kehre ich allenfalls als Touristin oder als Rentnerin zurück, er kann mir nicht das geben, was ich heute zum Leben brauche.
Was hat dich in deiner Jugend am meisten geprägt?
Angesichts meines Werdegangs müsste ich sagen: Bücher. Doch das wäre eine Verdrehung der Tatsachen, denn die Wahrheit ist, dass Musik und Kunst einen viel höheren Stellenwert in meinem Leben hatten. Vor allem aber waren es schon damals die Menschen in meinem Umkreis, die mich am meisten geprägt haben. Meine Familie ebenso wie meine Freunde. Sie – und gemeinsame Erfahrungen mit ihnen – haben mich zu jemandem gemacht, der an anderen Menschen, Kulturen und Sprachen interessiert ist, und das ist es, was wohl auch heute noch am meisten mein Wesen ausmacht.
Welche Art von Teenager warst du?
Diese Frage würde ich am liebsten überspringen, da meine Antwort in etwa so unspektakulär ausfällt, wie ich als Teenager war. Ich tanzte nur unwesentlich aus der Reihe, war nicht wilder als die anderen und genauso sonderbar, fiel auch sonst kaum auf. Gehörte zu den Stillen im Hintergrund, beobachtete, machte mein Ding, bewegte aber nicht die Welt. Daran hat sich bis heute wenig geändert. – Aber vielleicht spricht da auch nur die Bescheidenheit aus mir, von der eine Lehrerin einmal sagte, sie sei »mein Charakteristikum«. Ich habe das immer als Kompliment aufgefasst.
Du hast eine Zeit lang in Italien studiert. Wie war’s?
Das Studium? Nicht der Rede wert. Das Leben? Fantastisch. Eine schöne Zeit – ich bereue es nicht, sie dort verbracht zu haben, auch wenn das gleichzeitig heißt, sie nicht in Berlin und mit meinen Freunden verbracht zu haben. Ich liebe die Sprache, liebe viele der Menschen, die ich dort kennengelernt habe, und viele der Orte, an denen ich war. Nach vier Jahren hat es mir zum Leben zwar nicht mehr gereicht, und einiges, was Land und Leute ausmacht, ärgert mich – und doch: Mir fehlt Italien. Wenn ich heute hinfahre, ist es wie nach Hause kommen.
Was antwortest du, wenn dich ein Fremder auf einer Party fragt, „was du so machst“?
In solchen Situationen lässt sich immer ganz wunderbar der Name einer Initiative zur Vernetzung der Branche zitieren: »Ich mach was mit Büchern«. Es folgt in der Regel ein erwartungsvolles Augenbrauenheben, woraufhin ich präzisiere: »Ich arbeite in einer Literaturagentur.« Die meisten finden das spannend genug, um nachzuhaken und mir eine halbe Stunde lang Fragen zu stellen. Was toll ist, weil mir selbst immer schon nach zwei Fragen die Puste ausgeht, wenn mir jemand erzählt, er sei Wirtschaftsinformatiker oder Maschinenbauingenieur.
Wie bist du in der Literaturbranche gelandet?
Über einen relativ geraden Weg (zumindest in meinen Augen, aber manch anderer würde unter »gerade« vermutlich etwas anderes verstehen). Am Ende meines geisteswissenschaftlichen Bachelorstudiums habe ich mir in den Kopf gesetzt, ins Verlagswesen zu wollen, daraufhin habe ich einen Masterstudiengang namens »Journalismus und Verlagskultur« gewählt (inhaltlich leider eher zu vernachlässigen, aber der Titel genügte für alles Weitere), einige Praktika im Kulturbetrieb absolviert, u.a. in einer Mailänder Literaturagentur und in einem Berliner Verlag, die mir den Weg wiesen, schließlich ein Volontariat gesucht und gefunden, und zwar in jener Frankfurter Literaturagentur, in der ich bis heute tätig bin.
Was würdest du machen, wenn du nicht in der Buchbranche gelandet wärst?
Nach dem Abitur hatte ich mir fest vorgenommen, ein Studium der Bildenden Kunst zu absolvieren. Aber die Wahrheit ist, dass ich eine lausige Malerin und Zeichnerin bin, es reichte gerade einmal zum Beschenken von Verwandten. Zu Beginn meines Italienischstudiums hatte ich mir schließlich fest vorgenommen, etwas mit Sprachen zu machen. Eine deutlich weniger abwegige Idee als die Kunst, und so ähnlich ist es ja auch gekommen. Was gut ist, denn ich kann mir kaum etwas anderes vorstellen: Wenn es nicht die Buchbranche wäre, dann doch zumindest der Kulturbetrieb im weitesten Sinne, mich reizt zum Beispiel die Arbeit des Goethe Instituts. Das Geisteswissenschaftlerklischee – Taxifahren – kann ich hingegen nicht erfüllen, da ich nicht Auto fahre.
Woran erkennst du ein gutes Buch?
Es gibt keinen Kriterienkatalog, entlang dessen ich ein Buch beurteile. Es muss mich schlichtweg einnehmen, inhaltlich, vor allem aber stilistisch. Es muss etwas in mir auslösen, mich bewegen, aufrütteln, eiskalt erwischen und nicht wieder loslassen. Das kann ein Gegenwartsroman ebenso wie ein Krimi leisten. Wobei man natürlich unterscheiden muss, für wen und was ich das Buch beurteile: In der Agentur muss ich immer auch die Ausrichtung der Verlagsprogramme, die Bedürfnisse des Marktes und somit die Verkäuflichkeit des Stoffes im Blick haben, »gut« ist hier also relativ; bei meinen privaten Lektüren lege ich ganz andere Kriterien an, da bin ich wie jeder Leser radikal subjektiv.
Welches sind deine Lieblingsautoren?
Lieblingsbücher habe ich einige – Lieblingsautoren hingegen kaum, da ich von den wenigsten Autoren mehr als ein oder zwei Bücher kenne. Das ist keine bewusste Entscheidung, es ergibt sich nur meistens so, weil es schlichtweg so viele literarische Stimmen zu entdecken gibt. Unumstritten an erster Stelle steht jedoch Jonathan Safran Foer, dessen Bücher genau das mit mir machen, was ich vorher beschrieben habe. Weitere Anwärter auf den Olymp: David Grossman, Nicole Krauss, Salman Rushdie und einige andere. Im deutschsprachigen Raum sind es Autoren wie Sibylle Berg, Clemens J. Setz und Tilman Rammstedt, deren Schaffen ich rege mitverfolge. Und darf’s auch noch etwas Italienisches sein? Et voilà: Andrea Bajani und Andrea De Carlo.
Was war deine coolste (interessanteste, lustigste…) Begegnung mit einem Autor?
Das Tolle an meinen Job ist ja: Coole Begegnungen mit Autoren habe ich ständig, was auch daran liegt, dass Autoren einfach eine coole Spezies sind. Ich würde jetzt zum Beispiel gerne erzählen, wie ich einmal mit Tilman Rammstedt in einer Bar in Berlin Mitte versumpft bin. Da ich aber ohnehin schon Gefahr laufe, für einen Groupie gehalten zu werden, erzähle ich an dieser Stelle lieber, wie ich im Rahmen eines Betriebsausflugs gemeinsam mit Stephan Thome den Grenzgang im hessischen Biedenkopf bestritt. Das ist jenes Volksfest, das als Kulisse für Thomes gleichnamigen Debütroman diente und bei dem drei Tage lang zunächst eifrig gewandert und dann eifrig gefeiert wird.
Im Detail hieß das für mich: fünf Uhr morgens aufstehen, zwei Stunden auf dem Marktplatz stehen und den Biedenköpfern beim Aufmarsch zugucken, anschließend strammen Schrittes durch den Wald, fünfzehn Kilometer bergauf, bergab, zwischendurch eine Frühstückspause samt Bier und Würstchen, abends im Festzelt mit dem Autor zu Schlagermusik schunkeln (wobei ich gestehen muss, dass ich nur einen der drei Tage mitgemacht habe). Ein mitunter bizarres Ereignis, wie wohl jedes Volksfest, zumindest aus der Sicht des Außenstehenden – aber amüsant war’s allemal. Und da bekommt das Eintauchen in literarische Welten gleich eine ganz andere Bedeutung.
Mit welchem Autor würdest du gerne mal ein Bier trinken und über das Leben philosophieren?
Nachdem ich mit Herrn Rammstedt nun schon trinken war, würde ich jetzt gerne mal Clemens J. Setz einen ausgeben. Seinen Roman Die Frequenzen habe ich geliebt, noch mehr aber liebe ich seine Lesungen, denn Setz ist ein großartiger Erzähler, der über ein üppiges Repertoire an skurrilen, tragikomischen und wundersamen Geschichten verfügt. Nicht anders stelle ich mir einen Kneipenabend mit ihm vor: Er erzählt, ich nippe schweigend an meinem Bier und kichere und/oder staune vor mich hin. Daher mein Kulturtipp für alle: Wenn Clemens Setz in eurer Stadt liest, geht hin, hört zu und seid glücklich!
Welches sind deine Lieblingsbücher – und warum?
Ich frage mich, ob jemals ein Buch kommen wird, das David Grossmans Stichwort: Liebe und Jonathan Safran Foers Everything Is Illuminated von ihrem Thron stürzen wird. Seit Jahren sind es diese beiden Bücher, die ich nennen muss, wenn ich nach meinen Lieblingsbüchern gefragt werde. So klug, so erschütternd, so unfassbar schön sind sie. Auf faszinierend kunstvolle Weise erzählen sie Geschichten, die einen mit voller Wucht erwischen und nie wieder loslassen. Und genau diesen Anspruch habe ich an Literatur. Der erste Roman, der mich in meinem Werdegang als Leserin sprachlich vollkommen eingenommen hat (mir liegt häufig mehr an der Sprache als an der erzählten Geschichte), ist allerdings Vladimir Nabokovs Lolita. Ich habe ihn zuerst mit sechzehn oder siebzehn gelesen und seither noch einige Male. Wunderschön, wie Humbert Humbert, dieses Scheusal, von seiner Liebe zu dem minderjährigen Mädchen spricht. Der Kontrast zwischen der Abscheulichkeit der Geschichte und der Poesie, mit der diese Abscheulichkeit dargestellt wird, fesselt mich, lässt mich schaudern, berührt mich.
Du betreibst nicht nur das Literatur-Blog „Schöne Seiten“, sondern bist auch Teil von „We read Indie“, eines Zusammenschlusses von Bloggern, der auf Literatur aus unabhängigen Verlagen aufmerksam macht. Warum ist dir das wichtig?
Weil es auf dem Buchmarkt zu viel Mittelmaß gibt, zu viel Belangloses und Uninspiriertes. Viele kleine Literaturverlage bemühen sich im Kontrast dazu um ein anspruchsvolles Programm abseits des Mainstreams, sie stehen hinter jedem einzelnen Buch, das sie machen, statt sich an irgendwelchen Trends zu orientieren – heraus kommen Produkte mit hochwertigem Inhalt und ebenso hochwertiger Ausstattung. Doch leider haben diese Verlage häufig nicht die Kraft, um auf sich aufmerksam zu machen, weil sie schlichtweg nicht über dieselben finanziellen und personellen Ressourcen verfügen wie die großen Publikumsverlage. »We read Indie« ist unser kleiner Beitrag, um die Sichtbarkeit dieser Verlage zu erhöhen.
Welche Bücher aus kleinen Indie-Verlagen hätten deiner Meinung nach mehr Aufmerksamkeit verdient? Dies ist die Gelegenheit, uns ein paar zu empfehlen!
Zuletzt habe ich den wunderbaren Liebeskind Verlag aus München für mich entdeckt, den ich vor allem (aber nicht nur) für die aufregenden amerikanischen Schriftsteller schätze, die er in den letzten Jahren ins Deutsche übertragen hat. Daniel Woodrell, Donald Ray Pollock, James Sallis – das ist harte, düstere Literatur, die einem den Atem raubt. Doch dass Liebeskind auch anders kann, beweist der Verlag mit Romanen wie denen der Japanerin Yoko Ogawa, die surreal-verträumte Geschichten schreibt. Eines der beeindruckendsten Indie-Bücher, die ich je gelesen habe, ist allerdings nicht bei Liebeskind erschienen, sondern in der Frankfurter Verlagsanstalt: Mein sanfter Zwilling von Nino Haratischwili. Was für eine Wucht, was für ein intensives Leseerlebnis! Außerdem überaus empfehlenswert: die bereits erwähnten Frequenzen von Clemens J. Setz (Residenz), Schipino von Svenja Leiber (Schöffling & Co.) und Ich nannte ihn Krawatte von Milena Michiko Flašar (Wagenbach), um nur ein paar weitere Highlights zu nennen. Und es gibt so viele andere großartige Indie-Verlage, die es zu entdecken lohnt: beispielsweise mairisch aus Hamburg, Matthes & Seitz aus Berlin sowie Salis aus Zürich/Berlin.
Wie war der Literaturjahrgang 2013 aus deiner Sicht? Was waren für dich die Highlights?
Ich muss zugeben, dass ich mich zwar eingehend mit Neuerscheinungen befasse, indem ich regelmäßig die Verlagsvorschauen sichte, einer Handvoll Literaturblogs folge und täglich das Feuilleton scanne – doch selten landen diese Bücher auf der Stelle in meiner Bibliothek, und noch seltener werden sie auf der Stelle gelesen. Ich lese, was für mich dringend ist – und das können ganz andere Sachen sein als die, die frisch erschienen sind. Insofern spiegeln meine Lesejahre nur bedingt das, was auf dem Markt geschieht, wider. Am besten fragst du mich in zwei, drei Jahren noch einmal nach dem Literaturjahrgang 2013. 😉
Was mein persönliches Lesejahr betrifft, hätte ich mir etwas mehr Rauschzustände gewünscht. Wirklich betörend war nur ein Roman für mich, und zwar Katharina Hartwells Debüt Das fremde Meer, erschienen im Berlin Verlag (sieh an: eine Neuerscheinung!). Vieles andere war gut, darunter die oben erwähnten Amerikaner im Liebeskind Verlag; vieles aber leider auch Mittelmaß. 2014 hat in dieser Hinsicht hoffentlich mehr zu bieten.
Kannst du dir vorstellen, selbst mal ein Buch zu schreiben?
Ich würde es mir gerne vorstellen können, weil ich die Idee schön finde, irgendwann ein Buch in den Händen zu halten, das hübsch anzusehen ist und meinen Namen trägt. Aber diesen Gedanken habe ich längst aufgegeben, da ich eingesehen habe, dass ich keine Schriftstellerin bin. Ich kann an Geschichten arbeiten, die bereits auf dem Papier existieren; was ich nicht kann, ist, eine Geschichte selbst zu erfinden, dafür fehlt mir die Beobachtungsgabe, vermutlich auch eine eigene Stimme. Vor allem aber: der Drang zu schreiben. Zumindest momentan.
Welche Kunstformen interessieren dich neben der Literatur?
In erster Linie: Musik und Filme. Sie sind zwar nicht Inhalt meiner Arbeit wie die Literatur, und ich kann nicht behaupten, dass ich Ahnung davon hätte, aber begeistern kann ich mich für sie allemal, mein Leben könnte ich ohne sie ebenso wenig bestreiten wie ohne Bücher. Aber auch andere Kunstformen interessieren und begleiten mich, die Fotografie etwa oder die Malerei. Und selbst das Theater, bei dem ich immer Berührungsängste hatte, entdecke ich gerade für mich, dank einiger grandioser Inszenierungen am Schauspiel Frankfurt.
Hast du einen Lieblingsfilm?
Eher einen Lieblingsregisseur, dessen Werk ich verfolge wie sonst kein anderes: Wes Anderson. Darjeeling Limited liebte ich, aber auch Royal Tenenbaums und Moonrise Kingdom, und ich kann es kaum erwarten, dass der neueste Film, The Budapest Hotel, ins Kino kommt. Ich mag den schrägen Humor und die skurrilen Bilderwelten, die Anderson entwirft, und ich mag all die fabelhaften Schauspieler, die wie lebende Running Gags sein Werk durchziehen, allen voran Bill Murray. Aber es gibt natürlich auch großartige Filme jenseits von Wes Anderson: Lost in Translation von Sofia Coppola, Heaven von Tom Tykwer, Shame von Steve McQueen, In the Mood For Love von Wong Kar-Wai, Gegen die Wand von Fatih Akin. Und verdammt viele andere.
Welche Bands und Songs gehören auf den Soundtrack deines Lebens?
Meines aktuellen Lebens? Meines Lebens überhaupt? Da müsste ich auf jeden Fall Sting, The Police und R.E.M. nennen, die mich in meiner Jugend begleiteten. Außerdem gibt es eine Handvoll Songs, die damals unsere Samstagabende prägten, die wir im immer gleichen Club verbrachten (es überrascht sicher nicht, wenn ich sage, dass die Insel nicht viel abseits des Mainstreams zu bieten hatte): von der deutschen Ska-Combo Lex Barker Experience über »Creep« von Radiohead und »Like the Way I Do« von Melissa Etheridge bis hin zu System of a Down und The Prodigy.
Heute höre ich vor allem Indie und Alternative, darunter auch einiges Elektronisches. Das kann Sigur Rós ebenso wie der fabelhafte kanadische Singer-Songwriter Patrick Watson sein, Arcade Fire, Woodkid oder The Knife. Zuletzt entdeckt: das französische Duo Sexy Sushi, das wüsten Elektro macht, die ruhige Isländerin Sóley, die Schweizer Indie-Bands Alvin Zealot und One Sentence. Supervisor sowie Soap&Skin aus Österreich, deren umwerfende Stimme ich zuerst in dem Song »Goodbye« von Apparat gehört habe. Es war von Anfang an Liebe.
Welches war das beste Konzert, auf dem du je warst?
Das beste ist in der Regel das, was zuletzt war und am präsentesten in meiner Erinnerung ist. Und das war Sigur Rós in Frankfurt im November vergangenen Jahres. Aber selbst wenn es nicht das letzte Konzert wäre, würde ich vermutlich behaupten, es sei eines der besten gewesen: zwei Stunden lang Gänsehaut, zwei Stunden lang völlige Entrückung. Ebenfalls toll: die italienischen Musiker Max Gazzè und Raphael Gualazzi vor einigen Jahren – der eine in einem Theater in Bologna, der andere im Garten einer Mailänder Villa, ganz anders als Sigur Rós, aber beide auf ihre Weise hinreißend. Ein Konzert, auf dem ich noch nicht war, das aber – ich ahne es – eines der besten meines Lebens werden könnte: Woodkid samt Orchester.
Momentan wohnst du wegen des Jobs in Frankfurt, bist aber auch oft in Berlin. Wo würdest du leben, wenn du vollkommen freie Wahl hättest?
Keine Frage: Berlin. Viele meiner Freunde leben dort, und ich habe das Gefühl, dass es in dieser Stadt noch viel für mich zu entdecken gibt. Kultur, Kneipen, Clubs. Und auch die Literaturbranche scheint mir dort um einiges lebendiger, man geht auf Lesungen und kommt immer mit tollen Leuten ins Gespräch, bestenfalls versackt man anschließend in einer Bar. In Frankfurt gibt es – so mein Eindruck – weniger Austausch, mit Ausnahme vielleicht der Buchmesse, die ja eine einzige große Party ist. Aber jenseits von Berlin reizen mich natürlich auch andere Städte: Tel Aviv ist eine davon – seit einigen Jahren hat sich in meinem Kopf die Idee festgesetzt, irgendwann einmal ein paar Monate dort zu verbringen.
Wo siehst du dich in zehn Jahren? (Sorry, wenn das jetzt ein bisschen nach Bewerbungsgespräch klingt! 😉 )
Hätte man mich das vor zehn Jahren beim Abi gefragt, hätte ich mit Sicherheit nicht gesagt: in Frankfurt lebend und als Lektorin arbeitend. Wer landet schon in Frankfurt, von der Ostsee aus gesehen? Und mit Literatur hatte ich auch nichts am Hut, zumindest nicht in dem Maße, dass ich mir hätte vorstellen können, damit meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Weil es also vermutlich ohnehin anders kommt, halte ich mich mal mit meinen Prognosen für die nächsten zehn Jahre zurück. Ich ahne aber, dass es cool wird.
Was ist das Aufregendste, was dir je passiert ist?
Einen bestimmten Moment gibt es nicht, den ich in meinem Leben herausstellen würde, eher eine Zeit. Die Jahre in Italien waren zum Beispiel so eine Zeit, das Leben, Denken, Lieben in einer anderen Sprache – das war schon klasse. Aber auch die Zeit seit meiner Rückkehr nach Deutschland ist aufregend – schlichtweg, weil der Beruf, den ich habe, und die Leute, denen ich dadurch begegne, aufregend sind. Würde ich jetzt auch noch in Berlin oder Tel Aviv leben, wäre das vermutlich zu viel der Aufregung. 😉
Hast du ein Vorbild?
Kein Vorbild im eigentlich Sinne, an dem ich mich auf meinem Lebensweg orientiere. Aber genügend Menschen, die ich für das, was sie tun und sind – auch wenn es etwas vollkommen anderes ist als das, was ich tue und bin –, sehr bewundere, die mich faszinieren und mich beeindrucken, auf ganz unterschiedliche Art. Das können Freunde ebenso wie Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, sein. Auf die Gefahr hin, dass der Name in diesem Interview inflationär gebraucht wird: Jonathan Safran Foer ist so ein Mensch. Er hat etwas zu sagen, und er tut es auf eine so einzigartige und inspirierende Weise, dass man ihm unbedingt zuhören möchte.
Hast du ein Lebensmotto?
Der Tocotronic-Songtitel »Pure Vernunft darf niemals siegen«. Zumindest arbeite ich dran.
Was inspiriert dich?
Alles, worüber wir bisher gesprochen haben. Literatur, Musik, Filme – Künste aller Art. Orte. Und Menschen. Menschen, die sich für eine Sache begeistern und diese Begeisterung auf andere übertragen können. Vor allem die.
Welche Frage habe ich vergessen, obwohl du eine total coole Antwort darauf gehabt hättest?
Ich halte mich an Proust und frage: »Deine größte Extravaganz?« (Wobei ich vor allem die Frage mag – eine »total coole« Antwort ist jetzt vielleicht ein bisschen zu viel verlangt.)
Wie lautet die Antwort?
Meine Rastlosigkeit.
Caterina betreibt das fabelhafte Buch-Blog http://caterinaseneva.wordpress.com/ und schreibt zudem für http://readindie.wordpress.com/, einen Zusammenschluss von Literatur-Bloggern, die sich mit Veröffentlichungen aus Indie-Verlagen befassen.
Das Interview führte Melanie Raabe.
Alle Fotos: privat
Nilgün, 24, Berlin
„Mich faszinieren Dinge,
die ‚out of the box‘ gedacht sind.“
Nilgün! Du hast kürzlich geheiratet. Herzlichen Glückwunsch!! Und im Anschluss gleich eine vielleicht völlig dämliche Frage, aber: Warum?
Vielen Dank! Als ich meinen Mann bei „World of Warcraft“ kennengelernt habe, dachte ich auch noch nicht, dass wir mal heiraten würden. Die Füllung für die Worthülse „Ehe“ kommt für mich aus der islamischen Lehre. Im Islam ist die Ehe kein Sakrament, das sich erst durch den Tod eines Ehepartners aufhebt, sondern die Verbundenheit zweier Menschen vor Allah, der so nebenbei gesagt der gleiche Gott Abrahams, Moses‘ und Jesu‘ ist. Es ist zwar die unliebsamste himmlische Erlaubnis, aber es gibt sie, die Erlaubnis zur Scheidung. Trotzdem muss ich sagen, tut es ziemlich gut in Zeiten des „schneller, besser, sexier“ und des Beziehungskonsums, sich auf eine Person voll einlassen zu können und von der Qualität der Beziehung zu leben. Uns wird täglich von der Werbung suggeriert, hey es geht noch was, du besitzt noch nicht alles um glücklich zu sein, und das hat sich stark auf die Partnerschaften unserer Kultur ausgewirkt. Verbindlichkeit geht auch ohne Ja-Wort. Aber mit der islamischen Ehe haben wir hoffentlich Gottes Segen eingeholt und zusätzlich eine fette Party geschmissen. Außerdem ist die Ehe so out, dass sie schon fast wieder in ist. Auf unserer Hochzeit war Stefans Großvater der Einzige, der den bräutigamschen Zylinder altmodisch fand, die anderen haben begeistert nach dem neuen „It-Item“ gefischt.
Du bist vor einigen Monaten von Köln nach Berlin gezogen. Klare Sache: Pech für Köln! Wie gefällt es dir in der Hauptstadt?
Hier fluktuiert alles, und man trifft so viele unglaubliche und talentierte Menschen. Berlin ist ein interessantes Phänomen, die Stadt bietet nicht unbedingt die besten Studien- oder Arbeitsplätze im Land, aber die Menschen die es hierher verschlägt, kommen wegen ihrer Interessen und ihrem Lebenshunger. In anderen Großstädten wie London oder Paris bestimmt den Zuzug viel mehr die Arbeitssuche. Unfreiwilligerweise hat sich die Natur um Berlin herum gut erhalten, und ich kann es nicht fassen in Brandenburg noch auf Hirsche, Füchse und eine halbwegs intakte Flora zu treffen. Wenn irgendwo ein Bach plätschert, spricht es wohl meine innere Nymphe an.
Du bist eine Frau mit vielen Talenten und Interessen. Vor allem aber machst du großartige Fotos. Was inspiriert dich?
Mich haben früher Romane inspiriert, in denen es starke Frauenbilder und interessante, abweichende Männerrollen gibt. Lesen ist immer noch ein wichtiger Quell von Inspiration für mich, auch asiatische Filme, das Leben meiner Mitmenschen und vor allem die Natur und Mythologien, in denen sie gepriesen wird. Natürlich muss es zu all dem einen guten Soundtrack geben. Meine Fotos geben eine Sehnsucht nach der Natur wieder, wie ich es auch bei vielen anderen zeitgenössischen Künstlern nachempfinden kann. Ich finde es irgendwie ironisch, weil sich dieses Phänomen alle paar Jahrzehnte oder -hunderte wiederholt, aber ich kann mich dem trotzdem nicht entziehen. Meine erste Ausstellung war meiner in jungen Jahren entdeckten „Floral Fixation“ gewidmet.
Welche Fotografen bewunderst du?
Das Zeitalter der Social Networks hat die Hierarchien abgeflacht und man erfährt viel mehr von jungen Künstlern. Es gibt so viele Fotografen, die wunderbare Arbeiten haben, und ich finde es manchmal faszinierend, wie Qualität und Popularität nicht Hand in Hand zu gehen scheinen. Um einige zu nennen, die vielleicht weniger bekannt sind: Jingna Zhang kommt aus Singapur und ist eine großartige und vielseitige Fotokünstlerin. Interessant finde ich auch, dass sie ebenso wie ich ein Gamer ist und in ähnlichen Dingen Inspiration findet. Kiki Xue ist ein chinesischer Fotograf, Elizaveta Porodina eine russische Fotografin, und Chen Man stammt ebenfalls aus good old Beijing. Außerdem tummeln sich in Krakau besonders viele junge, begabte Analogfotografen. Ich hab demnächst mal vor, dahin zu fahren und mir das Nest anzuschauen.
Hast du noch andere künstlerische Vorbilder?
Botticelli, Dante Gabriel Rossetti, Gustav Klimt, alles Leinwandkünstler vergangener Epochen. Aus der Filmwelt begeistern mich seit jeher Wong Kar Wai, Ang Lee und vor allem Hayao Miyazaki mit seinen Zeichentrickfilmen, in denen man ewig Kind sein und in Fantasie und Weisheit gleichermaßen schwelgen kann. Die Modewelt hat auch einen starken Einfluss auf meine Arbeit und Denkweise, aber nicht direkt die akuten Konsumwellen, die jede Saison neu einschlagen. Um konkret etwas zu nennen: Alexander McQueen, Vivienne Westwood und internationale Kostümgeschichte. Einige Kostüme von den Shootings stammen von mir.
Für viele Menschen mit vielfältigen Talenten ist es schwer, sich für einen Beruf zu entscheiden. Was ist dein Plan?
Meinen Master machen und dann schauen, was der Arbeitsmarkt bietet. In der Zwischenzeit habe ich vor, ein Dutzend Video und Fotoprojekte umzusetzen, damit ich mich nicht der Schande hingeben muss, dass mein Notizbuch voller ist, als mein Portfolio. Mir gefällt es, finanziell nicht von meiner kreativen Arbeit abhängig zu sein, dann kann ich mich ihr besser hingeben und hoffentlich ehrliche Werke schaffen.
Gibt es irgendein neues Projekt, eine Seite oder irgendwas sonst, das du hier gerne promoten würdest? Fire away!
Da wir so viel über den Glauben geredet haben, würde ich gerne eine Kampagne zur institutionellen wie kulturellen Akzeptanz des Islam in Deutschland vorstellen. Mit „Juma“ (Jung, Muslimisch, Aktiv) arbeiten wir an einem Videobeitrag zum Thema, der kurz vor der Bundestagswahl richtig durchstarten wird. Watch out! http://www.juma-projekt.de/
Und meine Internetseiten! http://www.nilgunakinci.com ist noch im Aufbau und hat so gesehen noch kein Release erfahren.
Dann gibt es noch http://www.nilgunakinci.tumblr.com/ und meine Facebook-Seite
http://www.facebook.com/nilgunakinciphotographer. Like, like, like!
Deine Familie kommt aus der Türkei. Spiegelt es sich in deiner Kunst, dass du in zwei unterschiedlichen Kulturen zu Hause bist?
Das kann gut sein. Aber wie das so ist, sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht und stecke zu sehr in meiner Haut, um das zu beurteilen. Ich beschäftige mich mit vielen transkulturellen und Genderthemen, was ich – surprise, surprise – auch studiere. Mich faszinieren Dinge, die „out of the box“ gedacht sind. Das kommt sicher von meiner Macke, mich partout nicht in eine Schublade stecken zu lassen. In zwei Kulturen groß zu werden kann zwei Dinge bedeuten: entweder man fühlt sich keiner der beiden zugehörig und zurückgewiesen oder man sieht es als die größte Chance des Jahrhunderts und als Vorsprung in der Globalisierung der Welt.
Auf der Facebookseite „Muslima Pride“ hast du kürzlich erläutert, was es für dich bedeutet, Muslimin zu sein. Hat mich – ich bin nicht-praktizierende, evangelische Christin – ziemlich beeindruckt, der Text. Wie hat dich dein Glaube geprägt?
Ich habe in meiner Jugend ein Kopftuch getragen, die Zeit, in der andere Mädchen grelles Make Up und Flirts mit Jungs ausprobieren. Es war toll, muss ich sagen, ich hab mich gefühlt wie Shams-ad-Din, ein Sufi auf Wanderschaft, spirituell unglaublich reich. Aber es macht dich ziemlich früh und unvorbereitet zur Zielscheibe der Gesellschaft und seltsamerweise in irgendeinem Stockholm-Syndrom-Verdreher auch zu der der eigenen Familie, wie es mir aus anderen muslimischen Familien in Deutschland auch zu Ohren gekommen ist. Irgendwann war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich diese Zielscheibe abgelegt hab und mich in die Anonymität der Kopftuchlosigkeit geflüchtet habe. Es mag seltsam klingen, aber die Gesellschaft hat es mir nicht gegönnt, mit einem Stück Tuch anders zu sein. Wieso wird in unserer Gemeinschaft so etwas intimes wie die Wahl der Kleidung überhaupt in Frage gestellt? Ich habe inzwischen meinen Frieden damit geschlossen, kann es aber nicht akzeptieren, dass anderen Frauen solch eine Diskriminierung widerfährt. Mein Glaube begleitet mich in meinem Alltag und bei besonderen Anlässen, aber ich würde sagen, dass er für meine Mitmenschen erst im Monat Ramadan auffällt, der dieses Jahr wieder in zwei Wochen eintrifft. Ich freue mich darauf, ganz viele Freunde und meine Familie zum Iftar – dem Fastenbrechen nach Sonnenuntergang – einzuladen und mit ihnen dieses Erlebnis zu teilen. Offenheit gegenüber den Welteinstellungen meiner Mitmenschen ist für mich essentiell, schließlich kennt die Offenbarung viele Wege, sich den Menschen zu zeigen.
Gender und Feminismus sind für dich – genau wie für mich – große Themen. Was bedeutet es für dich, eine Frau zu sein? Hier und heute, 2013, in Berlin?
Ich habe mir nach harter Arbeit eine Sexismus-freie-Zone geschaufelt, in der ich mich als Frau wohl fühle. Aber ich sehe, wie andere noch daran zu leiden haben, und solange irgendjemand diskriminiert wird, dürfen wir nicht aufgeben, die Gesellschaft den darin Lebenden menschenwürdig anzupassen. Sexismus wird häufig hinter anderen Vorwänden versteckt, wie Arbeitsmoral, Ausländerfeindlichkeit, pure Gewalt, „die Natur der Dinge“ – dass ich nicht lache. Aber irgendwann werden die Ausreden ausgehen, und bis zu diesem Zeitpunkt müssen wir dahinter stehen.
Sich mit Feminismus und damit automatisch auch mit Sexismus zu befassen, hat für mich lange Zeit bedeutet, eigentlich ständig wütend zu sein. Wie geht es dir damit?
In meiner Jugend war ich rasend vor Wut angesichts der Ungerechtigkeiten, denen ich selbst ausgesetzt war und der andere ausgesetzt waren, wie ich als Betroffene bemerkt habe. Ich frage mich, warum ich nie etwas umgestoßen habe, Autos, Zeitungsständer oder einfältige Lehrer. Zu viele Faktoren trafen aufeinander, Tochter einer akademischen jedoch patriarchischen Familie, Kopftuch-Punk auf einem Schnösel-Gymnasium, Immigrant in der dritten Generation (ich habe gehört, die sind die Besten, lange Vorlaufzeit) und eine Übersensibilität und Verantwortungsbewusstsein für das Leid auf der Welt und die Klimaerwärmung. Glücklicherweise habe ich Geduld, Motivation und Inspiration in den Frauenbildern des Islam und in den Romanhelden meiner Jugend gefunden. Ich hoffe, durch meine Werke, diese Kraft und Inspiration weitergeben zu können. Außerdem habe ich inzwischen die richtigen Menschen getroffen und gelernt, mit den Unrichtigen umzugehen. Sie sind nicht so übermächtig, wie es sich manchmal anfühlt und durch Aufklärungsarbeit, Dialoge und persönliche Kontakte, in denen man sich der Lebensgeschichte des anderen bewusst wird, kann man die Dinge hin zum Positiven bewegen. Omm!
Das Interview führte Melanie Raabe. Be friendly! Meet me at http://www.facebook.com/mademoiselleraabe. Ganze Biographien von mir gibt’s auf http://www.geschenkbuch-deluxe.de.
Fotos 1 bis 4 von oben: Selbstporträts von Nilgün Akinci, Fotos 5 und 6 von oben: privat, Foto 7 von oben: Natalia Le Fay
Frank, 31, Berlin
„Keine halben Sachen“
Frank, du wohnst in Berlin, bist in Oberberg aufgewachsen, aber ursprünglich kommst du aus Hermannstadt in Siebenbürgen. Wie alt warst du, als deine Familie umgezogen ist?
Ich war zarte acht Jahre alt.
Ich war sieben, als meine Familie vom platten Land in der Nähe von Jena nach Oberberg gezogen ist. Ich fand’s aufregend – neue Freunde, neue Erlebnisse… Wie war das so für dich?
Ich glaube, ich war extrem schüchtern damals und durch das ständige Hin- und Herziehen, bis wir endlich im Oberbergischen Kreis landeten, hielt sich die Aufregung bei mir in Grenzen. Es hat schon eine Weile gedauert, bis ich Freunde gefunden und mich gegenüber der neuen Heimat geöffnet habe. Ich habe noch ziemlich lange mit „zu Hause“ Siebenbürgen gemeint, wenn ich mich mit meiner Familie unterhalten habe.
Deine siebenbürgischen Wurzeln bedeuten für mich vor allem: das fabelhafte Essen deiner Mom. Und für dich?
Ja, das ist schon ein großer Teil dessen, das hast du richtig erkannt! Ansonsten sind die geschichtlichen Wurzeln für mich als Nebenfachhistoriker natürlich faszinierend. Alles andere ist schwer zu beschreiben. Ich fühle mich jedes Mal wie im siebten Himmel, wenn ich dort bin und auf den Spuren meiner Kindheit wandle. Ich werde dann total sentimental und würde am Liebsten der ganzen Welt zeigen, wie schön es dort ist und was es alles zu entdecken gibt. Vielleicht mache ich das ja auch mal, später…
Du warst schon in Berlin angekommen, lange bevor „alle“ hingezogen sind. Ist Berlin immer noch die Stadt für dich?
Naja, das denkt, glaube ich, so ziemlich jeder von sich, der schon mindestens sechs Monate hier wohnt. (lacht) Nach über zehn Jahren Berlin bin ich der Stadt immer noch nicht überdrüssig. Mich nerven mittlerweile zwar einige Dinge ziemlich, aber andere möchte ich wiederum auch nicht missen. Die Stadt verändert sich sehr mit den vielen, vor allem jungen Leuten, die herziehen, um sich hier auszutoben und ihre Berlin-Illusion auszuleben beziehungsweise enttäuscht zu werden. Und wenn mir das alles dann irgendwann auf den Sack geht, ziehe ich raus nach Schöneweide und vergentrifiziere ein paar alteingesessene Nazis oder fliehe gleich ins Ausland.
Gibt es noch eine andere Stadt, in der du dir vorstellen
könntest, zu leben?
Schwer zu sagen. Ich mag viele Städte, aber ich könnte selbst von New York nicht sagen, ob ich es dort auf Dauer so lange aushalten könnte, wie in Berlin. Also um es zu versuchen, würde ich vielleicht mit New York anfangen… und wenn das Geld nicht reicht, dann Hamburg.
Was liebst du an Berlin?
Die Geschichte an jeder Straßenecke, die vielen Kieze, gute Currywurst, die Freizügigkeit, das viele Grün, Baulücken, den ÖPNV, all die lieben Menschen, die ich hier kennenlernen durfte.
Und was hasst du an der Stadt?
Die überdurchschnittlich starke Selbstbezogenheit und Ignoranz vieler Leute, das Gefühl, ungefragt Statist in einem großen Vergnügungspark zu sein, das Fehlen eines zukunftsfähigen und durchdachten Stadtentwicklungskonzeptes – ganz ehrlich!
Lass uns über Kunst reden. Hast du momentan einen Lieblingskünstler – aus welcher Sparte auch immer?
Da muss ich wirklich nachdenken. Also aus dem zeitgenössischen Bereich: Neo Rauch und Norbert Bisky. Letztes Jahr habe ich nach einem Museumsbesuch in Chemnitz Otto Dix für mich entdeckt. Was Kunst und Kultur grundsätzlich angeht, interessiere ich mich besonders für Fotografie, die Klassische Moderne und Mariah Carey. (lacht)
Welcher Künstler hätte deiner Meinung nach mehr Aufmerksamkeit verdient?
Der Musiker Le1f, die Fotografen Herbert Tobias und Frieda Riess – und Iwan Rheon. Diese Augen!
Ob Foto, Performance, Skulptur, Bild, Song oder wasauchimmer – welches Kunstwerk hat dich in letzter Zeit am meisten beeindruckt?
Während der Recherche für meine Magisterarbeit bin ich wieder über den chinesischen Künstler Xu Bing gestolpert. Sein „A Book From the Sky“ von 1988 hat mich sehr fasziniert. Er hat unzählige Schriftrollen und Buchseiten mit tausenden erfundenen Schriftzeichen bedruckt, die zwar chinesischen Zeichen ähneln, aber keine echten sind. Die vielen Druckstempel mit den fiktiven Zeichen hat er in jahrelanger Arbeit selbst geschnitzt. Das Spiel mit Sprache und Schrift ist sehr charakteristisch für ihn und hat mich sehr fasziniert. Als ich mit meinem Studium anfing, wurde
„A Book From the Sky“ gerade in Berlin ausgestellt, und ich möchte mich immer noch dafür in den Arsch beißen, dass ich nicht hingegangen bin.
Du hast während deines Sinologie-Studiums ein Jahr in China verbracht – hauptsächlich in Shanghai. Wie würdest du diese Erfahrung zusammenfassen?
Insgesamt als sehr erkenntnisreich und wertvoll. Ich würde zwar nicht gleich mit dem Wort „Kulturschock“ um mich werfen, denn das klingt irgendwie abwertend, aber die Andersartigkeit der Alltagskultur und die andere Perspektive auf die Welt fand ich echt aufregend – im Guten, wie im Schlechten. Vieles was andere „Westler“ um mich herum damals einfach nur „nervig“ oder „komisch“ fanden, hat mich meist neugierig gemacht. Ich habe die Andersartigkeit nie bewertet, sondern einfach als Realität angenommen, und das hilft beim Verständnis einer neuen Umgebung. Eine Erfahrung, die ich niemals missen möchte.
Hast du noch Kontakte nach China?
Ja, ich habe noch einige Freunde und Bekannte dort, die ich nach meinem Abschluss wieder besuchen möchte. Einige haben mich in Berlin besucht und je mehr ich von den Veränderungen in Shanghai, Peking und Co. höre, desto größer wird mein Fernweh.
Genau wie ich bist du auch ein ziemlicher Serienjunkie. Hast du das Ende von 30 Rock schon verkraftet?
Hach, das war schon schwer, das muss ich zugeben. Es war ’ne großartige Serie, die aber zum Glück rechtzeitig aufgehört hat. Tina Fey wird uns sicherlich noch mit schönen Sachen beglücken.
Was sind momentan deine Lieblingsserien?
Ähm, hier meine obligatorische Liste: Parks and Recreation, House of Cards, The Good Wife, Up all Night, Game of Thrones, VEEP, The Big C, Modern Family. Und mein All-Time-Coming-Out-Nostalgie-Favourite Will & Grace, was ich mir ein Mal im Jahr von Anfang bis Ende anschaue.
Gibt es ein Projekt – egal ob ein eigenes oder das von anderen – das du gerne promoten würdest? Hier ist die Gelegenheit!
Das Aufklärungsprojekt „queer@school“ des Jugendnetzwerks Lambda Berlin-Brandburg e.V. (http://queer-at-school.de/). Die gehen in Berliner Schulen und setzen sich für mehr Geschlechtergerechtigkeit und Akzeptanz sexueller Vielfalt und gegen Homophobie und Transphobie an Schulen ein.
Eine letzte Frage: Hast du ein Lebensmotto oder eine Lebensphilosophie?
Keine halben Sachen!
Das Interview führte Melanie Raabe. Don’t be shy! Meet me at http://www.facebook.com/mademoiselleraabe. Ganze Biographien von mir gibt’s auf http://www.geschenkbuch-deluxe.de.
Alle Fotos: privat